HOSTEDBY.ME: GUTE ZEITEN MIT FREMDEN

Autos; Wohnungen; Informationen. Alles Mögliche wird heute geteilt. Die sogenannte „sharing economy“ ergreift immer mehr Teile des Alltags. Nun ermöglicht das junges Wiener Start-Up hostedby.me es Fremden, im Rahmen gemeinsamer Abende, Erfahrungen zu teilen und soziale Netzwerke mit Gleichgesinnten aufzubauen.

Foto: adifansnet | CC BY-SA 2.0
Foto: adifansnet | via flickr.com | CC BY-SA 2.0 Lizenz

Seit Oktober 2015 macht es die Online-Plattform hostedby.me ihren Nutzern möglich Gleichgesinnte zu finden und in privaten Räumlichkeiten zu gut organisierten, gemeinsamen Abenden zusammenzukommen. Vor allem schafft es hostedby.me über ein Bewertungssystem und verifizierte Zahlungsmethoden so viel Vertrauen zwischen Fremden aufzubauen, dass Veranstalter ihnen Zutritt in ihre privaten Welten geben. Bereits um die 700 Gäste haben so schon zu privaten Veranstaltungen gefunden.

Auf der Website können Nutzer Veranstaltungen buchen, eine Veranstaltung erstellen, einen Preis festlegen und Gästeanfragen verarbeiten. Dabei hilft, dass Interessierte nicht nur, über die Website, Veranstaltungen buchen können, an denen sie interessiert sind, sondern auch Profile anlegen. An diesen können sich die Veranstalter nämlich orientieren, wenn sie die meist recht begrenzten Plätze zu ihren Events vergeben. Kommt die Buchung zustande, leitet hostedby.me die Zahlung abzüglich einer Provision weiter. Nach der Veranstaltung kommt dann das wechselseitige, öffentliche Feedback.

So öffnet das Unternehmen den Nutzern den Weg zu neuen Bekanntschaften und Erfahrungen und gibt gleichzeitig motivierten Veranstaltern einen sicheren Weg, mit dem was sie gerne machen, Geld zu verdienen. Das war und ist laut Mitbegründer Clemens Giselbrecht auch das Ziel.

Während nämlich hostedby.me mit dem Gedanken gegründet wurde, Neuankömmlingen einen Weg zu geben sich mit Kennern der lokalen Szene zu vernetzen, ist das Ziel inzwischen breiter gesteckt. Heute soll nicht mehr nur jenen geholfen werden, die sich in einem neuen Umfeld wiederfinden und Kontakte und Lokalexpertise suchen. Es soll Menschen generell erleichtert werden Gleichgesinnte zu treffen. Auch soll es den Nutzern ermöglicht werden, mit dem was sie gerne machen, Geld zu verdienen.

Letztlich geht es dem Unternehmen laut Giselbrecht heute auch darum, Menschen zu helfen die Organisation der Privatveranstaltungen so einfach und stressfrei wie möglich zu gestalten. Dabei hilft, dass der über den Anteil an den Transaktionen gemachte Profit, denn er gewährleistet nicht nur den Bestand des Unternehmens und der Plattform, sondern auch den Service, den Giselbrecht und sein Partner in Zukunft kontinuierlich ausbauen wollen. So gibt es aktuell für die erste Veranstaltung gratis ein großzügiges Party-Paket voller Getränke und Naschereien, das es später auch öfter geben soll. Auch ein Web-Shop ist angedacht. Der, wie das Unternehmen es ausdrückt, „authentische Weg ins Wohnzimmer“, ist für hostedby.me dabei ein paralleler Weg zu einem nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg.

Aktuell gibt es vier Arten von Veranstaltungen auf der Website. Das sind zum einen die Pre-Parties, wo man sich trifft, um später gemeinsam auszugehen, die Home-Events, auf denen gemeinsam gefeiert, oder manchmal FIFA gespielt wird, die kulinarischen Abende, bei denen gemeinsam gegessen oder gekocht wird und die kulturellen oder künstlerischen Abende, an denen beispielsweise Musiker ein volles Wohnzimmer besingen.

