Zwischen Fingerfood und Wehmut

Am 24. Februar eröffnete in Wien Ottakring die Kunstausstellung „In the Dust of Life“. Sechs Tage lang zeigt sie Arbeiten, die sich mit dem Leben und der Vergänglichkeit auseinandersetzen. 

In der unscheinbaren Galerie Au in der Brunnengasse 67 stellt die Wienerin Alessandra Ljuboje zum ersten Mal ihre Bilder aus. „Das wollte ich schon lange machen, einfach für mich“, so die Fotografie-Studentin, deren Arbeiten man bisher nur auf ihrem Blog bestaunen konnte.

Nun hängen die Aufnahmen in eigens akribisch gemessen Abständen an den kahlen Betonwänden eines Raumes, in dem sonst Kaffeehaus-ähnlicher Betrieb herrscht und manchmal kleine Parties und Veranstaltungen stattfinden. Der Besitzer hat der 28-Jährigen das Lokal freundlicherweise mietfrei zur Verfügung gestellt. „Ich durfte sogar Nägel in die Wand schlagen“, grinst Ljuboje. Ein echter Glücksgriff, denn normalerweise kann man sich die Raummieten kaum leisten.

Melancholie: ein kleiner Besuchermagnet

Trotz spärlicher öffentlicher Werbung ist die Galerie gut gefüllt. Auf Facebook hätten zwar viele Leute zur Veranstaltung zugesagt, doch sie hätte nicht gedacht, dass tatsächlich so viele kommen würden, freut sich die Künstlerin vor allem über die fremden Gesichter. Bei lockerer Atmosphäre plaudert sie stolz mit den interessierten Gästen und animiert zwischendurch dazu, bei dem kleinen Fingerfood-Buffet zuzugreifen. Auf einem Tisch in der Mitte sind Nudelsalat, Kuchen, Muffins und Pizzaschnecken angerichtet, Getränke gibt es an der Bar einen Raum weiter.

Für jene, die an dem Kauf eines Bildes interessiert sind, gibt es keinen festen Preis. Jeder sollte das zahlen, was er kann und was ihm das Bild wert ist, findet Ljuboje: „Ich kann ja nicht von jemandem, der arbeitslos ist, dasselbe verlangen wie von jemanden, der in einer Bank arbeitet.“

Gemütliche Vernissage / © Charlotte Weber
Gemütliche Vernissage / © Charlotte Weber

So entspannt und ausgelassen das Stimmengewirr der Besucher, so düster und bedrückend die Fotos an den nackten Wänden. Schwarz-Weiß-Kontraste, Aufnahmen von Gräbern, vernebelten Wäldern und tristen Gesichtern stimmen den Betrachter unweigerlich nachdenklich und melancholisch. Selbst ein Schnappschuss von Menschen an einem Strand in Kroatien an einem sonnigen Tag mutet traurig an. Und doch ist er wunderschön, dieser Lebensmoment, für immer festgehalten.

Inspiriert durch schlechte Zeiten

Es scheint rätselhaft, wie sich ein solches Thema wie ein roter Faden durch das künstlerische Schaffen einer jungen, lebhaften Frau ziehen kann. Manchmal müsse sie Leuten erklären, wie sie zu ihrem Steckenpferd kam, bevor sie es verstehen, so Ljuboje. Mit elf Jahren fing sie an zu fotografieren, während der Depressionsphasen als Teenager in einer veränderten Lebenssituation habe nichts besser geholfen, als nach draußen zu gehen und zu knipsen. Und das tut es auch heute noch, wenn es ihr mal schlecht geht. Wahrscheinlich sind die Fotos deshalb so schwermütig behaftet. „Wir haben alle eine dunkle und eine helle Seite“, ist die Studentin überzeugt.

Melancholie in schwarz-weiß / © Charlotte Weber
Melancholie in schwarz-weiß / © Charlotte Weber

Alessandra Ljuboje hat sich auf Analog-Fotografie spezialisiert und besitzt etwa 30 Kameras. „Davon sind aber nur zwei oder so digital“, lacht sie. Sie fotografiert fast ausschließlich schwarz-weiß, hat eine Vorliebe für Landschaftsaufnahmen, Menschen und Filmfotografie. Derzeit arbeitet die Studentin im Fotolab von Lomography, doch irgendwann würde sie gerne von ihrem Hobby leben und selbstständig sein. „Aber Künstler haben es da verdammt schwer“, seufzt die Künstlerin. In Zukunft möchte sie zumindest einmal im Jahr ausstellen, um ihre Bilder des Jahres zu präsentieren.

Bis 1. März sind die Aufnahmen noch täglich von 18:00 bis 02:00 Uhr bei „In the Dust of Life“ in der Galerie Au zu bewundern.

 

Schreibe einen Kommentar