Gaumenfreuden mit High-Effekt

Der Genuss von Cannabis ist äußerst vielseitig – vor allem wenn er legalisiert wird. Besonders skurrile Blüten treibt die Pflanze in der Gastronomie. Vom einfachen Hanfschnitzel, bis hin zu Lamm-Kotelett mit THC-Minz-Chutney oder Parfait mit Hanfnüsschen.

Die großen Player im grünen Superfood sind Brokkoli, Spinat oder Grünkohl. Die Liste kann um einen Grünling erweitert werden: Cannabis. Man kann die Pflanze nämlich nicht nur rauchen, sondern auch essen.  Die Rede ist nicht von Hash-Brownies in Coffee-Shops, sondern von ausgeklügelten Gerichten der Sterneköche.

Gourmet-Küche mit „High-Effekt“

Der Amerikaner Chris Sayegh gehört zu den Köchen, die ihre Speisen mit dem Cannabis Wirkstoff THC versetzen. Rechtlich ist das kein Problem – er lebt in Kalifornien, wo der Konsum seit Kurzem völlig legal ist. Sayegh beschäftige sich schon lange mit der Wirkung von Cannabis auf den menschlichen Geschmackssinn.  „Es hat mich Jahre gekostet, um das perfekte Verfahren zu finden und habe viel rumprobiert“ sagt der 24-Jährige. Nun bietet er mit seinem Unternehmen „The Herbal Chefs“ THC-versetzte Pop-Up Dinner an.

„I want you to experience food, not just eat it.“

Cannabis soll Sinneseindrücke wie Geschmack, Geräusche und Berührungen intensivieren.  Sayegh benutzt das THC, um das Geschmackserlebnis seiner Gäste zu erweitern. „Ich verwende nur Sativas. Die machen einen geistig high, nicht benebelnd, sondern bewusstseinserweiternd.“ Insgesamt, so der Koch, gebe es zwei Pflanzenarten mit unterschiedlichen Rauschzuständen: Indicas wirken stark auf den Körper und machen träge. Sativa-Pflanzen hingegen seien anregend.  Mittels erhitztem Olivenöl wird das THC aus den Blüten extrahiert und als Zutat für seine Gourmet-Gerichte verwendet.

„Das ist schon weit entfernt von den üblichen Hasch-Keksen“, sagt Sayegh über seine Küche. Die Dosierung sei viel niedriger, da sich die Gäste noch auf das Essen konzentrieren sollen. Bei einem 5-Gänge Menü macht es Sinn, nicht schon beim Appetihäppchen high zu sein. Entstanden sind seine Kreationen durch Experimente am eigenen Leib, so der Koch. „Wenn ich meine Menüs plane, konsumiere ich auch Sativas.“ Es entstanden unter anderem Gnocchi mit Erbsen-Cannabis-Infusion oder Strip Steak mit Pastinaken-Püree, garniert mit THC.

Hanfige Erlebnistour

Und in Österreich? „Hanfige Eigenkreationen“ findet man auch auf der Speisekarte des Hanfthal-Hofes in Niederösterreich. Hanfbratwürstel mit Hanfbier oder gefüllte Hanftaler werden dort  aufgetischt.  Das Restaurant der Familie Wagners gehört zu einer  600-Seelen Gemeinde namens Hanfthal. Mit dem Anbau von Hanfpflanzen, wurde der Ort zu einer kleinen Touristenattraktion. In Österreich ist diese Sorte legal, da sie weitestgehend vom Wirkstoff THC befreit ist. Einen Rauschzustand wird man von Hanfpralinen also nicht bekommen, allerhöchstens wenn man Hanfbier trinkt. In der Gemeinde wird das Gewächs auch zu Brotaufstrichen, Tee oder Kosmetikprodukten verarbeitet und in mehreren Reformhäusern (ja, auch in Wien) verkauft.

Cannabis auf Rezept

Cannabis wird aber nicht nur auf dem Teller serviert oder ins Gesicht geschmiert, sondern auch für medizinische Zwecke benutzt.  Ab März 2017 können schwerkranke Menschen in Deutschland künftig auf Kassenkosten Cannabis als Medizin erhalten. In Österreich sind die Medikamente nur auf Basis von synthetischen Cannabis-Extrakt erlaubt. Bis dahin muss man sich hier wohl mit der kulinarischen, rauschfreien Rezeptur begnügen.

Schreibe einen Kommentar