Nichts ist, wie es scheint

Unmögliche Perspektiven, verborgene Bilder und scheinbar unlösbare Geheimnisse. Das Museum der Illusionen im ersten Wiener Bezirk spielt mit der menschlichen Wahrnehmung und hinterfragt unser Vertrauen in unsere Sinne. Der hauseigene Zauberkünstler Joshua begleitet das Erlebnis.


Optische Täuschungen lösen ein ambivalentes Vergnügen aus. Sie bringen uns zum Staunen, führen uns in die Irre und lassen uns an unseren Sinnen zweifeln. Im Museum der Illusionen kann man dieses Vergnügen erforschen. 70 optische Täuschungen werden interaktiv präsentiert und wissenschaftlich erklärt.

Ames Raum
Je nach Positionierung im Ames Raum erscheint man als Riese oder als Zwerg (cOlivia Wimmer
Das Sichtbare hinterfragen lernen

Lana Rozic, Leiterin des Museums, hat die Illusionen im Juli 2017 aus Kroatien nach Wien geholt. Die Wiener Dependance ist die vierte dieser Art weltweit. Angreifen, staunen, herumlaufen und fotografieren, alles ist im Museum der Illusionen erwünscht. Verschiedene Installationen, Bilder und Räume vermitteln die Subjektivität unserer Wahrnehmung . Dabei werden unterschiedlichste Aspekte des Sehens behandelt: Dreidimensionalität, Überbewertung  von vertikalen Linien und spitzen Winkeln, Bewegungsillusion, Reliefwirkung und Perspektive. Die Einsicht, dass die Wahrheit relativ ist, mag unserer Toleranz gegenüber Andersdenkenden vielleicht förderlich sein, so Joshua, der Hauszauberer.

Illusion eines nach außen gewölbten Gesichts, tatsächlich ist es eine nach innen gewölbte Maske (c) Olivia Wimmer
Wenn die Augen Dinge sehen, die das Gehirn nicht versteht

Den Gesetzmäßigkeiten und Automatismen unserer Wahrnehmung können wir uns nicht entziehen. Die Illusionen, denen wir bei einer optischen Täuschung unterliegen, verändern Objekte in ihrer Größe, Farbe, Form oder Bewegung. Das Gesehene stimmt dabei nicht mit der objektiv messbaren Realität überein. Optische Täuschungen entstehen aber nicht aus der optischen Unvollkommenheit des Auges, sondern beruhen auf einer falschen Beurteilung des Gesehenen. Die Täuschungen entstehen erst bei der gedanklichen Verarbeitung im Gehirn.

Vom Umgang mit dieser individuellen Unvollkommenheit

Wie wir Sinneseindrücke verarbeiten, ist bei uns Menschen in unterschiedlichen Graden und Richtungen ausgeprägt. Jeder Mensch hat seine persönlichen Filter im Kopf, beeinflusst von Erfahrung, Erziehung und Kulturkreis. Manche Besucher erkennen in den Ausstellungsstücken etwas, was sich anderen Besuchern wiederum nicht offenbart. Durch die Auseinandersetzung mit den gezeigten Objekten kann man sich selber ein bisschen besser kennenlernen, ist sich Joshua der Zauberkünstler sicher: „Hier im Museum kann man sich selbst erfahren: Wie weit bin ich vernunftgetrieben und wie weit kann ich mich auf die optische Illusion einlassen?“

Die obere Figur erscheint kleiner als die untere, aber beide sind gleich groß (c) Olivia Wimmer
Unsere Wahrnehmung als das Fenster zur Welt

Optische Täuschungen dienen aber nicht nur unserer Unterhaltung, sondern erlauben auch Rückschlüsse über die Verarbeitung von Reizen der Sinnesorgane im Gehirn. Die Wahrnehmungspsychologie liefert unterschiedliche Ansätze, wie diese Reize zu werten sind. Alle Ansichten führen aber zur gleichen Schlussfolgerung: Unsere Wahrnehmung ist subjektiv und unterliegt einem selbst konstruierten Modell der Welt, in der wir leben. Das Museum der Illusion lädt ein zu einer kritischen Auseinandersetzung mit dieser verzerrten Realität. Ein Besuch, der sich lohnt.

Analoges Verschmelzen zweier Gesichter (c) Olivia Wimmer
Museum der Illusionen
 Wallnerstraße 4
 1010 Wien, Österreich
 T. +43 1 532 2255
 info@museumderillusionen.at
 museumderillusionen.at

Öffnungszeiten
 Montag bis Sonntag
 10.00 Uhr – 22.00 Uhr

Eintrittspreise
 Erwachsene: 12 Euro
 Studenten / Senioren: 10 Euro
 Kinder (bis 15 Jahren): 8 Euro

 

 

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