Alfons Schilling: Beyond Photography

Alfons Schilling, Pionier des Wiener Aktionismus und bekannt für seine fotografischen Werke, war fasziniert von der menschlichen Wahrnehmung. Erstmals in Wien verlässt nun eine Ausstellung in der Galerie WestLicht die Grenzen seiner Fotografie und thematisiert Schillings Kritik der Wahrnehmung und seinen Versuch, das Sehen an sich zu entfesseln. Bis 14. Mai 2017 können Interessierte die Ausstellung  noch besuchen.

„It’s not what’s on the picture – it’s what is behind it“

 Alfons Schilling (1934-2013) beschränkte sein künstlerisches Schaffen nicht auf die bloße Fotografie – er selbst verstand sich nie als Fotograf. Die Galerie WestLicht versucht, diesem Selbstverständnis in der Ausstellung „Beyond Photgraphy“gerecht zu werden. Der Fokus der Ausstellung liegt auf der erweiterten Fotografie Schillings und zeigt sie im Kontext seiner Malerei und filmischen Experimenten. Ausgewählte Sehmaschinen, von Schilling selbst entwickelt, um die Mechanismen der Wahrnehmung durch ihre Durcheinanderbringung zu verstehen, sind ausgestellt und können teilweise selbst ausprobiert werden.

„Bezeichnend bei Schilling ist sicher, dass sich der „rebellische Forschergeist“ durch sämtliche Schaffensphasen des Künstlers zog und somit auch die erweiterten fotografischen Arbeiten kennzeichnet, die wir derzeit im WestLicht präsentieren. Der Begriff ‚Denormieren‘, den die Ausstellung als eine Art Subtext zeigt, ist in diesem Sinne programmatisch zu verstehen. Er war ein Künstler und Innovator, der unsere Wahrnehmung permanent hinterfragte und so auch den Bildbegriff weit über traditionelle Vorstellungen hinaus erweiterte“, sagt Rebekka Reuter, Chefkuratorin der Ausstellung.

Sehmaschine, New York
(C) Nachlass Alfons Schilling

In Bewegung setzen, in Bewegung sein

Bewegung ist ein zentraler Bestandteil im Schaffen Alfons Schillings. Exemplarisch hierfür sind die Kippbilder seiner Linsenrasterfotografie, deren Ebenen der Betrachter nur erfassen kann, wenn er vor dem Bild in Bewegung bleibt. Als Einfluss dienten ihm dafür die Bewegungsstudien von Eadweard Muybridge aus dem 19. Jahrhundert.

Chicago 1969, Linsenrasterfotografie
(C) Nachlass Alfons Schilling

„Spannend etwa bei den Linsenrasterfotografien ist der interaktive Aspekt: Erst durch die Bewegung der BetrachterIn wird das Bild im Akt des Schauens animiert und als Werk entfaltet – in einer von diversen möglichen Varianten der Anschauung und Perspektive“, erklärt Rebekka Reuter.

 Die Wahrnehmung austricksen

 Es war die Intention Schillings, die menschliche Rezeption und ihre Hilfsmittel kritisch zu hinterfragen und das Verhältnis von Bild, Betrachtung, Raum und Bewegung zu untersuchen. Seine Überlegungen zu den Mechanismen des menschlichen Sehens führten ihn richtigerweise auf das Gehirn als dafür wesentliches Organ zurück. In seinen „Brainscapes“ stellt er Motive so dar, wie die Augen sie an das Gehirn senden – auf den Kopf gestellt.

Eintrittskarte für „Beyond Photography“
(C) Marlene Hausleitner

 Virtual Reality

 Alfons Schilling war seiner Zeit in vielerlei Hinsicht voraus. Er selbst experimentierte bereits in den 1970er Jahren im Rahmen seiner stereofotografischen Arbeiten und Hologrammen mit dreidimensionalen Bildräumen, rund zwanzig Jahre vor der Präsentation des ersten Virtual Reality Helms. Die Entwicklung einer Virtual Reality war für Alfons Schilling nur der nächste logische Schritt in der Evolution des menschlichen Sehens. Drei seiner Hologramme sind ausgestellt.

Bewegte Biografie

 Alfons Schilling wurde 1934 in Basel geboren. Während seines Studiums an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien lernte er Günter Brus kennen. Gemeinsam bereiteten sie den Aktionismus vor. Nach einem Aufenthalt in Mallorca zog Alfons Schilling 1962 nach Paris. Von dort übersiedelte er nach New York, wo er Studios anderer Künstler wie Sam Francis und Alex Katz renovierte. 1986 kehrte er nach Wien zurück, wo er bis 1990 eine Gastprofessur an der Universität für angewandte Kunst innehatte. Sein Atelier betrieb er in der Kaiserstraße, unweit der Galerie WestLicht. Nach schwerem Parkinsonleiden, das ihm Teile seiner Sehkraft raubte, verstarb Alfons Schilling 2013 in Wien.

Öffnungszeiten:

Di, Mi, Fr: 14-19 Uhr

Do: 14-21 Uhr

Sa, So, Feiertag: 11-19 Uhr

Eintritt Studenten: 4 € 

 

Titelbild: KÜNSTLER IM FOKUS #2, Alfons Schilling. Sehmaschinen 007. (C) Wolfgang Woessner/MAK

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