Selbstportrait Schiele

Nackt, deformiert und spirituell? Egon Schiele Ausstellung in der Albertina

Anlässlich seines 100. Todestags würdigt die Albertina Egon Schiele in einer umfassenden Ausstellung. Gezeigt werden nicht nur die Werke aus der eigenen Sammlung des Hauses, sondern auch Leihgaben nationaler und internationaler Museen.

Egon Schieles Kunst polarisiert – heute genauso wie vor 100 Jahren. Dessen ist sich Klaus Schröder, Direktor der Albertina und Kurator der Ausstellung bewusst. Gezeigt werden insgesamt 160 Werke Schieles, 20 davon wurden zu diesem Zweck aus anderen Museen oder Sammlungen entlehnt. Von 22.2.2017 – 18.6.2017 wird nun versucht die Werke des Künstlers auf eine Weise zu inszenieren, die eine neue Leseart erlaubt.

Geschundene, erotische Gestalten

Egon Schiele ist vor allem für seine Aktzeichnungen bekannt. Als Motiv wählte der Expressionist und Mitbegründer der Wiener Moderne, neben sich selbst, oft Frauen und Kinder. Sein Umgang mit dem menschlichen Körper ist es, was seine Aktdarstellungen so besonders macht. Denn Schiele war kein Freund von stimmigen Proportionen und naturgetreuer Farbwahl.

Selbstportrait Schiele 2 - Foto: Albertina
Foto: Albertina

Er zeichnete oft ausgemergelte, deformierte Körper, die entweder in aschfahlen, oder komplett schrillen Farben gehaltenen wurden – oder beidem zugleich. Immer wieder verlieren sich Linien, die den Ansatz eines Unterarms darstellen, im Nichts.

Diese Unvollständigkeit und Deformation bildet ein komplettes Gegenstück zur damals (und heute) gängigen Vorstellung von Ästhetik. Und doch sind Schieles Werke immens ausdrucksstark und erotisch, auf ihre eigene, irritierende Weise. „Es sind sozusagen geschundene Gestalten, aber gleichzeitig sehr erotische Gestalten und diese Kombination ist seltsam und eigenartig und ganz besonders.“, sagt die österreichische Künstlerin Xenia Hausner zum ORF.

Nackt und gesellschaftskritisch

Egon Schieles avancierte mit seiner künstlerischen Darstellung von Körpern zum „enfant terrible“ der klassischen Moderne. Seine Aktzeichnungen, vor allem jene, für die minderjährige Jungen und Mädchen Modell standen, stießen teils auf große Empörung in der Bevölkerung des frühen 20. Jahrhunderts. Pädophilie-Vorwürfe wurden laut, die dem Künstler sogar eine dreiwöchige Gefängnisstrafe einbrachten. Schiele wurde frei gesprochen, doch der Vorwurf hält sich selbst noch 100 Jahre nach seinem Ableben.

Mädchen Akt
Foto: Albertina

Klaus Schröder versucht den Ruf des Künstlers, durch seine Inszenierung der Ausstellung, um eine Facette zu erweitern. Er präsentiert Egon Schiele als Anhänger des Heiligen Franziskus und will so dessen spirituelle Seite betonen. In Anlehnung an den Heiligen, der den Armen „sein letztes Hemd gab“, kann die Nacktheit in vielen von Schieles Arbeiten nicht nur mit Erotik verbunden, sondern auch als Mahnung gegen weltlichen Luxus gelesen werden. Zumindest nach Schröders Interpretation.

Skeptiker sind, wie alle anderen, eingeladen sich selbst ein Bild davon zu machen. Die Ausstellung kann bis zum 18. Juni 2017 täglich von täglich 10:00 bis 18:00 Uhr und mittwochs von 10:00 bis 21:00 Uhr besucht werden.

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