Beklemmender Thriller mit Wahrheitsgehalt

Am 19. Februar startet der Thriller „Colonia Dignidad“ in den österreichischen Kinos. Heute fand die Vor-Premiere im ausverkauften Votivkino im 9. Wiener Gemeindebezirk statt. Zu Gast waren unter anderem Hauptdarsteller Mikael Nyqvist, Regisseur Florian Gallenberger und ein weiterer besonderer Gast.

Der Film beruht auf einer wahren Begebenheit. Er beleuchtet die Abgründe der vom deutschen Wanderprediger Paul Schäfer gegründeten Sektensiedlung Colonia Dignidad in Chile. In völliger Abgeschiedenheit wurden dort von 1961 bis in die 1990er Jahre Menschen gequält, missbraucht und gefoltert. Paul Schäfer, der sich selbst als Gott sah, war Anführer der Sekte.

Im Film verkörpert Mikael Nyqvist die Rolle des Sektenführers: „Es ist der böseste Charakter, den ich je gespielt habe. Schäfer ist pädophil, wie kann man das vertreten?“ Gemeinsam mit Nyqvist erschaffen die Protagonisten Lena (Emma Watson) und Daniel (Daniel Brühl) von Anbeginn eine beklemmende und zugleich packende Atmosphäre.

Im Anschluss an den Film hatte das Publikum die Möglichkeit Nyqvist und Gallenberger einige Fragen zu stellen. Auch Erick Zott, ein in Österreich wohnhafter Überlebender von Colonia Dignidad ergriff das Wort: „Für mich war es sehr emotional den Film zu sehen. Ich konnte lange nicht über das Geschehene sprechen. Anfangs war ich unsicher, welche Information der Film nach außen tragen wird. Ich wollte, dass die Menschen die Wahrheit erfahren. Das hat der Film geschafft, ich kann sagen, dass 70 Prozent genau so passiert sind.“ Zott war derart ergriffen, dass er am Ende seiner Ansprache ein paar Tränen vergoss. Das Publikum ehrte ihn mit Standing Ovations.

Überlebender Erick Zott, Regisseur Florian Gallenberger und Hauptdarsteller Mikael Nyqvist im Votivkino. (von links nach rechts)
(von links nach rechts) Überlebender Erick Zott, Regisseur Florian Gallenberger und Hauptdarsteller Mikael Nyqvist im Votivkino. © Sonja Rojacz

Regisseur Florian Gallenberger sagt über sein Werk: „Mir war es wichtig das Publikum mit dem System zu konfrontieren. Am Ende soll es verstehen, dass das Geschehene wahr ist. Die Colonia existiert noch immer. Nachdem Paul Schäfer weg war, wussten sich die Menschen nicht zu helfen. Sie konnten keine Entscheidung alleine treffen. Heute lebt die Siedlung – ob Sie es glauben oder nicht – vom Tourismus. Volksmusik spielt den ganzen Tag und Schweinshaxe werden gebraten, dort wo früher Kinder gefoltert wurden.“

Gallenberger hat für seinen Film mehrere Reisen nach Chile unternommen, dabei hat er sich durchaus in Gefahr begeben. Denn nicht alle waren begeistert darüber, dass ihre Geschichte verfilmt wird. Die deutsche Botschaft in Santiago de Chile arbeitete früher mit der Colonia zusammen und brachte Menschen, die es geschafft hatten zu fliehen, wieder zurück in die Siedlung. „Ich wollte dem Publikum dieses Detail nicht vorenthalten, es war mir wichtig die Rolle der Botschaft im Film zu erklären.“

Bis heute wurden weder die Botschafter noch die Mitglieder der Colonia zur Verantwortung gezogen. Paul Schäfer tauchte in den 90er Jahren unter, er wurde erst 2005 in Argentinien festgenommen und zu 20 Jahren Haft verurteilt. Schäfer verstarb 2010 an einem Herzleiden im Gefängisspital von  Santiago de Chile.

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