Mehr Raum für Begegnung

Wichtiger Schritt zur Integration: Das neue CORE Zentrum im 15.  Wiener Bezirk schafft Orte der Zusammenkunft, an denen Flüchtlinge selbst zu Experten werden – und jeder der will, einen Beitrag leisten  kann.

Eine Bildungsstätte für Flüchtlinge: Im September öffnete das neue CORE Zentrum in der Pfeiffergasse in Wien Rudolfsheim-Fünfhaus  seine Tore. In den rund 15 Aktivitätenräumen können Flüchtlinge in Workshops und Schulungen mehr über das Leben in Österreich lernen. Wer sich besonders engagiert, kann sogar selber zum Seminarleiter werden und in die Rolle des Experten schlüpfen.

Aktiv dabei

Schon in der Entstehungsphase wurde die Philosophie des Projekts deutlich: Die Kompetenzen der Flüchtlinge sollen hier in Österreich sinnvoll eingesetzt werden. Katja Horninger, verantwortlich für die Kommunikation, erklärt: „Wichtig war uns, dass geflüchtete Personen von Anfang an in das Projekt eingebunden sind“. In diesem Sinne engagierte CORE Asylwerber als gemeinnützige Beschäftigte, um mit ihnen das Zentrum gemeinsam aufzubauen: fünf Maler, einen Grafiker, der Design und Visitenkarten gestaltete und einen Fotografen, der sich fortan um die Dokumentation des Zentrums kümmert.

Die fünf engagierten Maler am Werk (c) FSW/Romesh Phoenix

In den neuen Räumen können Organisationen und zivilgesellschaftliche Vereine zum Beispiel Deutschkonversation oder Lernnachmittage veranstalten. Aber auch geflüchtete Menschen können als „Experten in eigener Sache“ in Aktion treten. So schult die MA17 im Rahmen eines Peer-Mentoring-Programms geflüchtete Personen, die zu Mentoren für andere Geflüchtete in Wien werden. Im CORE Zentrum können diese Mentoren Workshops leiten und ihr Knowhow weitergeben.

Erfahrungen weitergeben

Auch in den „Infomodulen“ der MA17 referieren neben österreichischen Experten auch Menschen, die selbst einmal als Flüchtlinge nach Österreich gekommen sind. In ihrer Muttersprache geben sie Basisinformationen zu unterschiedlichsten Themen und tauschen sich über das Leben in Österreich aus. Wer kennt sich schon besser aus als jemand, der selbst vor nicht allzu langer Zeit vor denselben Hürden stand? Eine von ihnen ist Razan J. In ihrem Workshop unterstützt sie geflüchtete Familien und ganz besonders Frauen. Sie informiert sie über das Gesundheitswesen in Österreich, das Zusammenleben und das Bildungssystem. Die Kinder der Teilnehmerinnen können sich in der Zwischenzeit im „Spielzimmer“ beschäftigen.

Rege Teilnahme am Frauenworkshop

„Vor eineinhalb Jahren kam ich von Syrien nach Österreich. Es war nicht einfach, doch ich hatte jemanden, der mir geholfen hat. Nun möchte auch ich helfen und Frauen auf diesem Weg begleiten“, weiß Razan. Das Problem ist leicht nachzuvollziehen: Wer alleine ankommt und hier außerhalb der Behörden keinen Ansprechpartner hat, fühlt sich unverstanden, fremd oder auch einfach nur einsam. Viele von ihnen besitzen einen Uniabschluss und haben zuvor einen hoch angesehenen Beruf ausgeübt. „Hier denken sie oft, sie seien nichts wert. Ich zeige ihnen, dass sie ihre Stärken auf dem Weg hierher nicht verloren haben“, erklärt die ausgebildete Pädagogin.

Ein Teil von uns

Die Vernetzung untereinander funktioniert bereits sehr gut: Bei einem Open House Anfang Oktober haben schon zahlreiche Initiativen ihr Interesse bekundet und werden künftig im CORE Zentrum Aktivitäten für Flüchtlinge umsetzen. Aber auch mit alteingesessenen Österreichern sollen sie ins Gespräch kommen können – und wo geht das besser als gemeinsam am Esstisch? So bietet das CORE Zentrum demnächst auch eine Gemeinschaftsküche, in der zusammen gekocht, gespeist und über landestypische Köstlichkeiten philosophiert werden kann. Hier oder bei den geplanten Nachbarschaftstreffs ist jeder von uns gefragt: Einfach mal die eigene Scheu zu Hause lassen und im Zentrum vorbeischauen. Mehr Informationen zu den Veranstaltungen gibt es schon bald unter: www.refugees.wien. Wer schon jetzt mehr erfahren möchte, kann sich an projekt-core@fsw.at wenden.

 

Titelbild: (c)FSW/Romesh Phoenix

Das CORE Zentrum ist Teil des EU-geförderten Gemeinschaftsprojekts "CORE-Integration im Zentrum" von MA17 (Magistratsabteilung für Integration und Diversität), Fonds Soziales Wien, Stadtschulrat für Wien/Europabüro, Wirtschaftsagentur Wien und waff (Wiener ArbeitnehmerInnen Förderungsfonds).