Die Popkultur erobert Wien

Bei der ersten Vienna Comic Con am 21. Und 22. November machten vor allem die verkleideten Besucher auf sich aufmerksam. Was steckt hinter dem Begriff Cosplay und wie unterscheidet es sich vom normalen Verkleiden?

Die erste Vienna Comic Con (VIECC) fand dieses Novemberwochenende statt und viele der Schaulustigen wunderten sich über die Vielzahl an Verkleideten. Die Kostüme waren bunt durchmischt, von Ritterrüstungen zu Sturmtruppen aus Star Wars, von Anime Figuren zu vielen Spidermen, war alles vertreten. Die meisten sind sogenannte Cosplayer, eine soziale Gemeinschaft, bei der es um mehr geht, als sich nur zu verkleiden. Mit einer bunten Perücke ist es nicht getan. Kostüme werden selten gekauft, dafür oft selbst gebastelt. Teilweise sitzen Cosplayer monatelang an ihren Werken, schneidern und formen eigens dafür bestimmte Weichplastikarten.

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Sims Figuren im echten Leben

Nur mit einem auffällig komplizierten Kostüm ist das Soll bei Weitem noch nicht erfüllt, stattdessen liegt ein großes Augenmerk auf der Einverleibung des jeweils dargestellten Charakters. Eine Gruppe von Besuchern hat sich als Charaktere der Sims Spiele verkleidet. Mit einem einfachen Design (grüne Symbole auf einem Haarreif) zogen sie durch die Halle und drückten ihre Emotionen und Wünsche über Bilder aus.

Dem Hobby ist eine Industrie entwachsen

Dass aus dem Hobby Cosplay eine eigene Industrie geworden ist, ließ sich auch bei der VIECC sehen. Unter die Besucher mischten sich verschiedene Cosplayer, die von Firmen eingeladen wurden, um ihre Computerspiele zu promoten. Der größte Name der diesjährigen Comic Con war wohl die Cosplayerin Leeanna Vamp. Sie selbst wurde durch ihre Kostüme und Youtube Videos berühmt, saß in der Jury des Cosplay Wettbewerbes und hielt einen Vortrag über die dahintersteckende Philosophie.

Der Italiener Leon Chiro ist auch ein professioneller Cosplayer und war bei der diesjährigen VIECC. Er stand auf der Bühne und sprach über seine Liebe zum Basteln und wie er die Szene kennenlernte. Zwischendurch sprang er immer wieder von der Bühne und sprintete auf und ab, ganz wie sein dargestellter Charakter aus dem Computerspiel Assassins Creed.

Leon Chiro in Charakter | Copyright: www.christian-husar.com
Leon Chiro in Charakter | Copyright: www.christian-husar.com

It is important that you love what you do. If you love what you do, you will give your best.

Leon Chiro

Mit Nana Kuronoma war auch eine professionelle Cosplayerin aus Österreich auf der VIECC vertreten. Bei ihrem Stand konnten Interessierte sich alle notwendigen Informationen für einen Einstieg in die Cosplayszene holen.

Ein Wettbewerb – viele Gewinner

Der Gewinner steckt in diesem 3,2 Meter großem Transformer | Copyright: www.christian-husar.com
Der Gewinner steckt in diesem 3,2 Meter großem Transformer | Copyright: www.christian-husar.com

Der Höhepunkt eines langen Samstages für Fans der Film-, Anime- und Gamingwelt fand um 17 Uhr statt. 1.400 Menschen standen stundenlang an, um den ersten Cosplaywettbewerb auf der Vienna Comic Con mitzuerleben. Die ersten 800 hatten das Glück eingelassen zu werden, für den Rest war aus feuertechnischen Gründen kein Platz mehr.

Die Teilnehmer konnten vor dem Publikum posieren, bevor sie ihre Figur kurz vorstellten. Die Arbeitsdauer wurde zwischen zwei Monaten und 752 Stunden Aufwand beziffert. Der Gewinner gründete eigens eine Firma, um seinen 3,20 Meter großen Transformer bauen zu können. Auf Stelzen und mit drei Generatoren eingebaut, durfte er nicht einmal auf die Bühne gehen, weil er zu schwer war. Der Siegerpreis war ein Flugticket nach Chicago, zum nächsten Cosplay Wettbewerb.