Wer hat Angst vor schwulem Blut?

Homosexuelle Männer sind in Österreich aufgrund ihrer sexuellen Orientierung von der Blutspende ausgeschlossen. Die Grünen sehen darin Diskriminierung und haben einen Antrag gestellt, der dies nun ändern soll.

In Österreich werden 95 % aller Blutspenden vom Roten Kreuz abgewickelt. Dafür infrage kommende SpenderInnen müssen vor jeder Blutspende einen Fragebogen ausfüllen, in welchem folgende Frage gestellt wird: „Hatten Sie als Mann Sex mit einem anderen Mann?“. Wird diese Frage mit ‚Ja‘ beantwortet, so bedeutet dies einen automatischen Ausschluss von der Blutspende. Dabei spielt es keine Rolle, ob man sich in einer monogamen Beziehung befindet oder Single ist, geschützten Geschlechtsverkehr praktiziert oder nicht: homosexuelle Männer werden automatisch als Risikogruppe eingestuft, unabhängig vom Vorliegen eines Risikoverhaltens.

Quelle: https://andersrum.gruene.at/

Den Grünen reicht’s
Ausgerechnet am Welt AIDS Tag stellte Ewa Dziedzic, Bundesrätin der Grünen, daher eine Anfrage an das Parlament, in der sie das Rote Kreuz und die Österreichische Bundesregierung auffordert, homosexuelle Männer nicht weiter von der Blutspende auszuschließen.
„In den zurückliegenden Jahren haben wir immer wieder die Forderung erhoben, das Blutspendeverbot aufzuheben, weil es ums Risikoverhalten geht und nicht um die sexuelle Orientierung“, so Peter Kraus von den Grünen Andersrum. Doch bisher ohne Erfolg. Bereits 2015 stellten die Grünen einen ähnlichen Antrag, der jedoch von den Regierungsparteien abgelehnt wurde. Und das, obwohl der Europäische Gerichtshof bereits 2013 entschieden hat, dass ein Ausschluss einer Risikogruppe lediglich aufgrund der sexuellen Orientierung eine Diskriminierung darstellt.

Die Volksanwaltschaft betonte darüber hinaus, dass ein Ausschluss von homosexuellen Männern nur dann verständlich wäre, wenn es entsprechende Studien gäbe, diese gibt es jedoch nicht.
Marco Schreuder, ehemaliger Sprecher der Grünen Andersrum: „Damit wird eine ganze Bevölkerungsgruppe als Risikogruppe stigmatisiert. HIV/AIDS ist längst keine ‚reine Schwulenkrankheit‘, wie es in früheren Jahren bezeichnet wurde.“
Unverständlich sei die Handhabung des Roten Kreuzes vor allem auch deshalb, da mittlerweile 40 % aller HIV-Neuinfektionen bei heterosexuellen Sexualkontakten entstehen würden.

Quelle: roteskreuz.at

HIV-Tests einst und jetzt
Ein wichtiger Begriff, der in diesem Kontext immer wieder vorkommt, ist das Diagnostische Fenster. Konnte HIV früher erst zwölf Wochen nach einer erfolgten Ansteckung im Blut nachgewiesen werden, so hat der seit einigen Jahren übliche PCR-Test dieses Zeitfenster auf neun bis zehn Tage reduziert. Das Rote Kreuz testet alle Blutspenden sowohl auf Antikörper als auch mit dem PCR-Verfahren, bevor das Blut zur Spende freigegeben wird.
„Da dieses Restrisiko von neun bis zehn Tagen jedoch nicht eliminiert werden kann, ist der Fragebogen inklusive etwaigem Risikoverhalten immens wichtig“, so Maria Kral-Glanzer vom Roten Kreuz.

In Österreich werden jährlich 400.000 Blut-Transfusionen durchgeführt. Doch diese sind nicht ausreichend, wie das Rote Kreuz in regelmäßigen Abständen beklagt. Vor allem in der Ferienzeit gäbe es einen Engpass an Blutkonserven.

HIV durch infizierte Blutkonserve
„Es stimmt leider schon, dass einige Menschen die Blutspende nutzen, um sich den Gang zum Arzt zu ersparen. Die Wahrscheinlichkeit durch eine Blutkonserve eine HIV-Infektion zu bekommen, liegt in Österreich bei geschätzten 1:2 Millionen und könnte somit rein statistisch gesehen alle 7-8 Jahre vorkommen. Das letzte Mal geschehen im Jahre 2013.“, so Birgit Leichsenring von der AIDS Hilfe Wien.

Quelle: APA (Foto: Barbara Gindl)

Damals wurde eine Patientin mit einer verseuchten Blutkonserve des Roten Kreuzes mit dem HI-Virus infiziert wird. Dabei handelte es sich um den zweiten Fall beim Roten Kreuz innerhalb von 15 Jahren, der letzte ereignete sich 1998.
Dazwischen kam es 2007 zu einem weiteren Fall einer anderen österreichischen Blutspende-Organisation, in dem ein Patient aufgrund einer Bluttransfusion mit HIV infiziert wurde. Ob es sich bei den Infizierungen 1998, 2007 und 2013 um das Blut homosexueller Männer handelte, ist offiziell nicht bekannt.

Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO sind 37 Millionen Menschen weltweit von der Krankheit betroffen, wovon jedoch nur etwa die Hälfte ihren Immunstatus kennt und somit ein großes Risiko für die Verbreitung von AIDS darstellt.

Quelle: http://www.nordkurier.de

Andere Länder, andere Sitten
In Spanien, Polen, Portugal, Lettland und Bulgarien werden homo-. bi- und heterosexuelle Männer bei der Blutspende völlig gleich behandelt. In diesen Ländern wird nur das individuelle Risikoverhalten der SpenderInnen abgefragt, nicht aber die sexuelle Orientierung.
In den USA, Australien, Frankreich, Großbritannien, Japan und den Niederlanden dürfen homosexuelle Männer wiederum nur dann Blut spenden, wenn sie seit mindestens einem Jahr keinen gleichgeschlechtlichen Sex gehabt haben. In der Schweiz soll diese Regelung 2017 in Kraft treten.

Quelle: Getty Images

Was die Zukunft bringt
Über den eingereichten Antrag der Grünen ist bis jetzt noch nicht abgestimmt und entschieden worden. Danach wird sich zeigen, ob Österreich als siebentes der insgesamt 28 Länder der Europäischen Union die Diskriminierung homosexueller Männer bei der Blutspende aufhebt oder nicht.

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