KULTUR, KAFFEE UND KAHLSCHLAG

Im zweiten Wiener Gemeindebezirk eröffnet im November ein neues Lokal. „La Vitrina“ soll Gaumen- und Kulturfreunde hinter den Karmelitermarkt in die Schiffamtsgasse locken und ihren Durst mit einer Fusion aus Österreichischem und Lateinamerikanischem stillen. In Kooperation mit dem gemeinnützigen Verein „Mundo Redondo“ entsteht hier ein Raum für transkulturellen Austausch.

Leicht irritiert blickte der Spanisch-Lehrer und neuerdings Café-Besitzer Carlos Quesada drein, als ihm die Vormieter die Schlüssel in die Hand drückten. Das Lokal war zehn Jahre lang ein China-Restaurant. Von feuerscharfen Saucen, abgenützten Speisekarten bis hin zu Goldkatzen mit Wackelarm- alles war noch da. „Ich hätte mein ganzes Konzept über Bord werfen und Besitzer eines China-Restaurants werden können“, sagt er. Dennoch verwarf er diesen Gedanken wieder, der Lukrativität eines China-Restaurants zum Trotz, und machte das Lokal dem Erdboden gleich. Die einzigen Überbleibsel waren die rustikalen Eisenketten der Lampen, die Stühle und Wände, die mühseelig von unzähligen Schichten Tapeten befreit wurden. Zwei intensive Arbeitsmonate folgten.

„La Vitrina“ in der Schiffamtsgasse (c) Carlos Quesada

Ein multipolares Lokal

Was zunächst als vage Vision begann, setzt Carlos nun in die Tat um. Ein Raum, oder wie er sagt ein „Espacio“, in dem Menschen zusammenkommen, sich austauschen, diskutieren und voneinander lernen können. In einem separaten Raum werden deshalb Workshops zu Kultur, Sprache und Geschichte Lateinamerikas stattfinden. Im Hauptraum entsteht ein kleiner Shop, in dem lateinamerikanische „Artesanos“ ihre Kunsthandwerke unter fairen Bedingungen verkaufen und so in ihrer Selbstständigkeit unterstützt werden.

Durch das angrenzende Café zieht sich das Hispanische wie ein roter Faden. Von Tapas bis hin zu venezolanischen Arepas und mexikanischen Tamales, von organischen Kaffeesorten aus Chiapas bis hin zu Biersorten wie das Pacífico aus Mexiko. Zu dieser lateinamerikalastigen Auswahl soll allerdings eine ordentliche Prise Regionalität gemischt werden. Wein vom Niederösterreichischen Weingut Kemetner, klassisches Ottakringer aus der Zapf und Lebensmittel aus der Umgebung. Mit dieser Geschmackssymbiose möchte die Vitrine punkten.

Doch auch die restlichen Sinne sollen nicht zu kurz kommen. Die freien, bunten Tapetenwände werden lokalen und lateinamerikanischen Künstlern als Ausstellungsfläche bereitgestellt. Und auch musikalisch wird sich diese Fusion durchsetzen. „Die Konzerte sind mir ein großes Anliegen. Ich möchte, dass man sich fühlt wie im eigenen Wohnzimmer, in dem man gemütlich lateinamerikanischen und österreichischen Klängen lauschen kann“, erklärt Carlos. Diese Konzerte werden u.A. in Zusammenarbeit mit dem Verein „Mundo Redondo“ organisiert, der ebenso gesellschaftspolitische Veranstaltungen in Form von Lesungen und öffentlichen Diskussionsrunden organisieren wird. Viele Ideen, die es nun gilt, in einem Lokal zu vereinen.

(c) Elisa Tomaselli

Pura Vida für alle

Die Tage rennen dahin. Die Eröffnung naht und noch gibt es weder Licht noch eine funktionierende Heizung. Dennoch herrscht auf der grauen Baustelle eine ausgelassene Stimmung. „Pura Vida!“, schallt es immer wieder durch den langen Gang. Das costa-ricanische Alltagsdogma zur Aufheiterung- auch wenn sich der Sperrmüll noch vor einem stapelt. Und es wirkt. Bald wird hier ein Lokal eröffnen, das sich der Kultur und vor allem der Kulturfusion verschrieben hat. „Weil nein, wir sind kein typisches Latino-Lokal“, wiederholt Carlos gebetsmühlenartig. „Es wird ganz einfach eine Vitrine, die zeigt, die ausstellt, aber die man auch betreten kann und vielleicht wieder mit anderen Augen verlässt.“

La Vitrina- Kaffee und Kulturfabrik
Schiffamtsgasse 8
1020 Wien
Öffnungszeiten
MO-DO: 09:-23:00 Uhr
FR-SA: 09-24:00 Uhr

 

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