Von der Bohne zur Melange

Das Vienna Coffee Festival verwandelte die Ottakringer Brauerei in den vergangenen vier Tagen in ein Paradies für KaffeeliebhaberInnen. Von der Ernte, über die Röstung, bis hin zum richtigen Aufbrühen wurde der Weg von der Kaffeestaude zum schwarzen Genuss im Häferl nachgezeichnet. Herzrasen inklusive.

Beim Vienna Coffee Festival, das von 15. -18. Januar stattfand, blieb kein Häferl auf dem anderen. Auf 4 Etagen der Ottakringer Brauerei versammelten sich hunderte Probierfreudige und ebenso viele Profibaristas zum gemeinsamen Umtrunk. Dabei waren etablierte, traditionelle Wiener Kaffeehäuser und Röstereien ebenso anzutreffen, wie hippe Pop-up-Cafés und das Espressomobil auf 3 Rädern. Bei Gratiseintritt und südamerikanischen Klängen konnten an die 40 verschiedenen Kaffeesorten gekostet, selbst gebrüht und probiert werden. Zeitgleich fand auch die Austragung der Österreichischen Barista-Weltmeisterschaften in den Disziplinen „Brewers Cup“, „Cuptasters“, „Latte Art“ und „Barista“ statt.

Manche mögen’s heiß

Eine der vielen Weisheiten, die man am Vienna Coffee Festival lernt: Roher Kaffee hat noch keinen Geschmack. Erst durch das Rösten der Kaffeebohnen bei 220-250°C entfalten sich die würzigen Aromen, die sich bereits beim Betreten der Ottakringer Brauerei entfalteten. Mehrmals pro Tag konnte professionellen RöstmeisterInnen dabei über die Schulter geschaut werden, wie sie die feinen Geschmacksnuancen der einzelnen Sorten herausarbeiteten. Obwohl es über 40 verschiedene Kaffeesorten gibt, werden überwiegend die Sorten Arabica und Robusta eingesetzt.  „Die Arabica – Bohne ist mit 60 Prozent Marktanteil die weltweit häufigste Kaffeesorte. Sie wird in südamerikanischen Ländern wie zum Beispiel in Kolumbien oder Brasilien angebaut“, erklärt Nachwuchsbarista Markus.

Kaffeestauden und Bohnen für Zuhause. (c)TH
Kaffeestauden und Arabica-Bohnen für Zuhause. (c)TH

(Un-)Fairer Handel

Angesichts des schwankenden Weltmarktpreises für Kaffee und der Folgen des Klimawandels leben viele KaffeebäuerInnen am Existenzlimit. „Rund 730.000 KaffeebäuerInnen aus 30 Ländern sind auf das  Fairtrade-System angewiesen. Es garantiert den ProduzentInnen einen stabilen Mindestpreis von 1,40 USD pro Pfund (Anm. d. R. 2,89 €/kg) Kaffeebohnen“, sagt Fairtrade- Standbetreuerin Christina. Ein fairer Handel erlaube es neue Landmaschinen anzuschaffen, Schulungen zu besuchen und die Qualität der Ware laufend zu verbessern. Erste Bemühungen um einen fairen Handel mit Kaffee gab es schon in den 1970er Jahren. Seit 1993 nimmt der faire Handel mit der Bohne stetig zu, nicht zuletzt durch die Einführung des Fairtrade- Gütesiegels. Am Coffee-Festival wird Nachhaltigkeit großgeschrieben, viele der Standbetreiber verkaufen ausschließlich Fairtrade- und Bio-Sorten.

Melange der Sorte "Sumatra Askago Robusta BIO" der Rösterei ALT KAFFEE Wien. (c)TH
Melange der Sorte „Sumatra Askago Robusta Fairtrade BIO“ vom Alt Wien Kaffee. (c)TH

Auf die Zubereitung kommt es an

Espresso, Filterkaffee, AeroPress – Nicht jede Kaffeesorte und auch nicht jeder Gaumen ist für jede der Zubereitungsarten geeignet. „Man glaubt es nicht, aber man schmeckt tatsächlich einen Unterschied“, sagt Kaffeetesterin Tatjana. Beim Stand vom Alt Wien Kaffee erfährt man, dass Espresso einen besonders konzentrierten Kaffee ergibt. Ein weitverbreiteter Irrglaube unter Kaffeetrinkern sei aber, dass ein Espresso besonders stark sei. Tatsächlich enthält er durch die starke Röstung weniger Koffein als die gleiche Menge an Filterkaffee. Gerade der Filterkaffee scheint eine Renaissance zu erleben. Anders als beim Filtern wird bei der AeroPress- Methode das Brühwasser direkt mit dem Kaffee vermischt und mit einem Presskolben in einem Brühzylinder gebrüht. Die Utensilien für diese erst im Jahre 2005 bekanntgewordene Zubereitungsart erinnern dabei an die Grundausstattung eines Chemielabors. Der Vorteil der Methode liegt aber in der manuellen Pressung, wodurch die Brühzeit individuell angepasst werden kann.

Der Stand von Süßmund Kaffee. (c) TH
Kaffeebar von Süßmund Kaffee. (c) TH

Wien liebt Kaffee

Dass gerade Wien als Austragungsort für ein Coffee – Festival ausgewählt wurde, kommt sicher nicht von ungefähr. Wien verbindet eine lange und traditionsreiche Geschichte mit dem koffeinhaltigen Heißgetränk. Bereits im Zuge der Türkenbelagerung 1683 siedelten sich die ersten Kaffeehäuser in der Stadt an. Einen Boom erlebte das Wiener Kaffeehaus in seiner uns heute bekannten Form aber erst Anfang des 19. Jahrhunderts. Es wurde zum Treffpunkt der heimischen Künstler und Literaten. Die Stadt Wien zählte 2013 rund 2.500 Kaffeehausbetriebe. 2011 wurde die Wiener Kaffeehauskultur in das Verzeichnis des nationalen immateriellen UNESCO Kulturerbes aufgenommen. Das Coffee-Festival ist daher nur die Fortführung einer bereits jahrhundertelangen Liebesbeziehung zwischen Wien und dem Kaffee. TIPP: Am 5. Februar 2016 findet zum 59. Mal der Ball der Wiener Kaffeesieder in der Hofburg statt.

www.viennacoffeefestival.cc
facebook.com/viennacoffeefestival

 

 

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