Bánh mì: Wien entdeckt ein Sandwich

Es ist nicht einfach ein Sandwich. Es ist ein Stück Geschichte, das einem noch lange am Gaumen haften bleibt: das vietnamesische Bánh mì gibt es nun endlich auch in Wien.

Das exotische Sandwich Báhn mí [ɓǎɲ mî] konnte man bisher nicht einmal in einem der zahlreichen asiatischen Restaurants in Wien finden. Aber das Warten hat nun endlich ein Ende: fast zeitgleich haben zwei Báhn mì – Restaurants in Wien eröffnet.

Bahn was?

Báhn mì mit gegrilltem Rindfleisch in Hoi An, Vietnam (c) Alexa Lutteri
Báhn mì mit gegrilltem Rindfleisch in Hoi An, Vietnam (c) Alexa Lutteri

Wer schon einmal in Vietnam war, weiß wovon bei Báhn mì die Rede ist: Gegrilltes Schweinefleisch, hausgemachtes Schweineleberpaté, jede Menge Koriander und eingelegtes Gemüse in einem knackigen französischen Baguette. Wie bitte, französisch? Ganz genau, in diesem Snack steckt mehr als nur eine Gaumenfreude, hier steckt vor allem Eins drin: Geschichte.

Frau Ntui hat dem Snack aus Vietnam gerade in Wien ein neues Zuhause gegeben. Im „NT Banh mi shop“ in der Lerchenfelderstraße 139 gibt es die klassische Variante mit Schweinefleisch und eine vegane Variante mit Seitan um je € 4,- zu kaufen. Gemeinsam mit ihrem Ehemann betreibt Frau Ntui den spärlich eingerichteten Laden, dessen Hinterzimmer als Internet-Café fungiert. Hier trifft sich schon jetzt ein ausgewogener Mix aus jungen Hipstern und in die Jahre gekommenen Vietnamesen zum Internetsurfen, Teetrinken oder eben einem Bánh mì.

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Klassisch und vegan um 4€ im „NT Báhn mì shop“ (c) Alexa Lutteri

Wie kommt das Báhn mì nach Wien?

Belegte Brote gibt es in Wien vor allem in Supermärkten und Bäcker-Ketten zu kaufen. Obwohl jeder nach dem Italien-Urlaub von den leckeren „Panini“ schwärmt, scheint es in Wien nur wenige Geschäftsideen rund um ein belegtes Brot zu geben und es gibt kaum Alternativen zum Döner oder Falafel-Sandwich.

In New York und Berlin ist die vietnamesische Köstlichkeit längst keine Unbekannte mehr. Mehrere Restaurants und Imbisse haben sie in ihr Sortiment aufgenommen.

Da foodies, foodblogs und Streetfoodevents, exotische Restaurants und hausgemachte Leckereien nun auch in Wien immer beliebter sind, war es nur eine Frage der Zeit, bis das vietnamesische Sandwich hier zum Angebot steht. Und: Ein Trend kommt bekanntlich selten allein.

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Already addicted? „Báhn mì Vienna“ in der Faulmanngasse 1 (c) Alexa Lutteri

Fast zeitgleich zum „NT Bánh mì shop“ eröffnete das Kärntner Paar Stefanie Kurasch und Andreas Meisterle „Bánh mí Vienna“ in der Faulmanngasse 1 im 4. Bezirk. Hier kostet die Gaumenfreude allerdings zwischen € 5,90 und € 6,50.

Wie kommt das Baguette eigentlich nach Vietnam?

Die Geschichte Vietnams ist lang und nicht besonders schön. Zahlreiche Kolonialherrschaften haben die Gesellschaft genauso geprägt, wie der Umstand, dass alle Nationen, die sich in Vietnam durchsetzen wollten, daran gescheitert sind (Frankreich, China und schlussendlich die USA).

Eine gute Sache ist von der Kolonialherrschaft Frankreichs in Indochina geblieben: das knusprige, französische Baguette.

ein typischer vietnamesischer Báhn mí -Stand in Nha Trang, Vietnam (c) Alexa Lutteri
ein typischer vietnamesischer Báhn mí -Stand in Nha Trang, Vietnam (c) Alexa Lutteri

Das Baguette wurde in die vietnamesische Küche aufgenommen und nicht mit Camembert, sondern mit eigenen Zutaten belegt. Statt Lachs oder Schinken wurde das Brot mit heimischen Spezialitäten gefüllt. So entstand das Bánh mì. Mittlerweile ist es in Vietnam an jeder Straßenecke zu finden und nun auch in westlichen Ländern immer häufiger auf Menüs zu lesen.

TV-Star Antony Bourdaine ist begeistert

Der TV-Star Antony Bourdaine aus den USA, der in seiner Serie „No Reservations“ die Welt bereist und verschiedenste Gerichte ausprobiert, hat in dem bunten Schneider-Städtchen Hoi An, im Zentrum Vietnams, eine Straßenküche zur „besten Báhn mì Verkaufsstätte“ gekrönt. „This is a symphony in a sandwich“, so Bourdaine.

Eine Vielzahl an Vietnam-Touristen und Antony Bourdaine haben dem Snack internationale Bekanntschaft verschafft, was am Ende dazu beigetragen hat, dass Frau Ntui ihren Nationalsnack nun in Wien anbietet und auch zwei Kärntner den vietnamesischen Snack nach Wien gebracht haben. Already addicted?

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