Der solidarische Hüftschwung

Nur mehr zwei Wochen, dann ist es wieder soweit: Die FPÖ lädt zum jährlichen Akademikerball in die Hofburg. Das Kontrastprogramm dazu bot am 15. Jänner der W.T.F. Ball. Dort will man laut Banner gemeinsam ein Zeichen „Gegen den sexistischen und rassistischen Normalzustand“ setzen. Statt Fanfaren und Walzer gab es Kundgebungen und Rap.

Unterhalb des Pratersterns versammelt sich das Ballvolk des W.T.F. Balls.
Unterhalb des Pratersterns versammelt sich das Ballvolk des W.T.F. Balls. © C. Jürgensen

Haltestelle Praterstern: Das unterirdische Nachtclub „fluc“ ist Austragungsstätte eines etwas anderen  Balls. Am Eingang dröhnen bereits gedämpfte Bässe.  Lichterketten und Dosenbier wecken Assoziationen mit vergangenen Kellerpartys. Anfangs scheint der W.T.F. Ball genau das zu sein, eine große Party. Aber hinter der hedonistischen Fassade steckt mehr.  Der Ball  ist Gegenentwurf, Protest und Demoaufruf zugleich.

Schon die Location lässt keine Zweifel an der Andersartigkeit dieses Balls aufkommen. Das unterirdische Kellergewölbe des fluc und die prunkvollen Ballsäle der Hofburg könnten unterschiedlicher nicht sein.  „Natürlich wollten wir uns aber nicht in die Reihe der „normalen” Bälle einordnen, sondern das Konzept eines Balles auch gewissermaßen persiflieren“, so das Ballkomitee in einem ÖH-Interview.

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Das Maskottchen des W.T.F. Balls. © C. Jürgensen

Auch die Gäste wollen so gar nicht in das Bild traditioneller Ballgänger passen. Baggypants und Turnbeutel dominieren die Garderobe der Partygänger. An einem Infostand werden Pullover mit der Aufschrift „kein Mensch ist illegal“ verlost. Frack und Abendkleid? Fehlanzeige.

Politik und Party, Hand in Hand

Videoinstallationen und Wandplakate illustrieren farbenfroh die politische Message des Balls. „Homophobia sucks“, „No to sexism“ oder „Flüchtlinge willkommen“ sind nur einige der zahlreichen Botschaften, die das Event prägen. Auch die an der Kassa verteilten Flyer sprechen eine klare Sprache: „Akzeptiere ein Nein!“. Grindige Anmachen und übergriffiges Verhalten haben hier keinen Platz. Das sogenannte „Awarenessteam“ stellt zusätzlich sicher, dass sich niemand bedrängt fühlt und persönliche Grenzen respektiert werden.

Space Invaders against Sexism, © C. Jürgensen
Space Invaders against Sexism, © C. Jürgensen

Das Highlight des Abends stellt die Mitternachtseinlage der Perversen Partei Österreichs (PPÖ) dar. Deren Kabarett-Kochshow „Schmankerln vom Burschi“ behandelt die Rolle von hiesigen Burschenschaften in Politik und Wirtschaft. Darin macht das (semi-)politische Kollektiv von Travestie und Satire Gebrauch, um ebendiese Männerseilschaften durch den Kakao zu ziehen. Insbesondere deren Nähe zum rechtspopulistischen Flügel wird kritisch hinterfragt.

Da Systemkritik durstig macht, gibt es auf zwei Ebenen Bars, die für das leibliche Wohlergehen sorgen. Die Terrasse des fluc lädt auch bei frostigen Temperaturen zum Verweilen ein und dient als Begegnungsstätte für Revoluzzer und Partyvolk zugleich. Der Reinerlös der Veranstaltung kommt der Deserteurs- und Flüchtlingsberatung Wien sowie dem Netzwerk Queerbase zu Gute. Dieses setzt sich für die Verbesserung der Lebensumstände von Flüchtlingen ein, die aufgrund ihrer Sexualität oder ihrer Geschlechtsidentität verfolgt werden.

Die Perverse Partei Österreichs (PPÖ) mit ihrem Bühnenprogramm "Schmankerl vom Burschi". © C. Jürgensen
Die Perverse Partei Österreichs (PPÖ) mit ihrem Bühnenprogramm „Schmankerln vom Burschi“. © C. Jürgensen

„Gegen diese Normalität der deutschnationalen Männerbündelei und rechtsextremer Hetze, staatlicher Repression und Flüchtlingsabwehr steht unser Ball“, erklärt das Organisationskomitee auf der offiziellen Homepage des Balls. Jenseits dieser Daseinsberechtigung war der W.T.F. Ball 2016 vor allem eins: Spaß mit Sinn. Davon bitte mehr!

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