Carven am Cobenzl

Was sich angesichts der schneearmen Winter reichlich surreal anhört, könnte tatsächlich real werden: In Döbling laufen die Planungen für eine neue Skipiste auf Hochtouren. Obwohl die Stadt Wien in das ambitionierte Konzept noch nicht eingebunden ist, sehen die Skiverbände als Projekt-Initiatoren der Umsetzung zuversichtlich entgegen.

Mitte Jänner war es endlich soweit: Der Winter – zumindest in Form von tiefen Temperaturen – kam in Wien an. Wenn sich auch die weiße Pracht immer noch nicht über die Hohe Wand Wiese, Wiens einziger Skipiste, legen wollte, konnten zumindest die Schneekanonen angeworfen werden. Ein Skibetrieb war allerdings nicht möglich. Nach nur fünf Tagen beendete ein erneuter Warmwettereinbruch das kurze Dasein der künstlichen Schneekristalle. Nach drei Wintersaisonen ohne Skibetrieb warf der Betreiber der Hohen Wand Wiese das Handtuch und löste den Pachtvertrag mit der Stadt Wien.

Obwohl das Skifahren in Wien oft dem Wetter zum Opfer fällt, wird auf der anderen Seite des Wienerwaldes seit einiger Zeit an der Idee einer alternativen Skipiste gefeilt. Geht es nach den Überlegungen vom Österreichischen Skiverband (ÖSV), dem Wiener Skiverband und der Döblinger ÖVP-Bezirksvorstehung, könnte der Wiener Skizirkus nach Grinzing übersiedeln. Als neuer Skihügel wurde der Cobenzl auserkoren. Ganz jungfräulich ist der Cobenzl in Sachen urbanem Wintersport auch nicht: Schon von 1928 bis 1943 beheimatete er eine beliebte Skisprungschanze. Der Cobenzl als Wintersportort wäre somit kein völliges Neuland.

Die Wagenwiese als neue Skipiste

Laut dem Entwurf des Pistenplans würde die neue Skipiste zwischen Höhenstraße und Cobenzlgasse verlaufen, auf der sogenannten Wagenwiese. Mit einer Rampe könnte die Krapfenwaldgasse, die die Wiesen teilt, verbunden werden.

Mit einer Rampe können die beiden Wiesen verbunden werden.
Noch trennt die Krapfenwaldgasse die mögliche Skipiste. Mit einer Rampe könnten die beiden Teile verbunden werden. Foto: Lilian Spatz
Ski fahren ohne teuren Skiurlaub

Hinter der Idee der neuen Piste steckt der beständige Wunsch der Verbände, den Skifahrern auch in Wien einen adäquaten Raum für ihre Leidenschaft anzubieten. Aber auch Kinder aus Familien, die sich einen Skiurlaub nicht leisten können, sollen die Möglichkeit haben, auf den zwei Brettln beziehungsweise einem Snowboard stehen zu können. „Gerade viele Kinder aus Zuwandererfamilien zeigen sich oftmals als sportlich talentiert und interessiert. Warum sollte diesen bewegungshungrigen Kids nur das Ballspiel bleiben?“, begründet Hermann Gruber, Präsident des Wiener Skiverbands, sein Projektanliegen.

Dass es sich nicht nur um eine Idee handelt, die bald wieder in Vergessenheit geraten soll, zeigt der Entwurf des Pistenplanes. Natürlich gibt es unterschiedliche Ausführungen. In der optimalen Variante wird die Wagenwiese zu 60.000 Quadratmeter Pistenfläche umgewandelt. Auf einem Kilometer Länge könnte man künftig ins Tal carven. Zwei Sessellifte befördern die Wintersportler nach der Abfahrt zurück zum Ausgangspunkt. 20 Schneekanonen, ein Teich mit Pumpstation und Kühltürme würden für die optimale Pistenbedingungen sorgen.

Die Döblinger Piste erstreckt sich über die Wagenwiese zwischen Höhenstraße und Cobenzlgasse. Foto: Google Maps
Die Döblinger Piste erstreckt sich über die Wagenwiese zwischen Höhenstraße und Cobenzlgasse. Foto: Google Maps
Vergnügen in Winter und Sommer

Um das Skivergnügen zu komplettieren, sind ein Skiverleih, eine Skischule und ein Gastronomiebereich geplant. Auch im Sommer soll die Wagenwiese am Cobenzl als Sport- und Freizeitgebiet dienen: Für die warme Jahreszeit sind eine Sommerrodelbahn, eine Radstrecke und „möglichst viele weitere Unterhaltungs- und Freizeitgestaltungsmöglichkeiten“, wie Gruber berichtet, konzipiert.

