© Pilo Pichler

Altes Kino für den neuen Tarantino

Nach 23 Jahren spielt ein Kino wieder einen Film in 70 Milimeter. Das Gartenbaukino zeigt Quentin Tarantinos „Hateful Eight“ im altmodischen Cinemascope-Format. Dabei kam es zu einigen Problemen, die sogar das Kino überraschten.

Das Gartenbaukino war das erste (1960) und letzte (1993) Kino Österreichs, das Filme in 70 Millimeter abspielen konnte. 23 Jahre später, seit 28. Jänner 2016 zeigt es nun wieder als einziges Kino des Landes (und im Umkreis von 580 Kilometer) die „70mm Ultra Panavision Roadshow“ Fassung von Quentin Tarantinos neuestem Film „Hateful Eight“.

Der Kultregisseur wollte seinen Western im traditionellen Cinemascope drehen. Ein Format, bei dem das Bild sehr breit (das Verhältnis 2,76:1)  ist und sich deshalb für Landschaftsaufnahmen besonders eignet.

Der nötige Anreiz

IMG_20160127_121719
Der Projektor aus der Mitte des 20. Jahrhunderts

Kinos, die dieses Format spielen, dürfen die besondere Roadshow- Variante von „Hateful Eight“ zeigen. Der Film ist um einige Minuten länger, zu Beginn gibt es eine Ouvertüre und eine Pause dazwischen. Der Geschäftsführer des Gartenbaukinos, Norman Shetler meint zur Aufrüstung des Kinos, dass es schon länger den Plan gab und das jetzt der nötige Anreiz gegeben sei. Die Projektoren seien zu 90 Prozent im Stande das Format zu spielen und jetzt wäre man die zehn Prozent gegangen.

Eine Aufrüstung mit Problemen

"Hateful Eight" im analogen Format
„Hateful Eight“ im analogen Format

Probleme hat es einige gegeben. So musste die Leinwand bis auf das Maximum verbreitert werden und man benötigte noch einen Adapter für den Projektor. Man habe dafür zuerst sogar den Falschen bestellt, fand aber nach langem Suchen in der Schweiz den richtigen Anamorphot (der Adapter, der das Bild in die Breite zieht. Anm.), so Shetler weiter.

Nicht nur das Bild war problematisch, so musste auch die Tonanlage verändert werden, damit er mit der breiten Leinwand übereinstimmte. Für die Wartung der alten Projektoren kam sogar der 80-jährige Techniker aus dem Ruhestand zurück. Es dauerte zudem einige Wochen, bis alle Veränderungen zusammenpassten und „Hateful Eight“ so gezeigt werden konnte, wie es von Tarantino vorgesehen war.

Der Erfolg gibt recht

Im Geiste der Roadshow-Aufführung verzichtet das Gartenbaukino auf Werbung vor dem Film. Zu finanziellen Verlusten wird das aber nicht führen. Der Andrang war so groß, dass Reservierungen nicht mehr fristgerecht bearbeitet werden konnten und dem Kino sogar unerwartet die Tickets ausgingen. Den Erfolg von „Hateful Eight“ und die Aufrüstung auf 70 Millimeter will das Gartenbaukino zudem weiter ausnützen. Im April beginnt eine Retrospektive, bei der „Lawrence of Arabia“, gefolgt von weiteren Klassikern des Formates gezeigt werden wird.

„Hateful Eight“ läuft noch bis Mitte März im Gartenbaukino.

Informationen zum Film gibt es hier.

Beitragsbild: © Pilo Pichler via Gartenbaukino

 

 

 

 

Schreibe einen Kommentar