Eissalons: Überleben im Winter

Wenn die Temperaturen fallen, haben die Wiener Eisgeschäfte unterschiedliche Strategien, damit sich ihr Geschäft auch im Winter rentiert. Von: Marie Salzmann

In der Gelateria Gamba auf der Meidlinger Hauptstraße gehen im Frühling und Sommer Stanitzel und Eisbecher über die Theke. Den Rest des Jahres wird sie von Lammfellen bedeckt. Die Inhaberfamilie Zapolli vermietet ihr Geschäft von Oktober bis Februar an den Fell-Shop und das schon seit 20 Jahren. Laut dem Sprecher der Berufsgruppe der Eissalons, Silvio Molin-Pradel, wird rund ein Drittel der Eissalons während der Wintermonate vermietet.

Das Konzept funktioniere, wie der Inhaber des Fell-Shops, Roman Eckschlager, bestätigt: „Die Leute wissen mittlerweile, dass es hier im Winter andere Produkte zu kaufen gibt. Es verirren sich keine Leute hier herein, die ein Eis kaufen wollen.“ Der Schriftzug des Eissalons prangt zwar auch im Winter über der Tür, doch drinnen merkt man kaum etwas vom Doppelleben der Verkaufsfläche. „Mit unseren Produkten kann man natürlich gut kaschieren“, sagt Eckschlager und verweist auf die mit Fellen behängte Theke.

Im Winter wird die Eistruhe von Schaffellen gewärmt. Alle Fotos: Marie Salzmann
Im Winter wird die Eistruhe von Schaffellen gewärmt. Alle Fotos: Marie Salzmann

Kuchen statt Eis

Für den Großteil der Wiener Eissalons läuft die Saison von März bis September oder Oktober. So zum Beispiel für den Traditionsbetrieb Tichy. Nur eine Handvoll der Betriebe hat ganzjährig geöffnet. Dazu gehören auch die Salons von Paolo Bortolotti. Die Filialen auf der Mariahilfer Straße haben das ganze Jahr über geöffnet. Ob der Eisverkauf alleine rentabel sei, darauf antwortet Bortolotti mit einem entschiedenen „Nein“. „Das Wetter hat uns dieses Jahr zwar ein bisschen geholfen, aber den größten Umsatz machen wir in den Wintermonaten mit unserer Konditorei“, sagt Bortolotti.

Der Großteil der Eisgeschäfte hat in den Wintermonaten geschlossen
Der Großteil der Eisgeschäfte hat in den Wintermonaten geschlossen

Auch die Zanoni-Filiale in der Rotenturmstraße gönnt sich nur zwei Wochen Pause. Bis 7. Jänner hat sie noch regulär geöffnet. Mit Punsch und italienischen Weihnachtskuchen versucht der Betrieb die Leute ins Geschäft zu locken. „Die Saison war wetterbedingt besser als andere, aber es gab auch keinen Massenansturm“ stößt Mauro Zanoni ins gleiche Horn wie sein Kollege Bortolotti. Im Winter seien vor allem Milchsorten, wie Haselnuss, Maroni und Malaga, und Eisboxen für zu Hause beliebt.

„Die Österreicher sind Traditionalisten.“, sagt Berufsgruppensprecher Molin-Pradl. So sind typische Winteraktivitäten, wie ein Christkindlmarktbesuch mit Maroni und Glühwein, im Dezember beliebter als ein Abstecher in den Eissalon. Von Oktober bis Februar machen die ganzjährig geöffneten Salons den Großteil ihres Umsatzes vor allem mit Panini, Kaffee und Mehlspeisen.

Kugeln am Baum und im Becher

Weihnachtliche Aktion beim Eis-Greißler
Weihnachtliche Aktion beim Eis-Greißler

Ein weiteres Modell um auch im Herbst und Winter zu überleben, haben jüngere Eissalons wie der Eis-Greißler und Leones Gelato gefunden. Andrea Blochberger kredenzt in ihren zwei Eis-Greißlerfilialen in Wien saisonale Sorten wie Sternanis, Rumkugel und Lebkuchen. Bei Leones Gelato gib es neben den obligaten Weihnachtssorten auch Orangenpunsch und Waffeln. Beide Salons haben noch bis kurz vor beziehungsweise bis zum 24. Dezember geöffnet und übertreffen sich gegenseitig mit einer Tagesaktion: Beim Greißler kann eine Christbaumkugel gegen eine Eiskugel eingetauscht werden und bei Leones Gelato gibt es am 24. bis 13:00 Uhr einen mittleren Eisbecher gratis.

Adressen

Gelateria Gamba (Fell-Shop) 12., Meidlinger Hauptstraße 6, Saison März – September

Zanoni 
1., Lugeck 7, durchgehender Betrieb (2 Wochen Betriebsurlaub ab 07.01.)

Bortolloti 6., Mariahilferstraße 96-98 im Kaufhaus C&A, durchgehender Betrieb

Eis-Greißler 1., Rotenturmstraße 14, 23.12. – Anfang März geschlossen

Leones Gelato 8., Lange Gasse 78, 25.12. – Anfang März geschlossen