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Mexikanische Salsa | Foto: TesaPhotography | via pixabay.com | CC0 Lizenz

Roberto

Ein Beispiel für jemanden, der dem ursprünglichen Zielgruppen-Profil perfekt entspricht, ist Roberto, der vor Kurzem ein hostedby.me-Event im dritten Bezirk veranstalte. Ihm ging es darum, in einem ihm noch recht unbekannten Umfeld, neue Leute kennenzulernen. Auf der Suche nach Möglichkeiten sich mit der lokalen Szene zu verbinden fand er die Plattform hostedby.me und ergriff die Gelegenheit.

Der gebürtige Mexikaner ist seit einigen Monaten in Wien und arbeitet hier selbstständig für die NGO (Nicht-Gewinnorientierte Organisation) Latinomics, die den kulturellen Austausch zwischen Österreich und Mexiko fördert und den unternehmerischen Geist, mit einer Prise sozialer Gerechtigkeit, voranzutreiben sucht.

Zufällig über die Seite gestolpert ergriff er die Gelegenheit und veranstalte ein Essen. So öffnete er sein Wohnzimmer fünf Unbekannten und servierte vier Gänge, während Lebensgeschichten geteilt wurden und über internationale Erfahrungen, Tinder und Tequila gesprochen wurde und einiges von letzterem zwischen den Gängen die Hälse hinunterfloss. Dabei genossen die Gäste nicht nur mexikanische Salsa, Enchiladas, Haberno Hühnerflügel und süße überbackene Bananen, sondern lernten auch Getränke wie Tequila Cream, und natürlich sich gegenseitig und den Gastgeber, kennen.

Während das Essen ohne den Einsatz von Roberto nicht möglich gewesen wäre, hätten sich die Gäste wohl ohne hostedby.me nicht gefunden.

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Von der Idee zum Start-Up

Gegründet hat die Internet-Plattform hostedby.me Clemens Giselbrecht (27) nach längerer Suche nach geeigneten Partnern, zusammen mit Julian Halder (26) 2015. Seit Oktober 2015 ist die Seite öffentlich zugänglich. Hinsichtlich der Rechtsform befindet es sich noch in der Gründungsphase, ein gesundes Unternehmenswachstum und täglich neue Nutzer geben jedoch laut Giselbrecht guten Grund zu Optimismus.

Der gebürtige Vorarlberger kam über Umwegen zu seinem Start-Up. Als gelernter Optiker verschlug es ihn nach der Matura und Meister-Prüfung nach Liechtenstein wo er Management und Entrepreneurship studierte. Sein ursprüngliches Ziel ein Optikergeschäft zu gründen, wurde jedoch schnell von einer Begeisterung für die sogenannte „sharing economy“ überflügelt, mit der er sich während seinem Studium intensiv auseinandergesetzt hat.

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Share-Symbol | © azadaquib | via pixabay.com | CC0 Lizenz

Die shareconomy

Auch als „shareconomy“ bekannt, signalisiert der Begriff, der sich aus „share“ („teilen“) und „economy“ („Ökonomie“) zusammensetzt, das Teilen von verschiedensten Dingen und repräsentiert einen Trend der immer mehr Bereiche des Marktes ergreift. Von AirBnB, bis DriveNow und Couchsurfing.com, werden die Manifestationen der Idee immer präsenter im Alltag der Menschen.

Dabei kann es um Geld gehen, muss es aber nicht. Geteilt werden jedenfalls nicht nur Waren, sondern auch Informationen, Erfahrungen und Lebenswelten, wobei der gemeinschaftliche Konsum immer einen zentralen Stellenwert einnimmt.

Bei hostedby.me scheinen sich alle Faktoren wiederzufinden. Nicht nur werden hier Waren gemeinschaftlich konsumiert, sondern es werden im Zuge dessen auch Informationen und Erfahrungen geteilt, und Lebenswelten fremden Personen geöffnet, in der Hoffnung, dass sie nicht lange Fremde bleiben.

