Die E-Zigarette: Dampfen statt Rauchen

Die E-Zigarette erfreut seit ihrer Erfindung im Jahr 2003 durch den Chinesen Hon Lik zunehmender Beliebtheit. Schätzungen zufolge verwenden 250.000 Menschen in Österreich die E-Zigarette regelmäßig, Tendenz steigend. Während Kritiker auf ihr Potential als Einstiegsdroge verweisen, schwören Befürworter auf ihre deutlich geringere Schädlichkeit im Vergleich zur herkömmlichen Zigarette. Ein Faktencheck.

Mittlerweile ist das Angebot an E-Zigaretten dermaßen explodiert, dass man leicht den Überblick verlieren kann. Es gibt sie in allen erdenklichen Farben und Größen. Die Auswahl an Geschmacksrichtungen ist ebenfalls so groß wie nie zuvor. Grundsätzlich gilt: Was man essen kann, kann man auch dampfen. Von Apfelkuchen, über Fruchtmischungen bis hinzu Pizza und Döner gibt es so ziemlich alles. Alle Geräte funktionieren nach demselben Prinzip: Über einen elektrisch beheizten Draht wird eine Flüssigkeit, das sogenannte Liquid, verdampft und eingeatmet. Im Gegensatz zur Zigarette findet dabei kein Verbrennungsprozess statt. In den Liquids ist Propylenglycol, Glycerin, Aroma sowie wahlweise Nikotin enthalten. Die ersten drei Stoffe finden ebenfalls in der Lebensmittel- und Kosmetikindustrie Verwendung.

95 Prozent weniger schädlich als Tabakrauchen

Laut einer Schätzung des britischen Gesundheitsministeriums ist der Konsum von E-Zigaretten um ca. 95 Prozent weniger schädlich als das Rauchen von herkömmlichem Tabak.  Von den über 3800 chemischen Verbindungen im Tabakrauch sind mindestens 400 giftig. Unter den 40 in jedem Fall krebserregenden Stoffen befinden sich unter anderem Teer, Nitrosamine und das radioaktive Polonium. Das alles fällt bei der E-Zigarette weg. Die in den Liquids enthaltenen Stoffe Propylenglykol, Glycerin und Aroma gelten zumindest bei oraler Einnahme als unbedenklich. Langzeitstudien zu ihrer Wirkung bei Inhalation sind noch ausstehend.

In einer Untersuchung der Portland University konnte das womöglich krebserregende Formaldehyd, das auch in Tabakrauch enthalten  ist, für E-Zigaretten nachgewiesen werden. Dabei wurde das Gerät jedoch über die vorgesehene Betriebstemperatur hinaus erhitzt. Der Suchtforscher Peter Hayek beschreibt die Ergebnisse folgendermaßen: „Wenn ein Hähnchen verbrannt wird, entsteht eine schwarze Kruste, die natürlich krebserregende Stoffe enthalten kann. Niemand würde jedoch behaupten, dass Hühner krebserregend sind.“

Nikotin genauso schädlich wie Koffein

Noch vor ein paar Jahrzehnten glaubte man, dass Nikotin gravierende Schäden im Körper anrichten würde. Diese Annahme scheint sich bis heute hartnäckig in den Köpfen der Menschen zu halten. Tatsächlich ist Nikotin in geringen Mengen nicht giftig und nach jetzigem Forschungsstand unabhängig von der Dosierung auch nicht krebserregend. Eine Überdosierung, die von E-Zigaretten- bzw. Tabakkonsum nicht zu erwarten ist, kann hingegen tödlich enden. Der für seine stimulierende sowie entspannende Wirkung bekannte Stoff wurde unlängst in einer Studie der britischen Royal Society of Public Health hinsichtlich seiner Schädlichkeit mit Koffein verglichen.

Bekanntlichermaßen birgt Nikotin ein Abhängigkeitspotential. Im Gegensatz zu Liquids für E-Zigaretten wird dieses beim Rauchen durch die Wechselwirkung mit anderen Substanzen jedoch beträchtlich verstärkt. Deshalb gelingt es 97 Prozent der Raucher nicht, langfristig und ohne Hilfsmittel vom Rauchen loszukommen. Jährlich fordert der Tabakkonsum weltweit 5,4 Millionen Tote. Die E-Zigarette kann Abhilfe schaffen.

E-Zigarette ist Ausstieg und nicht Einstieg

Von Kritikern wird die Besorgnis geäußert, dass E-Zigaretten besonders Jugendliche zum Konsum von Tabakprodukten verführen könnten. Bisherige Studien zeigen jedoch deutlich, dass E-Zigaretten von Nichtrauchern selten probiert und fast gar nicht dauerhaft verwendet werden. Die meisten „Dampfer“ sind gleichzeitig Raucher bzw. ehemalige Raucher. Laut Studien konnte der Tabakkonsum von Rauchern unter gleichzeitiger Verwendung der E-Zigarette um über 50 Prozent gesenkt werden. Außerdem wird die Chance auf eine dauerhafte Raucherentwöhnung von 4 auf 9 Prozent mehr als verdoppelt. Nikotinersatzpräparate hingegen zeigen in dieser Hinsicht keine Wirkung, wie eine Studie aus dem Jahr 2012 belegt.

 

Schreibe einen Kommentar