BOKU und Stadt: gemeinsam gegen die Hitze

Während letzte Woche die 21. UN-Klimakonferenz in Paris zu Ende ging, wurde der Fassadenbegrünung am Haus der MA 31 Wiener Wasser im sechsten Wiener Gemeindebezirk der letzte Schliff verpasst. Lokale Projekte wie dieses sind notwendig, um die Auswirkungen der Erderwärmung abzuschwächen.

Schon lange rankt wilder Wein und Efeu an den Wiener Hauswänden empor. Dies ist vor allem dem Zufall und der Ausdauer der Pflanzen geschuldet. Seit ca. zehn Jahren zeigt aber ein Trend in Richtung bewusster Nutzung der größten, ungenutzten Flächen der Stadt: der Vertikalen. Sie kann als fruchtbarer Nährboden für allerlei Pflanzen dienen, um negative Aspekte des Klimawandels auszugleichen.

Wien sieht grün

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Das Gebäude der MA 31, Grabnergasse 4, 1060 Wien. Neuestes Fassadenbegrünungsprojekt der Stadt Wien. Foto: Iris Reiß

Am 17.12.2015 werde die Endabnahme der Fassadenbegrünung des Gebäudes der MA 31 stattfinden. „Dieses Projekt ist in Zusammenarbeit mit der Universität für Bodenkultur Wien, der Gartenbaufirma Neuland und dem Architekturbüro Rataplan entstanden“, so Jürgen Preiss von der Wiener Umweltschutzabteilung (MA 22).

Auch an der Fassade der MA 48 Stadtreinigung in der Nähe des Matzleinsdorferplatzes wurde vor einigen Jahren ein solches System errichtet.

Momentan ist noch wenig von dem Grün zu erkennen, in das diese Fassaden die Stadt tauchen werden. „In zwei bis drei Jahren wird die MA 31 in sattem Grün erstrahlen“, so Bernhard Scharf vom Institut für Ingenieurbiologie und Landschaftsbau  der Universität für Bodenkultur Wien. Außerdem sei es ein positiver Aspekt der Bepflanzung, dass Jahreszeiten auch in einer dicht bebauten Stadt sichtbar werden.

Kühlung vor allem für Städte essentiell

Wissenschaftler der Alpen-Adria-Universität in Klagefurt erforschten die Auswirkungen des Temperaturanstiegs auf die Zahl der Hitzetoten. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass in Österreich bereits ab 2016 mit bis zu 1200 Hitzeopfern pro Jahr zu rechnen sei. Im Vergleich dazu, gab es bis Montag in diesem Jahr laut dem Bundesministerium für Inneres 457 Verkehrstote auf Österreichs Straßen.

Städte bilden sogenannte Hitzeinseln. Der diesjährige Sommer hat dies eindrucksvoll bewiesen. In Zeiten ohne klimatischer Extreme, könne sich die „Steinwüste“ selbst regulieren. Man kennt dieses Prinzip – der Hausflur in den Wiener Altbauten ist im Sommer angenehm kühl. Der Stein gäbe Kühle ab und mildere so die Hitze der Luft, sagt Scharf. Seien die  Temperaturen aber zu lange hoch, heizten sich Mauern und Asphalt auf. Der Stein könnte nicht mehr kühlen. „Dazu kommen die gedämmten Mauern, die keine Wärme speichern können“, meint Scharf. Die Hitze hängt also in der Stadt und die Temperatur steigt stetig.

Die Zentrale der MA 48, Einsiedlergasse 2, 1050 Wien. Foto: Iris Reiß
Die Zentrale der MA 48, Einsiedlergasse 2, 1050 Wien. Foto: Iris Reiß

Wie’s funktioniert

„Haupteffekt der Fotosynthese ist die Wasserverdunstung.“, erklärt Scharf. Durch diese werde die Umgebung gekühlt und ein angenehmes Mikroklima entstehe. Zusätzlich würden die Pflanzen Fenster Beschatten, womit eine effektive und natürliche Klimaanlage geschaffen werde. Außerdem hielten die Pflanzen Wind ab und die gekühlte Luft werde nicht sofort davongetragen.

Je nach Art der Fassade, Wahl der Pflanzen usw. treten diese Aspekte unterschiedlich stark auf und somit kann ein individuelles Konzept für jedes Bedürfnis erstellt werden. Im Gegensatz zu technischen Kühlsystemen, läge der Vorteil eines lebenden Systems auch darin, „dass die Pflanze selber weiß, wie sie zu funktionieren hat.“

Es ist also unumstritten, dass die Begrünung der Stadt zahlreiche positive Auswirkungen hat. Warum manche noch zögern erklärt Scharf damit, dass die positiven Effekte noch nicht quantifizierbar wären. „Könnten wir einen konkreten Betrag nennen, ich bin mir sicher, die Stadt wäre bereits grün.“

 

 

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