Forscher entdecken „neues“ menschliches Organ

Die Halterung der Organe im Bauchraum, das sogenannte Gekröse, wird seit Kurzem als eigenständiges Organ eingestuft.

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In einer Zeit, in der strahlungssichere Gewächshäuser zur Gemüsezucht auf dem Mars entwickelt werden, scheint es unglaubwürdig, dass Wissenschafter ein bisher noch unentdecktes Organ im menschlichen Körper ausfindig gemacht haben wollen. Das ist es auch, denn das Gekröse, auch Mesenterium genannt, ist den Medizinern schon lange bekannt. Leonardo Da Vinci beschrieb es bereits im 15. Jahrhundert.

Es bezeichnet Bauchfell-Falten, die unsere Organe an der Bauchdecke befestigen. So beispielsweise den Darm.
Tobias Goeser, Leiter der Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie des Universitätsklinikums Köln, erklärt es folgendermaßen:

„Der Darm liegt ja nicht wie ein langer Gartenschlauch im Bauchraum, sondern er ist an einer Aufhängung befestigt. Und über diese Aufhängung laufen die Blutgefäße in den Darm rein, versorgen ihn mit Blut, und die Nährstoffe des Darmes, die der Darm aufgenommen hat, werden über die anderen Gefäße wieder zurück an den Körper geschickt. Insofern kann man das Darmgekröse als eine Mittlerfunktion zwischen dem Darm und dem Körper bezeichnen.“

Auch Nerven-, Lymphbahnen und Fettzellen sind in dem Gewebe angesiedelt. Somit ist das Gekröse ein unerlässlicher Bestandteil unseres Körpers. Aber ein eigenständiges Organ?

Organ, ja oder nein?

Calvin Coffey, Professor der Universität Limerick in Irland, ist sicher: Ja, das Gekröse ist ein eigenständiges Organ. Lange hielt sich die Vermutung, das Gekröse bestehe aus einzelnen Teilen. Coffey und sein Team veröffentlichten  ihre Studie in der Fachzeitschrift „The Lancet Gastroenterology & Hepatology“: Sie konnten nach vierjähriger Forschung bestätigen, dass das Gewebe eine zusammenhängende Struktur aufweist und eigenständige Funktionen im menschlichen Körper erfüllt. Somit gilt es, laut Definition, als Organ. Das renommierte Medizin-Lexikon „Gray’s Anatomy“ wurde bereits dementsprechend korrigiert.

Zeit für gezielte Forschung

Obwohl es für eine normale Körperfunktion wichtig ist, schenkte dem „neuen“ Organ lange niemand die Beachtung, die es laut Coffey und seinem Forschungsteam verdient.

„Wir kennen jetzt die Anatomie und die Struktur. Jetzt müssen wir die Funktionen des Organs herausfinden. Wenn wir diese verstehen, wissen wir auch, wann das Organ nicht normal arbeitet und können zum Beispiel neue Ansatzpunkte für die Diagnose und Behandlung von Darmerkrankungen entwickeln“, so Coffey.

Dafür schlägt der irische Professor einen eigenen wissenschaftlichen Zweig vor, um die genauen Funktionen und den Aufbau des Gekröses nachvollziehen zu können.
Das Organ sei der „beste Parameter, um Hinweise für Herz-Kreislauf-Erkrankungen rechtzeitig zu erkennen“, sagt Professor Stefan Schreiber vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein zur Tagesschau. Als Beispiel nennt er Diabetes, denn die Fettzellen im Gekröse seien bei der Entstehung dieser Krankheit nicht ganz unbeteiligt.

Eine gezielte Forschung in diesem Bereich könnte also dazu führen, dass wir die Fehlfunktionen dieses Organs nicht nur verstehen, sondern auch beheben könnten. Somit würde vielen, damit verbundenen Krankheiten vorgebeugt werden.

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