Eine „Wilde Maus“ geht in österreichischen Kinosälen um

52.332 Menschen zog der Film am ersten Wochenende nach der Österreich-Premiere in die Kinos. Josef Haders Regiedebüt „Wilde Maus“ konnte demnach den erfolgreichsten Kinostart eines österreichischen Films seit 15 Jahren verzeichnen.

Die komisch-tragische Geschichte rund um den gescheiterten Musikkritiker Georg (Josef Hader) und seine Frau Johanna (Pia Hierzegger) füllt zurzeit die österreichischen Kinosäle. Premiere feierte der Film am neunten Februar auf der Berlinale, ohne jedoch einen Bären abzuräumen – in Österreich ist er seit dem 17. Februar zu sehen. Josef Hader spielt dabei nicht nur die Hauptrolle, sondern hat zum ersten Mal auch die Regie übernommen. Dieser Entschluss sei ihm nicht leichtgefallen, sagt Hader, im Endeffekt habe er sich aber doch niemand anderen als sich selbst  in der Hauptrolle vorstellen können.

© Veronika Felder

Ein Journalist in der Lebenskrise

Der nicht mehr ganz so junge Georg arbeitet als Musikkritiker bei einer Wiener Zeitung, Drehsetting: Österreich-Redaktion. Da er noch über einen alten Vertrag verfügt, und somit weit mehr verdient als seine jungen Kollegen, wird ihm gekündigt. Georg verliert daraufhin den Boden unter den Füßen, belügt seine Frau, die Miniatur-Eisenbahn am Prater wird zu seinem alltäglichen Fluchtort, der Lokführer Erich (Georg Friedrich) zu seinem besten Kumpel. Der unterstützt ihn auch bei seinem Rachefeldzug gegen seinen Ex-Chef (Jörg Hartmann) und gemeinsam übernehmen sie die Inbetriebnahme der „Wilden Maus“, eine Achterbahn am Prater. Seine jüngere Frau ahnt von alldem nichts, schlägt sich aber selbst mit allen möglichen Problemen herum: der vergebliche Versuch schwanger zu werden und Georgs geringes Interesse daran bringt sie dazu sich nach anderen Männern umzuschauen, wobei sie in einige Fettnäpfchen tritt.

Experiment Regieführung

Mit dem Handwerk der Regieführung beschäftigte sich Hader bereits während seiner letzten Drehs, wo er sich von Wolfgang Murnberger heimlich und leise in die Kunst der Inszenierung einführen ließ und sich näher mit Schnitt und Ton auseinandersetzte. An seiner Regie-Leistung hat Hader dementsprechend wenig auszusetzen: „Mit der Kameraführung und der Besetzung bin ich vollends zufrieden, manche Szenen hätte ich allerdings gerne noch einmal auf andere Art und Weise aufgelöst, andere Temperaturen ausprobiert.“ Und damit spielt er nicht nur auf die Szenen in den Kärntner Bergen an, wo er sich zusammen mit Whisky und Schlaftabletten im Schnee eingräbt.

Auch die Spontaneität kam im Produktionsprozess nicht zu kurz. So wurde das Auto, in welchem Georg eine verschneite Nacht in den Bergen verbringt, tatsächlich über Nacht eingeschneit – ohne Hader im Auto, versteht sich. Dass es sich schließlich um einen halben Meter Schnee handelte, anstatt wie geplant um ein paar Zentimeter führte lediglich zu ein paar improvisierten Szenen.

Josef Hader nach der Filmvorführung im Votivkino © Veronika Felder

Die Wilde Maus

Die heruntergekommene Achterbahn am Prater also, ist die wilde Maus. Dass der Drehort eine altväterische Attraktion sein musste, davon war Hader überzeugt. Die Achterbahn wurde schließlich ausgewählt, da sie gute Bilder bot – dass sie auch für die Namensgebung herhalten würde, wurde erst am Schluss entschieden. Der Prater als „Insel in der Stadt“ schien Hader als Ort der Realitätsflucht ideal. „Georg muss ja irgendwo hingehen, in der Zeit in der er angeblich arbeitet. Der Prater stellt dabei mit der ungewohnten Tonkulisse, und den ungewöhnlichen Bildern eine Art Gegenwelt zum Redaktionsalltag dar.“

Das Regiedebüt hat Hader also hinter sich, ob er damit auch weitermachen wird? Er sagt ja, Pläne für ein neues Projekt gibt es jedoch noch nicht.

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