Tausende an Vorlesung über Flucht interessiert

Hunderte Studierende aus unterschiedlichsten Fachrichtungen interessieren sich für die Ringvorlesung „Flucht, Fluchtgründe und Traumata“ der Medizinischen Universität Wien. Bei der ersten Einheit kam es aufgrund der überraschend hohen Teilnehmer_innenzahl zu Platzproblemen im Hörsaal.

Voller Hörsaal im AKH © Lisa Leutgeb, ÖH Medizin
Voller Hörsaal im AKH © Lisa Leutgeb, ÖH Medizin

Der gute alte Hörsaal erlebt derzeit eine Renaissance an Beliebtheit. Das könnte man zumindest angesichts des Andrangs am letzten Montag im Hörsaalzentrum des AKH denken . Dort fanden sich am frühen Abend so viele Studierende ein, dass einige von ihnen nur noch auf dem Boden Platz nehmen konnten. Der Grund: Am 16. November startete die Ringvorlesung „Flucht, Fluchtgründe und Traumata“. Und die Lehrveranstaltung boomt.

Interdisziplinäres Interesse

Lisa Leutgeb, die Referentin der ÖH Medizin für Gesellschafts- und Gesundheitspolitik freut sich.  Sie sieht die aktuellen Geschehnisse auf der Welt, speziell aber auch den Flüchtlingsstrom nach Europa als Grund für die große Zahl an Vorlesungsteilnehmer_innen. „Flüchtlinge sind gerade ein so wichtiges Thema, es sollte auch ein akademisches Interesse daran geben“, erklärt sie.

Bei der ersten Vorlesungseinheit zum Thema „Flüchtlinge und MigrantInnen in den Versorgungsnetzwerken“ hatte man mit etwa 150 Teilnehmer_innen gerechnet, mehr als doppelt so viele sind erschienen. Für die folgenden Lehrveranstaltungseinheiten musste ein größerer Hörsaal gebucht werden, denn die Zahl der Interessierten steigt kontinuierlich weiter. Auf Facebook haben mittlerweile über 900 Personen zugesagt, an der Lehrveranstaltung teilnehmen zu wollen, über 2.800 weitere interessieren sich dafür.

Zusagen zur Veranstaltung auf Facebook (Stand 23.11.2015)
Zusagen zur Veranstaltung auf Facebook (Stand 23.11.2015)

 

Obwohl die Ringvorlesung von der Medizinischen Universität und der ÖH Medizin veranstaltet wird, nahmen überraschend viele Nicht-Mediziner_innen an der ersten Lehrveranstaltung teil. Eine davon ist Marie-Claire. Die 23-jährige Chemie Studentin aus Wien erklärt, warum sie an der Lehrveranstaltung teilnimmt, die so gar nichts mit ihrem Studium zu tun hat:

„Ich finde, wir reden immer so viel über Flüchtlinge und vergessen dabei ganz, dass die nicht nur eine Masse sind, sondern auch einzelne menschliche Individuen, die krank werden können und Schmerzen haben. Hier wird einem das nocheinmal so richtig klar.“

Interessen von Lehrenden und Studierenden

Als die Idee für die Vorlesungsreihe geboren wurde, hätten die Organisator_innen nicht mit einem derartig großen Interesse seitens der Studierenden so vieler unterschiedlicher Studienrichtungen gerechnet, erzählt Leutgeb. Ein ebenso großes Interesse gab es von Seiten der Vortragenden. Bei der Auswahl der Lehrenden wurde darauf geachtet, nicht nur Ärzt_innen zu Wort kommen zu lassen, sondern auch Sozialarbeiter_innen und Sozialanthropolog_innen. Man wolle eine große Bandbreite abdecken, damit das Thema aus möglichst vielen Blickwinkeln beleuchtet werden könne, sagt Leutgeb.

Bereitschaft auf allen Ebenen

Von der Idee bis zum Start der Vorlesungsreihe vergingen nur wenige Wochen. Die Auseinandersetzung mit der Problematik sei nicht nur Platz eins auf Leutgebs persönlicher Agenda, „das Interesse war auch von höherer Stelle da, denn das Thema ist auch der Uni ein Anliegen“.

Die erste LV Einheit © Lisa Leutgeb, ÖH Medizin
Die erste LV Einheit © Lisa Leutgeb, ÖH Medizin

Am 1. Dezember wird die nächste Einheit der Ringvorlesung zum Thema „Kinder auf der Flucht“ stattfinden. In den folgenden Wochen geht es um Flucht, Traumata, das Istanbulprotokoll, medizinische Anthropologie und Infektionskrankheiten. Eine Inskription als „Mitbeleger“ der Veranstaltung ist noch bis zum Ende der Nachfrist am 30. November möglich.

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