Der Kampf gegen den Kaffee im Pappbecher

Mit den Weihnachtsmärkten halten auch die Pfandbecher Einzug in Wien. Der Punsch oder Glühwein wird in der Porzellantasse erworben, für die Pfand fällig ist. Doch nicht nur Punsch wird in Wien für to-go bestellt. Der Kaffeebecher zum Mitnehmen ist nicht mehr wegzudenken – und so auch nicht der Pappbecher-Müll. Denn außerhalb der Weihnachtssaison sind Pfandbecher in Wien rar – im Gegensatz zu einigen anderen Großstädten.

Bald Geschichte? Der Pappbecher-to-go © Veronika Felder
Bald Geschichte? Der Pappbecher-to-go © Veronika Felder

Kaffee zum Mitnehmen ohne dafür einen Pappbecher benutzen zu müssen? In Wien gibt es derweil noch keine stadtübergreifende Initiative. Will man auf den Pappbecher verzichten, muss man entweder seinen eigenen Becher mitbringen, oder vor Ort einen wiederverwendbaren Becher kaufen. Dabei ist der Gedanke der Initiativen, welche seit kurzer Zeit in einigen deutschen Großstädten gestartet sind recht simpel: Anstatt den Kaffee in Pappbecher zu füllen, werden Mehrwegbecher verwendet, für die Pfand gezahlt werden muss. Anschließend kann man den Becher in einem teilnehmenden Café wieder auffüllen lassen oder zurückgeben. Der Becher wird dann gewaschen und kann wiederverwendet werden.

Die Bechersituation in Wien

Könnte ein solches System also ein Vorbild für Wien sein? Ulrike Stockner von der Magistratsabteilung für Umweltschutz ist zuversichtlich: „Die Wiener Umweltschutzabteilung findet solche Initiativen sehr positiv, da sie zur Vermeidung von unnötigem Abfall beitragen, und wird auch weiterhin Gespräche dazu mit verschiedenen Stakeholdern führen.“

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Nicht nur die Becher, sondern auch die Deckel sind schlecht für die Umwelt © Veronika Felder

Zurzeit müssen sich die Konsumenten allerdings noch mit selbst mitgebrachten Bechern, oder den in einigen Cafés erwerbbaren Hartplastik-, Edelstahl- bzw. Glasbechern begnügen. Im Wiener Café Poc etwa, kann man solche Becher kaufen und dann auch befüllen lassen. „Wir füllen solche Becher, egal ob von zuhause mitgebracht oder hier gekauft, gerne auf, wenn sie von der Größe her passen“, sagt Mitarbeiterin Maria. Nicht klar genug  findet sie jedoch die rechtliche Situation: „Das Problem ist, dass wir uns hier in einem Graubereich befinden – das Befüllen von mitgebrachten Bechern ist rechtlich gesehen umstritten.“ Für Stocker ist die Sachlage jedoch eindeutig definiert: „Prinzipiell kann jeder seinen eigenen sauberen Mehrwegbecher mitbringen und fragen ob er befüllt wird. Genauso wie bei Take-away Geschirr für das Mittagessen ist das möglich.“ So lobt Stocker etwa auch die Bäckerei Ströck. In ihren Filialen werden, so wie auch in anderen Wiener Lokalen, Hartplastik-Mehrweg-Kaffeebecher verkauft, die auch von anderen Cafés wieder befüllt werden können. Sogar die Kaffeehauskette Starbucks bietet das Abfüllen in selbst mitgebrachte Becher an. „Bring Deinen eigenen Becher oder Tumbler und erhalte einen Rabatt“ – so das Angebot der Kette, welche nichtsdestotrotz zur Zeit verstärkt die Weihnachtskollektion der eigenen Pappbecher bewirbt.

Berlin als Vorreiter

In Berlin, Hamburg, Freiburg und Rosenheim gibt es bereits Pilotprojekte zur Förderung der Mehrwegbecher. Die Rot-Grüne Koalition in Berlin will nun sogar ein stadtübergreifendes Mehrwegbechersystem einführen, und außerdem Lokale dazu motivieren, Kaffee in wiederverwendbaren Bechern um 20 Cent günstiger zu verkaufen – zunächst allerdings nur auf freiwilliger Basis. Der Pfandbecher, den es in Berlin Neukölln und Kreuzberg seit zwölftem September in vielen Cafés zu kaufen gibt heißt „Boda – just swap it“. Anfangs beteiligten sich nur fünf Cafés, mittlerweile nehmen bereits 16 Lokale an dem Mehrwegbecher-Pfandsystem teil. Die Initiative dahinter stellt den Cafés die Becher zur Verfügung und verteilt sie später auch um, falls ein Laden zu viele oder zu wenige hat.

Unser wiederverwendbarer Cappuccino-Becher #justswapit #sustainablecoffeetogo #sustainableconsumption #coffeelove

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Umweltschonende Mehrwegbecher

Doch sind nachfüllbare Becher wirklich umweltschonender? Ja, meinen die Hersteller der „Just swap it“ Becher. Denn Pappbecher produzieren nicht nur sehr viel Müll, sie durchlaufen auch einen umweltschädliche Produktionszyklus. Hierbei wird vor Allem sehr viel Wasser und Holz beansprucht – Recyclingpapier wird kaum verwendet. Außerdem besteht ein Pappbecher zu fünf Prozent aus Polyethylen, die nicht gänzlich abbaubar sind und als Plastikpartikel in die Umwelt gelangen. Die Berliner Pfandbecher werden hingegen aus Bambusmehl, Maisstärke und Kunstharz hergestellt, der Deckel aus lebensmittelechtem Silikon.

Ein verbraucherfreundliches Pfandsystem gibt es in Wien also noch nicht – möchte man jedoch nicht auf ein Mehrwegsystem warten und jetzt schon auf den wiederverwendbaren Becher umsteigen, lässt sich eines empfehlen: einfach mal nachfragen. Denn vielleicht füllt ja auch das Kaffeehaus des Vertrauens den Cappuccino in den selbst mitgebrachten Becher ein.

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