Der Life-Ball deutet die Zeichen der Zeit

„Recognize the danger“ lautet das Motto des Lifeballs 2017. Damit ist nicht nur Aids gemeint, sondern auch politische Tendenzen.

„Die Gefahren erkennen“  – zur Verkündung dieses eher ernsten Themas luden die Veranstalter des Life Balls 2017 in das Atrium des Wien Museums. Zum einen geht es natürlich darum, die Gefahren der Krankheit ernst zu nehmen, gegen die der Life Ball seit jeher kämpft. Doch auch politisch wittern die Veranstalter mit Blick auf den zunehmenden Populismus eine Gefahr, für die sie Bewusstsein schaffen wollen.

Gesellschaftskritische Plakate

Foto: Inge Prader & Markus Morianz/ Life Ball

Darauf weisen auch die Plakate hin. „Who’s to judge?“ steht auf einem der Sujets, im Hintergrund sieht der Betrachter eine Nachstellung des Werks „Todsünden“ von Otto Dix, vor einem Schwarz-Weiß-Foto des Justizpalastes. Ein roter Faden zieht sich durch alle Plakate: Sie spielen mit der Gegenüberstellung einer bunten, tanzenden Zwischenkriegsgesellschaft und der grauen, kalten Nazi-Herrschaft.

Eine zweite Zwischenkriegszeit?

Life Ball-Gründer Gery Keszler sieht aktuell tatsächlich Parallelen zur Zwischenkriegszeit. Die Zwanziger- und Dreißigerjahre seien eine explosive Zeit mit ganz unterschiedlichen Gesellschaftsauffassungen gewesen, erklärt Keszler. Es habe unglaublich viel kulturelle Kreativität gegeben. „Aber gleichzeitig wurden die Menschen durch populistische Kräfte fehlgeleitet,“ fährt er fort.

Nun will er mit seinem Team davor warnen, die Demokratie als ein gegebenes Modell hinzunehmen. Der Historiker Oliver Rathkolb sprach gegenüber der Tageszeitung  die Presse von der Notwendigkeit, eine „wehrhafte Demokratie“ zu entwickeln. Das dürfe nicht den Eliten überlassen werden, sondern sei eine Gesellschaftsaufgabe.

Die Neuerfindung des Lifeballs

Nachdem die Veranstaltung 2016 pausierte, kündigte Keszler bereits im November die Neuerfindung des Lifeballs an. Anlass dafür sei das 25-jährige Jubiläum des Events dieses Jahr. Der Gründer störte sich daran, dass es noch immer gravierende Wissensmängel im Bezug auf eine HIV-Infektion gebe. Kern des neuen Konzepts ist es daher eine klarere Sprache zu finden und noch internationaler zu werden. Dafür wurde der Trägerverein Aids Life zur Dachmarke Life Plus umstrukturiert.

Der Rahmen des Life Balls wird seit jeher dazu genutzt gesellschaftspolitisch relevanten Themen, die über die Krankheit hinausgehen, Raum zu geben. Denn der Life Ball will auch das Leben feiern: Gegen Diskriminierung, möglichst bunt und tolerant.

Die Ursprünge der Veranstaltung

Der  Ball ist die größte europäische Benefiz-Veranstaltung zugunsten HIV-infizierter und AIDS-erkrankter Menschen. Hinter dem Event steht der Verein Aids Life (seit 2017: Life Plus), den die selbst Betroffenen Gery Keszler und Torgom Petrosian 1992 gründeten.  Petrosian verstarb 1993.

Der erste Life Ball fand am 29.Mai 1993 statt im Rathaus veranstaltet. Zur Eröffnungsshow reisen stets zahlreiche Prominente als Gäste und Unterstützer an.

Titelbild: Manfred Werner

 

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