WG Zimmer für Flüchtlinge

Mitbewohner gesucht? Die Plattform Flüchtlinge Willkommen vermittelt seit 2015 zwischen privaten Mietern oder Eigentümern und Flüchtlingen.  Asylwerber und anerkannte Flüchtlinge, die sonst nur schwer am privaten Wohnungsmarkt eine Chance haben, finden Platz in Studenten WGs, bei Familien oder bei Pensionisten. Die Nachfrage nach Wohnraum ist ungebrochen hoch.

Warum können Flüchtlinge nicht einfach in WGs wohnen? Diese Frage stellten sich die Initiatoren des Projekts „Flüchtlinge Willkommen Österreich“. Nach dem Vorbild eines Konzepts des Berliner Vereins Mensch Mensch Mensch e.V. begann im Jänner 2015 eine Gruppe Freiwilliger die Idee in die Wirklichkeit umzusetzen. Über ihre Plattform können Privatpersonen Wohnraum für Schutzsuchende zu Verfügung stellen. Das Angebot richtet sich an Asylwerber, Asylberechtigte und alle Menschen mit oder ohne gültigen Aufenthaltstitel. Seit Beginn der Initiative haben bereits 366 Flüchtlinge ein neues Zuhause gefunden.

Wer Wohnraum anzubieten hat kann sich auf der Homepage des Projekts registrieren. Das Team von Flüchtlinge Willkommen stellt den Kontakt her zu Menschen die einen Wohnplatz suchen. Wenn nach einem Kennenlerntreffen alle zufrieden sind kann der Einzug auch schon stattfinden. Finanziell können die Vorraussetzungen unterschiedlich sein. Asylwerber leben von 350 Euro Grundversorgung im Monat und können deshalb nur einen kleinen Teil zur Miete beitragen. Asylberechtigte können aufgrund der Mindestsicherung von 837 Euro die sie bekommen bereits einen größeren Anteil zur Miete beisteuern, sodass für die Gastgeber kein finanzieller Mehraufwand entsteht.

Flüchtlinge leben gemeinsam mit Studentinnen

Während des Asylverfahrens haben Schutzsuchende zwar einen rechtlichen Anspruch auf Grundversorgung, in den Flüchtlingsquartieren gibt es jedoch keinen Anspruch auf Privatsphäre. Menschen leben in Mehrbettzimmer für zehn Personen. Da Asylverfahren nicht selten zwei Jahre oder länger dauern wird die Situation für Viele zur Farce. „Keine Privatsphäre, nicht einmal selbst kochen kann man. Ich hätte es nicht länger ausgehalten.“, sagt Mahmud. Der junge Iraker lebt heute mit zwei gleichaltrigen Studenten in einer WG. „Wir hatten ein Zimmer günstig anzubieten und ihm war damit geholfen. Mittlerweile sind wir richtig gut Freunde.“, erklärt Franz, Mahmuds neuer Mitbewohner.

Für viele Asylberechtigte ist das Angebot von „Flüchtlinge Willkommen Österreich“ die letzte Chance. Nachdem sie ihr Asylverfahren positiv abgeschlossen haben dürfen Flüchtlinge maximal vier Monate im Grundversorgungsquartier bleiben. Am privaten Wohnungsmarkt ist es ohne Arbeit nur schwer möglich einen Mietvertrag abzuschließen. Weil die Mindestsicherung im Ernstfall nicht pfändbar ist, vermietet kaum ein Eigentümer an Bezieher. Außerdem sind Asylberechtigte von den Angeboten der Wiener Wohnungslosenhilfe ausgeschlossen. Was dann noch bleibt ist die Straße, für Männer genauso wie für Frauen und Kinder.

Bewusst wirbt „Flüchtlinge Willkommen Österreich“ auch dafür illegalisierten Menschen eine Unterkunft zu geben. Sie haben aufgrund ihrer rechtlichen Situation besonders wenige Möglichkeiten ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Da sie keinen Anspruch auf Sozialleistungen haben und keinen Zugang zum Arbeitsmarkt, sind sie meist dazu verurteilt ihr Leben in einem Flüchtlingsheim zu verbringen.

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