„Am Rand“ stehen und schreiben: Hans Platzgumer über seinen neuen Roman

Der österreichische Musiker und Schriftsteller Hans Platzgumer stellte am neunten Februar in der Alten Schmiede in Wien seinen neuen Roman „Am Rand“ vor. Im Gespräch mit seiner Schriftstellerkollegin Angelika Reitzer ging es vor allem um die Figur des Protagonisten, die Allgegenwärtigkeit des Todes in seinem Roman und Platzgumers Herangehensweise ans Schreiben.

„Am Rand“

Der Roman „Am Rand“ ist die siebente literarische Veröffentlichung des österreichischen Musikers und Autors Hans Platzgumer. Am vergangenen Dienstag präsentierte Platzgumer den Text in der Alten Schmiede in Wien. Der Roman ist das erste Buch, das der Autor im Zsolnay Verlag veröffentlicht hat. Der Inhalt von „Am Rand“ ist rasch umrissen: Der erfolglose Schriftsteller Gerold Ebner geht an einem Morgen auf einen Berg in Vorarlberg, mit dem Vorhaben, sich von dort in den Tod zu stürzen. In den Stunden davor schreibt er seine Lebensgeschichte auf und teilt sie mit dem Lesepublikum. Ebners Leben ist geprägt vom Tod. Zahlreiche Menschen in seiner Umgebung sterben, zwei Personen durch seine Hand. Schließlich ist es Gerold Ebner selbst, der zu sterben beschließt.

Hans Platzgumers neuer Roman "Am Rand" (Bild: Zsolnay Verlag)
Hans Platzgumers neuer Roman „Am Rand“ (Bild: Zsolnay Verlag)

Lesung in der Alten Schmiede

Die österreichische Schriftstellerin Angelika Reitzer leitete die Veranstaltung in der Alten Schmiede. Sie sprach von einem „knapp und schnörkellos“ erzählten Text und von seiner „Sogwirkung“. Hans Platzgumer wiederum freute sich darüber, am Faschingsdienstag nicht in Westösterreich sein und „Gaudi machen“ zu müssen. Er las eine längere und zwei kurze Passagen aus dem Text vor. Reitzer stellte zwischendurch mehrere Fragen an den Autor, die sich vorrangig um die Hauptfigur des Textes und Platzgumers Herangehensweise an das literarische Schreiben bewegten. Der Schriftsteller gab an, kein guter allwissender Erzähler zu sein. Vielmehr rutsche er in die Figuren hinein und erzähle aus deren Perspektive. Diese Form des Schreibens sei zwar ein „schizophrener Spaß“, aber der Text werde so erst lebendig. Seine vorherigen Werke bezeichnete Hans Platzgumer als eher „verkopft“. Für diesen Roman hatte er keine genaue Strukturvorgabe , sondern bloß ein A4-Blatt, auf dem er die Namen der Figuren notiert hatte. Platzgumer strich einen nach dem anderen aus, da die Figur gestorben war. Ihn habe die Grauzone zwischen Leben und Tod fasziniert, so der Autor. Wie ein roter Faden zieht sich nun der Tod durch seinen Roman „Am Rand“.

Hans Platzgumer (Bild: Christian Kleiner)
Autor und Musiker Hans Platzgumer (Bild: Christian Kleiner)

Musiker und Schriftsteller

Hans Platzgumer machte in den 1980er- und 1990er-Jahren als Musiker auf sich aufmerksam. Nach seinem Studium am Innsbrucker Musikkonservatorium und an der Musikhochschule in Wien ging er nach New York. Er arbeite an zahlreichen Projekten und veröffentlichte auf unterschiedlichen Labels. Sein erster Roman trägt den Titel „Expedition“ und ist 2005 erschienen. Der Text ist autobiografisch geprägt. Weitere Veröffentlichungen sind die Romane „Der Elefantenfuß“, „Weiß“ und „Korridorwelt“, sowie die Novelle „Trans-Maghreb“.

www.platzgumer.net

Der Zsolnay Verlag ist Teil der Hanser Literaturverlage.