Das bessere Leben

Mit der Hoffnung auf ein besseres Leben machen sich viele Menschen auf nach Europa. Was dieses bessere Leben sein soll, und welche Konsequenzen die Sehnsucht nach dem selbigen hat, behandelt die aktuelle Ausstellung im Künstlerhaus Wien.

Bei der Vernissage am 23. Februar ist im Künstlerhaus der junge Künstler Thaer Maarouf anwesend.  Während die Kuratoren und offiziellen Stimmen des Kunsthauses die obligatorischen Eröffnungsreden halten, steht Maarouf still und zurückhaltend im Hintergrund. Wenige Tage zuvor wurde der syrische Maler auf offener Straße attackiert, von einem Mann, der ihn für einen Terroristen hielt. Auch er war 2015 nach Österreich geflüchtet, um hier einen „ruhigen Ort, voll mit Kultur“ zu finden.

Thaer Maarouf, The Matress, 2016, Acryl und Mischtechnik auf Matratze

Sein Bild hängt gleich am Anfang der Ausstellung und zeigt einen Mann, der auf einer Matratze liegt und von einem besseren Leben träumt, während er weiterhin von den Erinnerungen an den Krieg geplagt wird. Ob er Thaer dieses bessere Leben nun in Österreich gefunden hat, bleibt offen.

„Thaer wir wünschen dir, dass du deinen Traum vom besseren Leben hier weiter träumen kannst“, wendet sich Maria Christine Holter in ihrer Rede direkt an den Künstler.

Der Wunsch nach einem anderen, optimierteren Leben, und der damit verbundenen Problematiken prägt diese Ausstellung. Viele der Künstler teilen in ihren Biografien Erlebnisse von Heimatverlust und Migration.  Doch: Wieso verlassen Menschen ihre Heimat? Nach welchem Glück streben sie? Wird das bessere Leben nicht unsichtbar, sobald man es erreicht hat?  Und ist die mitteleuropäische Kultur als Ziel eines besseren Lebens überhaupt berechtigt?

Die Installation „Boat People“ von Margret Kohler Heilingsetzer (siehe Beitragsbild) sticht als erstes Werk bei Betreten des weitläufigen Ausstellungsraumes sofort ins Auge. Sie ist provokativ und dezidiert, hier bleibt kein Zweifel, was uns dieses Kunstwerk sagen soll. Menschen sterben im Mittelmeer und wegschauen geht nicht mehr.

Die Videoinstallation von Bengü Karaduman ist auf eine subtilere Art erschreckend. Die Arbeit mit dem Titel „Das Permanente Temporäre“ zeigt in einem dunklen Raum eine nüchterne Auflistung von Flüchtlingslagern, die in scheinbarer Endlosigkeit auf den Zuschauer in der dunklen Videokammer hereinprasseln.

In welchem Verhältnis nun die Kunst und die Kunstschaffenden zu diesen weltpolitischen Dynamiken steht, und was die Kunst zur Beantwortung jener Fragen beitragen kann beschreibt Gertraude Pohl auf einem ihrer Texte auf Tüten:

Getraude Pohl, Texte auf Tüten, 2007-2016, Installation, Handsiebdruck auf Papierkreuzbodensack

Im Falle dieser Ausstellung kann die Kunst vor allem eines: Aufrütteln, Verfremden und die nüchterne Frage stellen, was denn dieses bessere Leben überhaupt sein soll, und wie es sich, wenn man an Thaer Maarouf denkt, dann im Endeffekt gestaltet.

Besucher erwartet hier eine hoch politische, kritische Ausstellung, die sich mit den zentralen Fragestellungen nach der Qualität von Leben und aktuellen Migrationsdebatten auseinandersetzt.

Die Ausstellung "Das bessere Leben" findet in einem größere Projektrahmen statt, in dem auch Vorträge, Diskussionen und Workshops eingebettet sind, die Begegnungen ermöglichen sollen. Das detaillierte Rahmenprogramm zur Ausstellung findet sich hier. 


24. Februar bis 20. Mai 2017, Künstlerhaus 1050   Stolberggasse 26  1050 Wien Mo-Fr 14-18, 
Do 14-21, Sa 11-18 Uhr, So und Feiertag geschlossen

Videocredits: (Bengü Karaduman, Das Permanente Temporäre, 2017, Full HD Videonanimation, s/w, Sound, 37:43 min)
Beitragsbild: Margret Kohler-Heilingsetzer, Boatpeople, 2016/17, Work in Progress, Unbemalte Terrakottaköpfe , Zeitungscollagen auf Holzschiff

Alle Fotos/Aufnahmen der Werke von Lena Hemetsberger

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