Viel Hope ohne Train – Initiative räumt Hauptbahnhof

Wir bauen unsere Zelte ab“ verkündete Train of Hope am 8. Dezember über soziale Medien. Die Freiwilligen, die seit Anfang September am Wiener Hauptbahnhof Soforthilfe für Menschen auf der Flucht leisten, sind dabei den Bahnhof zu räumen. Ans Aufhören denkt die Initiative aber nicht, und feilt bereits an einer Neuausrichtung. 

Train of Hope gibt Räumung auf Facebook bekannt. Link zum Post Foto: Teresa Wirth

Schon seit einigen Wochen ist nicht mehr viel zu tun am Bahnhof, es sind nur noch vereinzelte Flüchtlinge, die dort ankommen. Nun wird die Infrastruktur  am Hauptbahnhof abgebaut.  Übrig gebliebene Spenden werden sortiert, gelagert oder an andere Hilfsorganisationen weitergegeben.

Ihr Engagement zu beenden, ist für die Initiative aber keine Option, zumal sie am 11. Dezember mit dem Menschenrechtspreis 2015 ausgezeichnet wurde. „Selten haben wir uns so rasch auf einen mehr als würdigen Preisträger einigen können“, erklärt Barbara Helige, Präsidentin der Österreichischen Liga für Menschenrechte.

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Die Freiwilligen erhalten Menschenrechtspreis 2015 Foto: © Brian Annerl

Mehrere tausend Freiwillige von Train of Hope hatten monatelang Flüchtlinge mit Nahrungsmitteln, Kleidung, medizinischer Hilfe versorgt, sowie rechtliche und psychologische Beratung bereitgestellt.  Der Preis sei eine Motivation weiterzumachen, denn „zurücklehnen ist noch lange nicht“, meint Martina Barwitzki vom Presseteam der Initiative. Es habe sich lediglich der Bedarf  vom Hauptbahnhof woanders hinbewegt.

Kerngruppe arbeitet an Struktur und Neuausrichtung

Barwitzki gehört zur Kerngruppe aus etwa 50 Freiwilligen, die in Arbeitsgruppen und Workshops über die Wintermonate an einer Neuausrichtung feilen, um „ein bisschen Struktur reinzubringen.“ Dabei fokussieren sie sich auf das Thema Integration, organisieren Deutschkurse, und erheben den Bedarf in Flüchtlingsunterkünften. Das „Team Kindergruppe“ geht bereits jetzt in andere Notquartiere, um bei der Kinderbetreuung zu unterstützen, das Küchenteam ist in das Quartier im Ferry-Dusika-Stadion übersiedelt. Ausserdem wird intensiv nach Räumlichkeiten für den Verein gesucht.

Barwitzki sieht die Veränderung positiv: „Im Moment freuen wir uns alle auf eine Pause“, sagt die PR-Fachfrau. Das intensive Engagement war nur möglich, da ihr Chef die letzten Monate ein Auge zugedrückt hat, wenn sie erst um 11 Uhr ins Büro kam. Eva, die für den Facebook- und Twitter-Auftritt von Train of Hope zuständig ist, hat ihr Studium an der WU für einige Monate pausiert: „Wir kehren zurück in unseres anderes Leben.“ Schwerer würde es den mehr als 100 Dolmetscher von Train of Hope fallen, die tägliche Arbeit am Bahnhof aufzugeben. Viele sind ehemalige Flüchtlinge, die in Österreich noch nicht arbeiten dürfen, und bei Train of Hope eine sinnvolle Aufgabe gefunden haben.

Train of Hope sammelt weiterhin Spenden, hier beim "Syrischen Heurigen". Foto: Teresa Wirth
Train of Hope sammelt weiterhin Spenden, hier beim „Syrischen Heurigen“. Foto: Teresa Wirth

Auch in Zukunft soll der Verein durch Ehrenamtliche getragen werden. Georg Gassauer, Sprecher von Train of Hope, sieht darin den besonderen Vorteil gegenüber grossen, schwerfälligeren Organisationen wie Caritas oder Rotes Kreuz. Freiwillige würden viel Flexibilität und neue Ideen bringen. Dennoch bedarf es an Geld, und das sammelt Train of Hope weiterhin. Denn „eine Vollzeitkraft wäre sicher nicht schlecht“, gibt Barwitzki zu. Was passieren könnte, sollten die Freiwilligen wegbleiben, sieht sie als die groesste Herausforderung. Der Staat müsse seiner Verantwortung nachkommen: „Wir können nicht ewig die Arbeit vom Staat machen.“

 

Links

Train of Hope – Website

Train of Hope – Facebook

Menschenrechtspreis – Liga der Menschenrechte

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