„Ab morgen starte ich richtig durch!“

Warum die Vorsätze, die wir uns für den vermeintlichen Neustart zum Jahreswechsel vornehmen oft scheitern

Gesündere Ernährung, mehr Sport, mehr Zeit mit der Familie verbringen. Dies sind die Top-Neujahrsvorsätze, die um den Jahreswechsel in Österreich gefasst werden. Gut ein Drittel der Österreicher fasst diese und ähnliche Vorsätze, wenn sich das alte Jahr dem Ende neigt. Von diesem Drittel formulieren rund zwei Drittel bis zu drei Vorsätze für das kommende Jahr. Etwa 30% sogar vier oder mehr. Das ergibt eine Umfrage des IMAS Instituts für Markt- und Sozialanalysen.  Dabei fällt auf, dass nur in seltenen Fällen der Beruf eine Rolle spielt. Der Top 1 Vorsatz der Deutschen ist jedes Jahr Stressabbau. In Österreich erreicht dieser Vorsatz keine hohe Ausprägung in der Befragung.

Doch nur ein Fünftel der Befragten konnten ihre Vorsätze aus dem letzten Jahr vollständig umsetzen. Warum machen wir uns die Mühe, wenn wir das Vorgenommene bald nach dem ersten Jänner wieder vergessen?

Zum Scheitern verurteilt?

Der häufigste Grund für die Nichteinhaltung der guten Vorsätze ist, dass sich viele zu hohe, unerreichbare oder auch zu viele Ziele setzen.  Zu Erinnerung: 30% der Österreicher, die Vorsätze fassen, setzen sich vier oder mehr Ziele.

Eine weitere Erklärung für das Scheitern von Neujahrsvorsätzen hat Mark Griffiths. Er ist Professor für Verhaltenssucht an der Nottingham Trent University und Leiter des Gaming Research Unit. Für seine Forschung wurde er bereits 15 Mal ausgezeichnet. In einem Artikel für die online Plattform iflscience.com für Wissenschaft und Forschung argumentiert er das häufige Scheitern von Neujahrsvorsätzen mit dem Falsche-Hoffnung-Syndrom. Dabei haben Menschen eine falsche Vorstellung der Geschwindigkeit, Ausprägung und Leichtigkeit mit der sie ihr Verhalten ändern können. Anders gesagt, wir halten viel zu große Stücke auf uns, wenn es darum geht sich in einem Bereich umzustellen, oder sein Verhalten grundlegend zu verändern. Viele Menschen brauchen einen radikalen Anstoß, eine ärztliche Diagnose, eine Schwangerschaft und Ähnliches, um zum Beispiel das Rauchen aufzugeben.

Die Taktik zum Erfolg

Griffiths formuliert auch einige Ansätze, die bei der Umsetzung der gesetzten Ziele helfen können:

Realistisch bleiben. Man sollte sich mit der Anzahl und der Ausprägung seines gesetzten Vorsatzes nicht übernehmen. Eine Hilfe kann die Aufspaltung in kleinere Etappenziele sein.

Mit anderen über die eigenen Ziele sprechen. Diese Methode macht einem selbst etwas Druck. Wenn Freunde und Familie über den Vorsatz bescheid wissen, will man selbstverständlich sein Gesicht wahren. Ein externer Ansporn seine Ziele zu erreichen.

Gemeinsame Vorsätze fassen. Durch das gemeinsame arbeiten an einem Ziel bekommt die Sache etwas spielerisches. Man versucht sich gegenseitig zu motivieren und zu übertrumpfen. Geteiltes Leid ist ja bekanntlich halbes Leid.

Changing your behaviour doesn’t have to be restricted to the start of the New Year. It can be anytime. – Mark Griffiths

Bei aller Konsequenz sollte man jedoch auch Nachsicht mit sich selbst haben. Gerade zu Beginn eines Änderungsprozesses kann es zu Fehltritten und Momenten der Schwäche kommen. Das ist menschlich und vollkommen normal. Im Gegenzug sollte man auch seine Erfolge feiern. Schließlich sollte auch der Spaß ein Aspekt der Sache bleiben. In diesem Sinne: Ein gutes Neues!

Titelbild: (c) Getty Images/iStockphoto Mark Uliasz

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