Gemeinsam gewinnen: Sport und Integration

Bereits zum achten Mal wurde im Haus des Sports in Wien der Integrationspreis verliehen. Zwölf Projekte von Schulen, Sportvereinen, Unternehmen oder auch Privatpersonen wurden ausgezeichnet. Der Hauptpreis ging an den Steirer Birol Yilmaz. Dabei machten die Geehrten als auch die Ehrenden deutlich, welch wichtige Rolle der Sport im Integrationsprozess spielen kann.

Birol Yilmaz konnte mit seinem Projekt "Bewegung mit Ball" den diesjährigen Integrationspreis ergattern. Foto: Stefan Sigwarth
Birol Yilmaz (Mitte) konnte mit seinem Projekt „Bewegung mit Ball“ den diesjährigen Integrationspreis ergattern. (Foto: Stefan Sigwarth)

Birol Yilmaz, der selbst türkische Wurzeln hat, startete im vergangenen Jahr in Leoben-Donawitz das Projekt „Bewegung mit Ball“, das Kinder im Alter von 6 bis 14 Jahren fördern soll. In Summe sind Kinder aus 15 Nationen vertreten. Neben den wöchentlichen Fußball- und Völkerballtrainings werden sie beim Spracherwerb und der Erweiterung ihrer Deutschkenntnisse gefördert. Außerdem konnte über das Projekt hinaus ein Netzwerk aus Eltern und Lehrern aufgebaut werden, um die Kinder bestmöglich bei der Bewältigung ihres Schulalltags zu unterstützen.

Das rein ehrenamtliche Projekt leistete damit einen wertvollen Beitrag zur Integration.  Der Sport steht dabei im Mittelpunkt. Sein Engagement brachte Yilmaz nun den diesjährigen Integrationspreis Sport ein, der mit 3.000 Euro dotiert ist.  Die beiden Minister Sebastian Kurz und Gerald Klug nahmen – in ihrer Funktion als Integrations- bzw. Sportminister – die Ehrung vor. Den zweiten Platz belegte das Wiener Projekt „Rugby Opens Borders“, das den interkulturellen Austausch zwischen jungen Flüchtlingen, Migranten und Österreichern fördert.

Sport leistet seinen Beitrag

Die Flüchtlingsproblematik beschäftigt ganz Europa. Gerade in Zeiten wie diesen spielt das Thema Integration eine ganz wichtige Rolle. Der Sport ist hier zwar nicht wesentlich, kann aber einen wertvollen Beitrag leisten. „Das Jahr 2015 ist ein sehr forderndes für die Integration“, sagt Sebastian Kurz, „Österreich ist vielfältiger geworden. Nicht nur im Sport.“ Gerald Klug stößt ins selbe Horn: „Der Sport baut Brücken und verbindet Menschen über die Grenzen von Nationen, Kulturen und Religionen.“

"Österreich ist in den letzten Jahren vielfältiger geworden", äußerte sich Außen- und Integrationsminister Sebastian Kurz. (Foto: Stefan Sigwarth)
„Österreich ist in den letzten Jahren vielfältiger geworden“, äußerte sich Außen- und Integrationsminister Sebastian Kurz. (Foto: Stefan Sigwarth)

So war es auch kein Zufall, dass mit Mirna Jukic eine Sportlerin die Preisverleihung moderierte, die mit fünf Jahren selbst zur Flucht aus ihrem Heimatland Kroatien gezwungen war. Was folgte war eine lange und erfolgreiche Schwimmkarriere in Österreich. Sie liefert ebenso wie Fußballstar David Alaba und viele andere ein gutes Beispiel dafür, was Integration im Sport bewirken kann. Letztgenannter konnte bei der Ehrung zwar nicht anwesend sein, dafür aber sein Vater George Alaba.

Gemeinsam diskutieren

Der Frage, welche Rolle der Sport im Integrationsprozess spielt,  ging auch eine Podiumsdiskussion auf den Grund, die im Vorfeld stattfand. Das Quartett Emmanuel Ekeigwe, Yasar Ersoy, Grace Gonzales und Borko Ivankovic diskutierte gemeinsam mit Angela Wieser, von der Initiative Minderheiten. „Wir sehen uns als Bindeglied zwischen den Menschen, die in Wien leben“, sagt etwa Ersoy, Obmann des Fußballklubs Besiktas Wien, „Wir versuchen Menschen zusammenzubringen.“

Das gelingt mal mehr, mal weniger. Eine große Rolle spielt dabei das Geld. „Man ist immer abhängig. Auch wir von Sponsoren. Da hängt alles vom Finanziellen ab“, weiß Ersoy. Ekeigwe, der 2005 die New African Football Akademie gründete – die mittlerweile als Integrativer Sport-, Kultur- und Bildungsverein bezeichnet wird – sieht es ähnlich: „Es braucht Mittel, ansonsten werden solche Projekte nicht überleben.“

Angela Wieser diskutierte im Vorfeld der Preisverleihung gemeinsam mit Emmanuel Ekeigwe, Yasar Ersoy, Grace Gonzales und Borko Ivankovic (von links). (Foto: Stefan Berndl)
Angela Wieser diskutierte im Vorfeld der Preisverleihung gemeinsam mit Emmanuel Ekeigwe, Yasar Ersoy, Grace Gonzales und Borko Ivankovic (von links). (Foto: Stefan Berndl)

Wenn man über die Mittel verfügt, ein derartiges Projekt auf die Beine zu stellen, ist das von hohem Wert. Für die Integrationspolitik, den Sport als auch die Gesellschaft. „Im Verein lernt man etwas. Mit anderen gut umzugehen und Spaß zu haben“, so Ekeigwe, „Man muss den jungen Menschen das Gefühl geben, dass sie Teil der Gemeinschaft sind.“ Dabei spielt nicht nur die Vereinsstruktur, sondern auch der Wettbewerb eine große Rolle. „Jeder will besser sein, als der andere. Für Jugendliche ist das auch identitätsstiftend“, sagt Borko Ivankovic, seines Zeichens Dolmetscher und Übersetzer. „Aber es gibt keine Anfeindungen“, fügt er hinzu.

Das Streben nach Aufmerksamkeit

So versucht jeder Verein für sich, den Jugendlichen Perspektiven und Möglichkeiten zu bieten. Sie zu einem Team zu formen, zu fördern. Der sportliche Erfolg steht dabei an zweiter Stelle, ist aber oft nötig, um finanziell zu überleben. Da ist es wieder, das Thema Geld. Die Stadt Wien schüttet zwar Fördergelder aus, geht es nach Ivankovic, laufen diese aber oft in die falsche Richtung: „Es gibt eine gewisse Ungleichbehandlung in Wien. Manche bekommen gar nichts, obwohl sie auch gefördert werden müssten.“

Die finanzielle Förderung ist für diese Vereine oft lebensnotwendig. Nur wenige schaffen es, länger als ein paar Jahre zu überleben. Für mehr reicht dann das Geld nicht. „Vor allem in der Anfangsphase eines Vereines ist man auf Förderungen angewiesen“, stimmt Grace Gonzales, philippinische Volleyballspielerin, den anderen Diskutanten zu. Denn man will auch sportlich aufzeigen: „Man wünscht sich etwas Ansehen und Aufmerksamkeit. ‚Hallo, wir sind da, es gibt uns.'“

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