Verrückte Bücher und Lust an der Unordnung

Zum „Stöbern, Lesen, Schmökern“ lädt von 29.01. bis 07.02. die „Pop-Up-Bibliothek“ der Kunsthalle Wien am Karlsplatz ein. Im Rahmen eines Kunstprojektes wird ein Teil des sonst nur für Mitarbeiter zur Verfügung stehenden Bücherbestandes der Kunsthalle erstmals öffentlich zugänglich gemacht. Im Zentrum steht mehr als das bloße Lesevergnügen.

Aus den unbekannten Tiefen des über 16.000 Bücher umfassenden Bestandes der Kunsthalle Wien werden in der ersten Februarwoche zahlreiche Werke ins Rampenlicht der Öffentlichkeit „verrückt“. Eine enorme „Wissensressource, die versteckt schläft“ nennt es Andrea Hubin, Angestellte der Kunsthalle Wien und Hauptorganisatorin des Projekts. Dabei soll es nicht nur um ein einfaches ‚Öffentlich-machen‘ gehen, sondern vor allem auch darum, eine Diskussion über alternative Gestaltungsmöglichkeiten von „Wissens-Interaktionsräumen“ anzuregen. Wie könnte eine freie, unkonventionelle Nutzung von Büchern in einer Bibliothek aussehen? So die Frage, die die Pop-Up-Bibliothek ihren BesucherInnen stellen möchte.

Wer Inspiration benötigt, braucht seinen Blick nur durch den Raum schweifen zu lassen. Auf einer weißen Wand gibt eine mit bunter Kreide geschriebene Hausordnung Hinweise:

„Hinterlassen Sie die Bücher nach Gebrauch an einer anderen Stelle im Raum. Hinterlassen Sie in den Büchern Nachrichten an zukünftige Leser/innen. […] Sie müssen nicht darauf achten, dass die Ordnung erhalten bleibt.“

Die 'Hausordnung' der Pop-Up-Bibliothek
Die ‚Hausordnung‘ der Pop-Up-Bibliothek

Ferner wird dazu aufgefordert, anstelle der Bücher „Stellvertreter“ am Ursprungsort zurückzulassen. Die Bibliothek stellt zu diesem Zweck eigene Formulare zur Verfügung, auf denen verschiedene Fragen zu beantworten sind, darunter: „Welches Gefühl löst das Buch in Ihnen aus?“, „Welche Themen berührt das Buch für Sie?“ oder „Wie schmeckt das Buch?“.

Muster eines "Stellvertreters"
Muster eines „Stellvertreters“

Die Bücher findet man im gesamten, durch große Fenster hell ausgeleuchteten Raum verstreut: auf Holzpalletten, in Vitrinen, auf Tischen, auf dem Boden liegend oder ganz herkömmlich im Regal. Wer es beim Lesen gerne gemütlich hat, kann es sich auf einer Gymnastik-Matte bequem machen. Kommt man früh genug, findet man vielleicht auch noch Platz auf der einsamen Sonnenliege, die man wahrscheinlich eher neben dem Pool eines All-Inclusive-Clubs als in einer Bibliothek erwartet hätte. Generell gilt: in der Pop-Up-Bibliothek machen die LeserInnen die Regeln.

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Begleitend zur Veranstaltung gibt es auch Programm: Vorträge, Diskussionsrunden und Workshops zu unterschiedlichen Themen, die von Mitgliedern des Künstlerkollektivs „Denkfabrik“ organisiert werden. Zur Denkfabrik gehören etwa zwanzig junge, kunst-affine Menschen, die sich regelmäßig treffen, um über Kunst und Kultur zu plaudern und sich über mögliche Projekte Gedanken zu machen. Durch ihr freiwilliges Engagement und die öffentliche Finanzierung der Diskussionsgäste, des Transports der Bücher und der Verpflegung wurde die Pop-Up-Bibliothek überhaupt erst möglich. In dieser Form ist es das erste praktisch umgesetzte Projekt der Denkfabrik.

Eine Premiere, die – so Andrea Hubin – auch andere zu ähnlichen Projekten inspirieren soll. Dementsprechend wurde auch der Titel des Projekts gewählt: „Pop-Up-Bibliothek. Kapitel I: The Missing Catalogue“. Fortsetzung folgt sozusagen. Ideen für ein mögliches „Kapitel II“ hätte Frau Hubin schon: „Bürgermeister Häupl kommt her, von 12 bis 18 Uhr…zum Lesen. Was würde da passieren?“.

Kunsthalle Wien Pop-Up Bibliothek
Kapitel I: The Missing Catalogue
Treitlstraße 2
1040 Wien

Öffnungszeiten:

Geöffnet von 29.01. bis 07.02, genaues Programm mit Öffnungszeiten auf

http://www.kunsthallewien.at/#/de/veranstaltungen/kunsthalle-wien-pop-bibliothek

Eintritt frei!

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