Ein Wiener Duo auf der Jagd nach dem Titelverteidiger

Die Österreichische Fußball-Bundesliga öffnet am kommenden Wochenende wieder ihre Pforten. Als großer Favorit geht Salzburg ins Rennen um den Meistertitel. Mit der Wiener Austria und Rapid Wien befinden sich aber zwei Klubs aus der Bundeshauptstadt in unmittelbarer Schlagdistanz. Die Rückrunde verspricht spannend zu werden. 

Neuer Trainer, neues Glück. So kann man es bei der Wiener Austria in dieser Saison auf den Punkt bringen. Nach der desaströsen Vorstellung in der Spielzeit 2014/15 hat man sich unter Neo-Coach Thorsten Fink zu einem Titelanwärter gemausert. „Das spricht für die Arbeit des ganzen Vereins“, stellt Austrias Sportdirektor Franz Wohlfahrt bei der Bundesliga-Pressekonferenz vor dem Frühjahrsauftakt fest, „Das letzte Jahr war sicher nicht lustig. Wir haben die Hälfte des Kaders gewechselt und ein neues, gutes Trainerteam. Es ist Ruhe eingekehrt.“

Austrias Sportdirektor Franz Wohlfahrt nimmt auch das Wort "Titel" in den Mund.
Austria-Sportdirektor Franz Wohlfahrt träumt auch vom Titel. (Foto: Berndl)

Meistertitel nicht das Hauptziel

Ob die Austria nun in der Lage ist, dem Titelverteidiger Salzburg ein Bein zu stellen, sei aber noch abzuwarten, so Wohlfahrt: „Es ist noch einiges zu tun. Das geht nicht von heute auf morgen. Aber klar ist das nicht ganz abwegig, wenn wir unsere derzeitige Position sehen. Das Ziel war von Beginn an international zu spielen, der Titel ist also nicht unser Hauptziel.“

Wehren würden sich die Violetten dagegen aber freilich auch nicht. „Wir können uns sicher damit anfreunden“, so Wohlfahrt, der noch eine Fußballweisheit in Petto hatte: „Die Offensive gewinnt Spiele, aber die Defensive die Meisterschaft.“

Tabelle
Die Top Drei der Liga sind nur durch drei Zähler voneinander getrennt. (Foto: Datawrapper)

Die Ausgangslage vor der am kommenden Samstag startenden 21. Runde könnte jedenfalls spannender kaum sein. Das Führungstrio liegt innerhalb von nur drei Punkten. Die Austria hat zwei, Rapid drei Zähler Rückstand auf Winterkönig Salzburg. Für die letzten 14 Spieltage ist also alles möglich.

Dennoch sieht Austrias Trainer Thorsten Fink seine Veilchen in der Außenseiterrolle. In einer Umfrage der APA vor dem Start in die Rückrunde favorisierte der Deutsche die Konkurrenz: „Salzburg oder Rapid wird Meister und wir werden versuchen, sie so lange wie möglich zu ärgern.“ Der Fokus liegt, so der Coach, auf dem Cup: „In einem Spiel kann man auch Salzburg oder Rapid schlagen, das hat man ja auch schon gesehen, deshalb wollen wir diesen Titel unbedingt haben.“

Rapid und die Doppelbelastung

Die Lokalrivalen aus Hütteldorf, Rapid Wien, gehen als Dritte in das Frühjahr. Das Team von Zoran Barisic hat neben der Liga noch eine andere Baustelle zu verwalten: Nach einem starken Herbst in der Europa League bekommt man es Mitte Februrar im Sechzehntelfinale mit dem spanischen Topklub Valencia zu tun. Eine Doppelbelastung, die sich in der Meisterschaft rächen könnte. Dessen ist sich auch Barisic bewusst: „Es wird darauf ankommen, wer zum richtigen Zeitpunkt die gesündesten und fittesten Spieler und das Glück auf seiner Seite hat.“

Andreas Müller, Rapids Sportdirektor, verbrachte eine ruhige Winterpause. Foto: Berndl)
Andreas Müller, Rapids Sportdirektor, verbrachte eine ruhige Winterpause. (Foto: Berndl)

Die Rapidler hatten in der Winterpause keinen Grund die Mannschaft groß zu verändern. Einzig Flügelspieler Thomas Murg stieß zum Klub. „Wir haben damit auf die verletzten Spieler reagiert, die uns noch länger fehlen werden“, so Sportdirektor Andreas Müller, „Er ist einer der besten Offensivspieler der Liga.“ Parallel laufen auch schon die Planungen für die nächste Transferphase im Sommer. Da könnten einige Spieler den Klub verlassen. Kapitän Steffen Hofmann soll dem Verein aber erhalten bleiben. „Er ist im Herbst seiner Karriere, aber immer noch für wichtige Tore gut. Ich glaube, es wird eine weitere Zusammenarbeit geben.“

Auftakt gegen zwei Underdogs

Erstmal steht aber das sportliche wieder im Vordergrund. Es geht gegen den Wolfsberger AC. Vor eigener Kulisse wohlgemerkt. Die Rapidler sind daher Favorit, unterschätzen darf man die Kärntner aber nicht. Das bewies das Tabellenschlusslicht bereits im Herbst, als man die Wiener mit 2:1 besiegte. Selbiges soll sich – geht es nach den Hütteldorfern – nicht wiederholen. Auch die Austria bekommt es mit einem vermeintlichen Leichtgewicht zu tun. Das Team muss nach Salzburg. Jedoch wartet nicht Red Bull, sondern Grödig. Ein Selbstläufer wird auch dieses Duell nicht. So haben die Gastgeber in der Bundesliga noch kein Heimspiel gegen die Austria verloren. Die letzten drei Aufeinandertreffen endeten mit Punkteteilungen.

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Wohin soll es für Rapid und die Austria in dieser Saison gehen? Die nächsten Wochen werden es zeigen. (Foto: Berndl)

Für die beiden Wiener Klubs geht es aber nicht  nur um drei Punkte, sondern auch um eine optimale Einstimmung für den folgenden Spieltag. Denn da kommt es zum direkten Duell der beiden Lokalrivalen. Wer von den beiden am Ende der Saison die Nase vorne hat, ist hier zwar noch kein Thema, richtungsweisend wird diese Partie aber allemal sein. Zumal die Salzburger, die zum Start ins Frühjahr zweimal in die Fremde müssen, zum lachenden Dritten werden könnten.

Die beiden Sportdirektoren sind sich jedenfalls bewusst, dass noch viel Arbeit auf sie wartet. „Der Weg ist noch nicht zu Ende“, sagt Müller, „Wir wollen einen Schritt nach vorne machen und das Titelrennen spannend halten. Das tut auch der Bundesliga gut.“ Auch Wohlfahrt sieht seine Arbeit bei den Veilchen noch nicht beendet: „Das wäre auch zu früh, es gibt noch viel zu tun.“ Sowohl in Hütteldorf als auch in Favoriten. Die Jagd auf Titelfavorit Salzburg ist hingegen schon eingeläutet. Neues Jahr, neues Glück.

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