V wie Egon Schiele: Die große Werkschau des Wiener Künstlers

Nach 12 Jahren steht die Wiener Albertina wieder ganz im Zeichen von Egon Schiele. Der Anlass: ein vorgezogener Auftakt zum Gedenkjahr 2018 des Wiener Künstlers. Zu sehen gibt es seine Werke von 22. Februar bis 18. Juni 2017.

Ein Repertoire aus 160 Stücken unterschiedlichster Epochen führen in der Wiener Albertina in das künstlerische Dasein Egon Schieles ein. Wesentlicher Bestandteil der Ausstellung ist die intime Begegnung mit Schieles portraithafte Skizzen und Aktzeichnungen:  Expressionistische und zum Teil voyeuristische Abbildungen Schieles Schwester aber auch die seiner großen Muse und Liebschaft Walburga „Wally“ Neuziel . Sie sind für die Jahrhundertwende radikale Kunstelemente und vor allen Dingen ungewöhnlich für das spießbürgerliches Milieu aus dem Schiele stammt.

Egon Schiele – Verschiedene Aktselbstbildnisse (Copyright Noel Kriznik)

Egon Schiele führte ein turbulentes Leben: Fruchtbare Schaffensphasen wechselten sich ab mit herben Rückschlägen. Der Vater, den er mit 14 Jahren verlor. Sein Studium an der Akademie der Bildenden Künste, das er frühzeitig beendete. Die Rebellion gegenüber dem konservativen Zeitgeist und seine künstlerische Selbstfindung. Die Gefangenschaft im Neulengbacher Bezirksgefängnis als Konsequenz seiner progressiven, künstlerischen Neigung für das Portraitieren von Armenkindern und schließlich der frühe Tod im Alter von 28 Jahren.

Fotografie: Egon Schiele auf dem Totenbett (Copyright Noel Kriznik)

Ebendiese Umbrüche kennzeichnen das Narrativ der Ausstellung, das dieses Mal persönlich vom Direktor des Museums Klaus Albrecht Schröder gestaltet wurde. Sparsam eingesetztes Licht, ein reduziertes Farbenspiel an den Wänden aus Rot und Grau sowie Auszüge aus Schieles Gedichten unterstützen diese Dramaturgie. Gleichzeitig reflektieren historische Fotografien den Wandel der Zeit und die sozialen Spannungen in Wien zur Jahrhundertwende.

(Copyright Noel Kriznik)

Es ist die Tiefe im Detail und die breite stilistische Spannweite die Schieles Kunst auszeichnet und immer wieder aufs Neue für spannende Einsichten rund um seine Person sorgt. Wer außerdem wissen möchte, was es mit seiner rätselhaften „V-Geste“ auf sich hat, erfährt dies in der aktuellen Ausstellung.

Egon Schiele, bis 18. Juni, tägl. 10–18 Uhr, Mi. 10–21 Uhr.

 

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