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eatwith.com-Event in Barcelona 2013 | Foto: OuiShare | via flickr.com | CC BY-SA 2.0 Lizenz

Die Inspiration

Das war auch das Ziel von Clemens Giselbrecht als er das Ganze ins Leben rief. Schon von der Shareconomy begeistert stieß er bei einem Aufenthalt in Barcelona auf eatwith.com.

„Zu diesem Zeitpunkt wusste ich nicht recht, was ich mit wem tun sollte“, meint Giselbrecht, den die Idee des Unternehmens sofort faszinierte.

Bei eatwith.com handelt es sich um einen 2012 in Israel gegründeten globalen Marktplatz, der versucht Menschen über einem gemeinsamen Essen zusammenzubringen. Dabei zielt das Unternehmen ganz spezifisch auf Köche ab und will sie mit einheimischen und durchreisenden Feinschmeckern in Kontakt bringen.

Gegründet von Guy Michlin und Shemer Schwarz ist es inzwischen in 30 Ländern aktiv. Von Australien und Hong Kong, über Argentinien und die USA, Frankreich und Deutschland, Ungarn und die Ukraine, bis hin nach Litauen, hat es das Unternehmen schon geschafft.

Die Idee von eatwith.com baute Clemens Giselbrecht entsprechend seinen Vorstellungen um und aus und suchte nach einem starken Partner. Nach einer längeren Suche fand er ihn in seinem langjährigen Freund Julian Hader, der nicht nur durch Studium und Berufserfahrung das notwendige Fachwissen mitbrachte, sondern auch die Philosophie teilte und die Bereitschaft zeigte sich, wie Giselbrecht selbst, voll in das Start-Up einzubringen.

Giselbrecht ist zuversichtlich, dass auch sie es über die Grenzen Österreichs hinaus schaffen. Auch die Tatsache, dass sie sich, im Gegensatz zu Konkurrenten wie meetup.com, nicht nur um Kontaktaufnahme und eine spezielle Erfahrung im Rahmen eines gemeinsamen Abends, sondern auch um stressfreie Organisation und ein im Mindesten kostenneutrales Erlebnis sorgen, gibt Grund zu Optimismus.

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Foto: Jake Hills | via pexels.com; unsplash.com | CC0 Lizenz

Einzige Konstante: Veränderung

Den Gründern von hostedby.me ist es wichtig, nicht auf der Stelle stehen zu bleiben. Eine dauerhafte Suche nach Entwicklungs- und Verbesserungsmöglichkeiten kennzeichnet die Geschäfts-philosophie, die Co-Gründer Julian Halder kürzlich in einem Interview mit: „man scheitert nur, wenn man aufhört nach Lösungen zu suchen“, auf den Punkt brachte.

Auch Clemens Giselbrecht will immer mehr und arbeitet nach eigenen Angaben akribisch auf den Knalleffekt hin, wobei er vorerst damit zufrieden ist, eine Gemeinschaft aufzubauen, die der Website und ihrer Idee Halt gibt.

Der Schlüssel zum Erfolg sind neben den Nutzern selbst für ihn vor allem die richtigen Mitarbeiter. „Es braucht dieses Feuer, auch bei Mitarbeitern“, so bringt Giselbrecht die Erfolgsbedingung seines Unternehmens auf den Punkt.

Denn das Ziel ist es ihm zufolge letztlich, nicht nur das Unternehmen, sondern auch den Lebensstil zu verankern, und beides nachhaltig miteinander zu verknüpfen. Hostedby.me will, in seinen Worten, eine Lifestyle-Marke zu werden. Es Menschen ermöglichen Gleichgesinnte zu finden, neue Erfahrungen zu sammeln und am Weg, stressfrei und mit Freude, Geld zu verdienen – das wünscht sich Giselbrecht. Ob es ihm und Julian Halder gelingt, wird sich zeigen. Sie scheinen mit ihrem Unternehmen aber auf einem guten Weg zu sein.

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