Junges Design aus Wien: Nachhaltig und fair

Nachhaltigkeit und Recycling haben in der Modewelt längst Einzug gehalten. Trotzdem bewegen sich Labels und Designer, die sich diesen beiden Bereichen verschrieben haben, in einer Nische. Die beiden Wiener Modemacherinnen Julia Cepp und Roswitha Seeber zeigen vor, wie gut umwelt- und sozialverträgliches Handeln in Kleidung übersetzt werden kann.

Restposten und Flohmarktware als Ausgangsmaterial

Julia Cepp steht hinter dem Label Mija T. Rosa. In ihrem Atelier in der Markgraf-Rüdiger-Straße in Wien Rudolfsheim-Fünfhaus fertigt sie zeitlose Kleidungsstücke, die sich abseits von Trends bewegen. Das Label Julie Strom wiederum wurde von Roswitha Seeber gegründet. Wer nach schlichter und formschöner Kleidung sucht, wird in ihrem Studio in Wien Ottakring fündig. Beide Designerinnen bemühen sich um eine nachhaltige und faire Umsetzung ihrer Entwürfe. Die Stoffe, die sie verarbeiten, stammen vorrangig aus Überproduktion. Für diese gibt es eigentlich keine Verwendung mehr. Biobaumwolle kommt zum Einsatz, ebenso wie Flohmarktware. So hat Julia Cepp mehrere Patchwork-Modelle gestaltet, die aus vorhandenen Strickjacken, Pullovern, etc. entstanden sind. Angefertigt wurden die Stücke in Zusammenarbeit mit sozialen Betrieben in Wien, die langzeitarbeitslose Frauen auf den Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt vorbereiten.

Bild: Edith Payer
Bild: Edith Payer

Im Schaufenster von Roswitha Seebers Atelier liegen unter anderem Rucksäcke und Geldbörsen aus bereits getragenen Lederjacken und Lederhosen zum Verkauf bereit. Seeber weiß die Robustheit des Materials zu schätzen. Auch die Tatsache, dass es sich dabei um ein tierisches Produkt handelt, macht das Leder für sie besonders wertvoll.

Naturfasern und ein individueller Zugang zu Mode

Viele der dezenten Oberteile, Kleider und Röcke des Labels Julie Strom sind aus Naturfasern gestaltet. Roswitha Seebers Kleidungsstücke sollen nicht nur gut aussehen, sondern sich auch gut anfühlen. Was ihren Zugang zu Mode betrifft, so versteht sich Seeber weniger als Modedesignerin, sondern als Kleidungsmacherin. „Mode ist Trend, somit flüchtig und zeitgeistig und mittlerweile ein Riesengeschäft. Sie ist aber auch Ausdruck gesellschaftlicher Strömungen und Veränderungen. Ich finde Strömungen immer wieder faszinierend, lasse sie auch in meine Arbeit einfließen, ohne dabei Kurzlebiges zu schaffen bzw. schaffen zu wollen“, sagt sie.

Julia Cepp von Mija T. Rosa findet es schade, wenn Menschen mehr Wert auf Trends legen, als ihren eigenen Stil zu finden. Weiters meint sie dazu: „Mode sollte unbemüht wirken, fast nebensächlich, ohne das zu sein. Form-, Farb- und Materialkombination müssen zu mir passen. Ich mag mich nicht verkleidet fühlen.“

Bild: Selina de Beauclair
Bild: Selina de Beauclair

Experimentierfreudigkeit und eine Gestaltungskooperation

Anregungen für ihre Entwürfe findet Julia Cepp in Filmen, in der Natur, in Büchern oder auf Flohmärkten. Derzeit ist sie – passend zur Jahreszeit – vor allem mit dem Recycling von Strickmaterialien beschäftigt. Dabei ergibt sich laufend Neues. Cepp setzt auf Experimente und freut sich immer auf den Moment, wo eine Idee zu etwas Realem und ein Kleidungsstück tragbar wird.

Roswitha Seeber macht die Ideensuche- bzw. findung im Schaffensprozess besonders Spaß. Darüber hinaus arbeitet sie derzeit mit einer Malerin zusammen, die ihre Entwürfe zusätzlich gestaltet.

Bild: Edith Payer
Bild: Edith Payer

www.mijatrosa.com

www.juliestrom.com

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