Die amerikanische Moderne im Kunstforum Wien

Kaum jemand wirkte prägender auf die amerikanische Kunst als Georgia O’Keeffe. Das Kunstforum Wien bietet nun eine der raren Möglichkeiten die Werke der Amerikanerin in Europa zu sehen.

Ikone der amerikanischen Moderne, die berühmteste Künstlerin des 20. Jahrhunderts und teuerste weibliche Künstlerin überhaupt. Beschreibt man Georgia O’Keeffes Leben und Werk, reihen sich die Superlative aneinander. Das Kunstforum Wien blickt ab Morgen in einer umfassenden Retrospektive auf das Leben und Wirken der amerikanischen Künstlerin und bietet damit eine der seltenen Möglichkeiten die berühmten Werke in Europa zu sehen.

Fotocredit: Edward C. Robison III.
O’Keeffes Blumenbilder sind die Vorreiter des Pop-Art. Foto: Edward C. Robison III.

Schnelle Etablierung

Der Erfolg stellt sich für die 1887 in Wisconsin Geborene schon früh ein. Schnell schaffte sie es in der boomenden New Yorker Kunstszene der 1920er Jahre Fuß zu fassen. Mit ihrer Zeit in der amerikanischen Metropole beginnt auch die Ausstellung im Kunstforum Wien. Anhand der prägenden Lebensabschnitte der Künstlerin wird der Besucher fast chronologisch durch das Leben und Wirken der Künstlerin geleitet. Ergänzt werden die Bilder stets durch Fotographien des berühmten Künstler Ansel Adams, einem enger Freund O’Keeffes. Doch eigentlich stehen gar nicht so sehr die zeitlichen Abschnitte von O’Keeffes Leben im Vordergrund. Vielmehr prägte sie die Begegnung und Identifikation mit verschiedenen Personen und Orten. Alfred Stieglitz, ein etablierter Fotograph und Galerist, den O’Keeffe 1924 heiratete, förderte die junge Künstlerin von Beginn an. Über die zahlreichen Aktfotos, die er von ihr anfertigte, wird sie später sagen: „Es ist, als ob ich in meinem Leben viele Leben gelebt habe, mein heutiges Ich hat nichts mehr mit den Personen auf den Fotographien zu tun.“ Sie bricht auch in ihrem Schaffen bewusst mit dieser Zeit und mit einer durch ihren Mann geprägten freud’schen und sexualisierten Blick auf ihre Person und ihr Werk.

O’Keeffe als Vordenkerin

O’Keeffe gehört gleich ab dem Beginn ihrer Karriere zur Avantgarde der amerikanischen Kunstszene und ihre Werke nahmen zahlreiche grundlegende Entwicklungen der modernen Kunst vorweg. Die abstrakten Malereien der 1920er Jahre bilden das Fundament für den abstrakten Expressionismus und ihre weltberühmten und millionenfach kopierten Stillleben und Blumenbilder sind durch die fotorealistischen Close-Ups der Grundstein für Andy Warhols Pop-Art.

Gegen die politische Vereinnahmung

O’Keeffe gilt als die prototypische emanzipierte Frau ihrer Zeit und behauptet sich in einer von männlichen Künstlern dominierten Welt. „Viele Männer sagen ich sei die beste weibliche Malerin. Ich behaupte ich bin eine der besten Maler überhaupt.“ Gerade deshalb versuchten viele feministische Vordenkerinnen sie für ihre Sache zu gewinnen, Zeit ihres Lebens wehrt sie sich aber gegen eine Vereinnahmung für politische Zwecke. Vielmehr sucht und findet sie in Ausflügen nach New Mexico die Abgeschiedenheit und den Kontrast zu New York.

Fotocredit: 2016 Georgia O’Keeffe Museum
Die Landschaft New Mexicos beeindruckt O’Keeffee nachhaltig. Foto: 2016 Georgia O’Keeffe Museum

New Mexico als neuer Lebensmittelpunkt

Ein einfaches Lehmhaus im Südwesten New Mexicos wird ihre Heimat. Bis zu ihrem Tod im Jahr 1986 lebt sie dort in Abgeschiedenheit, wobei ihr ganzer Fokus nun auf der Landschaftsmalerei liegt. In einer völligen Reduktion auf Umrisse und Formen wirken die Bilder der Wüstenlandschaft New Mexicos wie eine Weiterentwicklung ihrer abstrakten Malerei aus den 1920er Jahren. Wiederum sind auch diese Werke der Beginn einer ganzen Strömung innerhalb der Kunstwelt. Die minimalistischen Entwicklungen der 1960er Jahre fußen auf O’Keeffes Interpretation der kargen Landschaft New Mexicos. Auch ihre berühmteste Bilderserie „Patio“ entsteht in der Abgeschiedenheit der amerikanischen Wüstenlandschaft. Dieses Bedürfnis nach Einsamkeit und Abgeschiedenheit steht in krassem Gegensatz zu den Superlativen des O’Keeffeschen Lebens. Vielleicht hat aber auch gerade dieser Rückzug in die Einsamkeit den Mythos rund um die amerikanische Stilikone weiter vertieft.


Georgia O’Keeffe im Kunstforum Wien

7. Dezember bis 26. März, Bank Austria Kunstforum Wien

Öffnungszeiten:

Täglich 10.00 – 19.00 Uhr
Freitags 10.00 – 21.00 Uhr

Kunstforum Wien

Ein Gedanke zu „Die amerikanische Moderne im Kunstforum Wien“

Schreibe einen Kommentar