Eine junge Frau packt gerade Gegenstände aus einem Karton aus. Das Zimmer in dem sie sich befindet, ist in einem Studentenheim.

Wohnen in Studentenheimen immer teurer

Studentenheim, Wohngemeinschaft oder doch Hotel Mama? Oft entscheidet  die Geldbörse, wo man seine Studienzeit verbringt. Mit Billigunterkünften für Studenten haben die zahlreichen neuen Wohnheime in Wien jedoch nichts mehr gemein. Auch die Mieten in Jahrzehnte alten Studentenheimen sind gestiegen.

In den vergangenen Jahren hat sich die Lage am Wiener Wohnungsmarkt verschlechtert: Die Studentenzahlen steigen. Heime werden komfortabler, aber gleichzeitig auch teurer. Um leistbare Kleinwohnungen konkurrieren Studenten nicht mehr nur mit jungen Pärchen, sondern zunehmend auch mit Asylberechtigten. Ein Viertel der Studenten hat weniger als € 730,- im Monat zur Verfügung, rund € 400,- fallen im Durchschnitt nur fürs Wohnen an. Am teuersten wohnt man in der Bundeshauptstadt Wien, so die 2015 durchgeführte Studierenden-Sozialerhebung.

Der Großteil der Studenten wohnt in privaten Unterkünften und Wohngemeinschaften. Nur jeder zehnte Student wohnt in einem der 50 Studentenheime in Wien. Die Wartelisten für die in Studentenheimen angebotenen Garçonnière, Miniappartements, Mikrolofts und Zwei-Zimmer-Penthäuser sind aber deutlich länger. Abhilfe schaffen sollen neue Wohnprojekte.  Bis 2020 entstehen in Wien rund 2.000 neue Zimmer für Studenten. Die Heime haben Fitnessraum, Swimmingpool und Concierge.

Luxus-Zimmer
„Mit den Billigstandorten von früher haben Studentenwohnheime heute nichts mehr zu tun“, beschreibt Immobilien-Experte Georg Fichtinger, in einem Interview mit der Tageszeitung Die Presse, die Lage. „In diesem sehr hochpreisigen Segment wenden sich die Betreiber vorwiegend an ausländische Studenten und Young Professionals“, definiert Forschungs- und Beratungsunternehmer Wolfgang Amann vom Institut für Immobilien, Bauen und Wohnen gegenüber dem Kurier die Zielgruppe. Das Internet erlaubt es Bauträgern und Betreibern, auch junge Leute zu erreichen, die in Österreich ein Gastsemester absolvieren.

Den Bewohnern wird in den neuen Studentenheimen  einiges geboten. Einzelzimmer mit Bad, WC, Küche und Internet gehören zum Standard. Im Preis inbegriffen sind in der Regel auch Ausstattung, Betriebskosten und Reinigungsservice. Insbesondere rund um die neue Wirtschaftsuniversität im zweiten Wiener Gemeindebezirk siedeln sich neue hochpreisige  Wohngebäude mit der Zielgruppe „StudentIn“ an.


DIE NEUEN WIENER STUDENTENHEIME IM ÜBERBLICK:

Linked Living
Nahe dem WU-Campus entstehen neue Wohnplätze für Studenten (c) Corestate Capital AG

Im Milestone beim Messegelände kostet ein 20 Quadratmeter großes Appartement € 619,- im Monat. Eine weitere Milestone-Anlage mit 350 Appartements an der gegenüberliegenden Seite bei der Trabrennbahn Krieau, steht kurz vor der Fertigstellung.

Die Akademikerhilfe eröffnete im März die Campus Studios. Direkt zwischen der U-Bahnlinie 2 und dem WU-Campus liegen die 149 Zimmer, die nicht nur Studenten ansprechen sollen. Diese kosten zwischen € 490,- und € 790,- pro Monat und sind in zwölf verschiedenen Kategorien zu haben.

