Eine kurze Geschichte der Zeit im Naturhistorischen Museum

13.8 Milliarden Jahre danach wird der Urknall in der aktuellen interaktiven Sonderausstellung „Wie alles begann: von Galaxien, Quarks und Kollisionen“ im Naturhistorischen Museum (NHM) Wien erlebbar gemacht. Wen Fragen wie: „Wie groß ist das Universum?“ und „Seit wann gibt es die Zeit“ interessieren, ist hier genau richtig. Zu sehen sind die Anfänge des Weltalls noch bis 1. Mai 2017.

„Wie alles begann: von Galaxien, Quarks und Kollisionen“ führt den Besucher 13.8 Milliarden Jahre in die Vergangenheit. In Etappen geht es zurück bis zum Urknall, jenem Zeitpunkt, der als Anfang des Universums gilt. Vorwissen wird nicht benötigt, Laien und Experten kommen gleichermaßen auf ihre Kosten. Dass die Physik hinter der Ausstellung stimmt, wird durch eine Kollaboration mit dem Institut für Hochenergiephysik (HEPHY) sichergestellt.

Von einem Dinosaurierei und diversen Kunstinstallationen mit Video-, Licht- und Soundelementen, über eine interaktive Zeitreise durch das Universum und Protonenfußball, führt die Ausstellung zum großen Highlight:  Die Lichtintervention „Der Nullpunkt von Raum & Zeit“ von Brigitte Kowanz. Sie verbildlicht den Big Bang. Vorsicht – es ist dunkel und es sind viele Spiegel involviert. Danach geht es direkt zurück in die Gegenwart, zu den Teilchenbeschleunigern und -detektoren. Besucher können sogar ein schnelles Selfie im unterirdischen Large-Hadron-Collider des CERN knipsen.

Nebel im Kosmos

„Das Universum ist die Gesamtheit von Raum, Zeit und aller Materie und Energie darin.  Für mich repräsentiert es alle Möglichkeiten, alle Geschichten und alle Geschichte“, sagt Eva Schlegel, die gemeinsam mit der Weltraumarchitektin Barbara Imhof und dem Visual Artist Damjan Minovski die Rauminstallation „Nebel im Kosmos“ kreierte. Der Installation wird im Rahmen der Ausstellung ein eigener Raum gewidmet, in dem die Ereignisse im Weltall auf eine Leinwand projiziert werden. 

Ein Modell des Hubble-Weltraumteleskops. 1990 wurde es gestartet, 2018 geht es in den verdienten Ruhestand. (c) Marlene Hausleitner

„Das Universum ist ein Ort mit unvorstellbaren raumzeitlichen Dimensionen. Kosmische Nebel sind in ständiger Veränderung, Sterne werden geboren und sterben und schwarze Löcher mit wenigen Kilometern Durchmesser ziehen durch den Raum. Das ist für mich gleichermaßen faszinierend wie schwierig vorzustellen“, sagt Barbara Imhof über ihre Intention hinter „Nebel im Kosmos“. 

Wer sich mehr Zeit für diese Erfahrung nehmen möchte, kann auf einer Besucherbank Platz nehmen, oder am 19. März um elf Uhr im NHM mit den Entwicklern über die Installation diskutieren.

Powers of Ten

Das Universum beinhaltet rund 100 Milliarden Galaxien, wie groß es genau ist, ist unbekannt. Berechnungen zufolge hat es einen Durchmesser von etwa 93 Milliarden Lichtjahren, Tendenz steigend. Diese Zahl übersteigt die Vorstellungskraft des menschlichen Gehirns – zur Veranschaulichung der Dimensionen des Universums wird daher der Kurzfilm „Powers of Ten“ von Charles und Ray Eames (1977) gezeigt.

Die Gegenwart der Physik

Auch moderne Forschungsfelder der Physik werden von der Ausstellung abgedeckt – allen voran Dunkle Materie, das berühmte Higgs Boson und Gravitationswellen.

0.000 000 0001 Sekunden nach dem Urknall entsteht Dunkle Materie. Sie ist, wie der Name schon verrät, unsichtbar und lässt sich nur indirekt nachweisen. Das CRESST – Experiment des Max-Planck-Instituts für Physik hat sich der Suche nach dieser dunklen Materie verschrieben. Ein Modell eines solchen CRESST-Detektors ist ausgestellt. Für die wirklich Interessierten: CRESST steht für „Cryogenic Rare Event Search with Superconducting Thermometers“.

Das Konzept des Higgs-Teilchens wurde von Peter Higgs und Francois Englert entwickelt. Für ihre Arbeit rund um den Higgs-Mechanismus  erhielten sie 2013 den Nobelpreis für Physik. Und wer die Entdeckung von Gravitationswellen letztes Jahr verpasst hat, bekommt in diesem Abschnitt der Ausstellung noch einen Crashkurs.

Zitat von Arthur C. Clarke, Autor von „2001: A Space Odyssey“. (c) Marlene Hausleitner

Wie endet das Universum?

Nachdem Vergangenheit und Gegenwart des Universums im Detail abgehandelt wurden, bleibt noch die Frage nach seiner Zukunft. Darüber entscheidet der Besucher. Wird es der Big Freeze, der Big Rip  oder doch eher der Big Crunch?

Öffnungszeiten:

Montag bis Donnerstag 9:00 - 18:30
Mittwoch 9:00 - 21:00

Erwachsene: 10 €
Studenten: 5 €

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(c)Titelbild: STScI, NASA

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