Das geringe Gefälle am Pistenbeginn ermöglicht Anfängern ein langsames Herantasten.
Das geringe Gefälle am Pistenbeginn ermöglicht Anfängern ein langsames Herantasten an den Wintersport. Foto: Lilian Spatz

 

ÖSV-Präsident Schröcksnadel organisiert die Investoren

Die mögliche neue Skipiste befindet sich zwar auf Gründen der Stadt Wien, Steuergeld würde für das Projekt dennoch keines verwendet werden, versichert der Döblinger Bezirksvorsteher Adolf Tiller. Private Investoren sollen den Skispaß im Wiener Wald finanzieren. ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel, der selbst den Skisport in die Bundeshauptstadt bringen will, hat die Fäden der Sponsorenorganisation fest in der Hand.

Grünes Licht gibt es noch nicht

Bisher wurde die Stadt Wien aber noch nicht in das Projekt eingebunden. Im Rathaus wolle man erst dann vorstellig werden, wenn projektseitig alles geklärt sei, heißt es von Seiten der Initiatoren. In absehbarer Zeit, bestätigt Gruber, findet eine Besprechung mit dem Leiter des Sportamtes und dem SPÖ-Sportstadtrat statt.

Viel vergebene Liebesmüh wäre es, wenn sich Sportstadtrat Andreas Mailath-Pokorny der Linie seiner Döblinger Parteikollegen anschließen würde. In einer Aussendung begegnete die SPÖ-Gemeinderätin Barbara Novak der Idee ihres schwarzen Bezirksvorstehers Tiller mehr mit Sarkasmus, als mit Ernst. Im Zusammenhang mit der erfolglosen Beschneiung der Hohen Wand Wiese sagte sie „Auf der angedachten Cobenzlpiste wird das selbstverständlich ganz anders sein, schließlich wird man dort mit einer Armada von Schneekanonen aufwarten, damit es der Kunstschnee ja nicht wagt zu schmelzen.“

SPÖ-Gemeinderat Franz Ekkamp führte die Umweltbelange ins Treffen und befürchtete einen massiven Eingriff in die Natur und das Gleichgewicht des Biosphärenparks Cobenzl.

Nur wenige Baumgruppen - wie hier bei der möglichen Auffahrt zur Verbindungsrampe - müssten gerodet werden.
Nur wenige Baumgruppen – wie hier bei der möglichen Auffahrt zur Verbindungsrampe – müssten gerodet werden. Foto: Lilian Spatz
Keine bedrohlichen Eingriffe in die Natur nötig

Großflächige Rodungen oder sonstige gravierende Eingriffe in die Natur seien beim vorgesehen Konzept nicht erforderlich, bestätigt Gruber. Beim Bau der Liftanlage und der übrigen geplanten Infrastruktur müsse – wie in vielen anderen Regionen Österreichs – mit ökologischem Feingefühl vorgegangen werden.

Ganz generell sieht der Präsident des Wiener Skiverbands keine Gefahr in der Haltung der Döblinger Opposition: „Die ablehnenden Äußerungen dieser politischen Seite könnten mit den Wiener Herbstwahlen in Zusammenhang gestanden haben“, vermutet er.

Problem Schneemangel

Aus Sicht der Projektinitiatoren könnte also nur noch eines gefährlich werden: der ausbleibende Winter.

Im Wiener Wald ist weit und breit keine Spur von Schnee zu entdecken.
Im Wienerwald ist weit und breit keine Spur von Schnee zu entdecken. Foto: Lilian Spatz

„Anhaltend zu warme Temperaturen könnten natürlich auch für diese geplante Skiwiese ein Problem sein“, verweist Gruber auf die Schnee-Problematik der Hohen Wand Wiese. In Mauerbach führten aber auch andere Gründe zur Stilllegung des Skibetriebs in den letzten drei Wintern. Immer wieder gab es Differenzen zwischen dem Pächter und dem Sportamt der Stadt Wien. „Und es gibt heute Techniken für die maschinelle Schneeerzeugung, die weniger kalte Temperaturen erfordern“, zeigt sich Gruber zuversichtlich.

Skiausflüge und Schneeerlebnisse auf Matten 

Bis die mögliche Döblinger Skipiste realisiert und die Zukunft der Hohen Wand Wiese geklärt werden, bleiben für das schnelle Skivergnügen nur die nahegelegenen niederösterreichischen Skigebiete.

Wer dennoch unbedingt in Wien Ski anschnallen will, kann das momentan nur auf Kunstschnee im wahrsten Sinne des Wortes: 2.500 Quadratmeter Kunststoffmatten zum Wedeln bietet die Scheeerlebniswelt Wien-Aspern an. Ganz wetterunabhängig.

 

Links:

Österreichischer Skiverband

Wiener Skiverband

Hohe Wand Wiese: MA 54 Stadt Wien

Schneeerlebniswelt Wien-Aspern

Schreibe einen Kommentar