LinkedLiving
Zimmer, Küche, Kabinett…für einen allein (c) Corestate Capital AG

Gleich nebenan befindet sich das studentische Wohngebäude Linked Living. Die im Herbst 2015 fertiggestellten 589 Appartements sind zwischen 19 und 70 Quadratmeter groß. Die monatlichen Kosten starten bei € 599,- und können in der gehobenen Kategorie über € 1.000,- erreichen.

In der Seestadt Aspern wohnen Studenten in einem Passivhaus. Dieses kommt aufgrund der guten Wärmedämmung ohne klassische Heizung aus. Zudem gibt es einen Badeteich, Sauna, Garten mit Obstbäumen sowie einen Partyraum. Mit € 410,- pro Monat für das Einzelzimmer-Garçonnière ist man im Greenhouse vergleichsweise günstig dabei. Weit draußen im 22. Bezirk schreckt die Entfernung zum Zentrum – trotz U-Bahn-Anbindung – Interessierte aber oft ab.

"Ferienhotel" in der Dresdnerstraße
Das Projekt in der Dresdnerstraße ähnelt einem Ferienhotel (c) Pegasus Capital Partners

Bis zum Wintersemester 2017 soll die „Studentenresidenz mit Rundumservice“ in der Dresdner Straße im 20. Bezirk bewohnbar sein. An dem 633-Zimmer-Projekt wird seit Anfang des Jahres gebaut. Auf 26.000 Quadratmeter Fläche soll das von Stonehill Holdings und Pegasus Capital Partners entwickelte Projekt, Hotelflair bieten – Ausflüge und Veranstaltungen inklusive.

Weitere 700 Studentenappartements sollen bis 2019 in der Nordbahnstraße, ebenfalls unweit der neuen Wirtschaftsuniversität dazukommen – und somit zu Österreichs größtem Studentenwohnheim werden. Das Gemeinschaftsprojekt der S+B-Gruppe und der Investa Immobiliengruppe soll 350 Appartements im „gehobenen Standard“ in einer Größe von 20 Quadratmetern umfassen.


Gebraucht-Zimmer
Die traditionellen Studentenheime aus der Nachkriegszeit und dem ersten Studienboom in den 1970er- und 1980er-Jahren entsprechen oft nur mehr sehr eingeschränkt diesen heutigen Wohnbedürfnissen. In den nächsten Jahren werde sich der Trend weiter fortsetzen, dass Studentenheime einen „Ferienheimcharakter“ besitzen, meint Stuwo-Vorstand Walter Tancsits im Standard. Seit 20 Jahren gibt es die Stuwo, insgesamt  neun Heime betreibt die Gemeinnützige Studentenwohnbau AG in Wien. Die alten Heime können mit den neuen Heimen kaum mithalten, denn auch dort steigen die Preise: Die Streichung der Förderung für Neubauten und Generalsanierungen von Studentenwohnheimen durch das Wissenschaftsministerium vor einigen Jahren trifft laut den österreichischen Heimträgern vor allem die Studenten selbst.

Den derzeit günstigsten Studentenheimplatz in Wien bietet die Wirtschaftshilfe der Arbeiterstudenten Österreichs (Wihast). Um € 225,- können im Haus an der Hainburgerstraße (3. Bezirk) nur Studentinnen schlafen. Das günstigste Zimmer für junge Männer und Frauen kostet als Garçonnière für Zwei, in der Tendlergasse bei der Medizinischen Universität, € 235,-. Das Angebot ist mit 143 Zimmern stark begrenzt.

Die Nachfrage ist groß, die Ansprüche der Studenten hoch. Dennoch können und wollen sich nicht alle jungen Menschen  Zimmer um € 500,- oder mehr leisten. Der Ausweg  ist für sie zumeist ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft. Ein neues Billigangebot   im Bereich der Studentenheime ist derzeit nämlich nicht in Sicht.

Schreibe einen Kommentar