Europavox 2017 im WUK | (c) Susanne Einzenberger

Make Europe Great Again

Kann Europa überhaupt noch cool sein? „Ja!“ war die deutliche Antwort der über 100 Besucher des Europavox-Festivals am 3. November im Wiener WUK. Elektro- und Pop-Acts aus verschiedenen Ecken des alten Kontinents ließen das Publikum abgehen und setzten ein Zeichen für die kulturelle Vielfalt Europas. Das deklarierte Ziel des Festivals: eine musikalische Brücke zwischen den europäischen Kulturen zu schlagen – um Europa wieder „great“ zu machen.

Europa „macht“ man auch durch Musik. So die Überlegung der Gründer des Europavox-Festivals, als sie vor zehn Jahren Musiker aus ganz Europa nach Clermont-Ferrand holten. Mittlerweile beschränkt sich das Festival nicht nur auf die französische Stadt. Weitere Austragungsorte sind europäische Kulturstädte wie Athen, Bologna, Brüssel und eben Wien.

2016 ging der bunte Event erfolgreich im ausverkauften WUK über die Bühne. Dieses Jahr war die Halle nicht komplett voll, jedoch fand das Festival vor einem begeisterten Publikum statt. Mit dabei waren Acts aus Frankreich, Rumänien und Österreich. Diese Auswahl war kein Zufall: Dadurch wollten die Veranstalter zeigen, wie vielfältig Europa eigentlich ist und wie viele und unterschiedliche Menschen Musik zusammenbringen kann.

Entspanntes Biertrinken vor dem Konzert (Quelle: Susanne Einzenberger/WUK)

König des DIY

Los ging’s mit dem französischen Multi-Instrumentalisten Jacques. Die Musik des Künstlers lässt sich schwer kategorisieren. Ursprünglich wollte er in Richtung Tanzmusik gehen, nun macht er Musik mit allem, was in greifbarer Nähe ist. Buchstäblich. So war es auch am Dienstag. Das Publikum staunte, als der Straßburger plötzlich die Saiten eines Badmintonschlägers wie jene einer Gitarre zupfte, dessen Klang aufnahm und ihn auf einen elektronischen Beat legte. Nach dem selben Muster nahm er dann den Ton eines Holzhobels auf und wandelte eine Trittleiter in ein Schlagzeug um. „Schräg, aber trotzdem cool“, kommentierte eine Konzertbesucherin Jacques Auftritt. Durch dieses Schräg-Sein und diese Unvorhersehbarkeit hat er sich schon oft Lob von den Kritikern verdient, denn jeder Auftritt von Jacques ist einzigartig. Man weiß, wie es beginnt, aber nicht wohin es gehen wird.

Moonlight Breakfast brachten das Publikum zum Tanzen

Trotz Anfangsschwierigkeiten des Publikums dem Rhythmus zu folgen, begannen einige BesucherInnen schon beim Gig von Jacques, sich zu bewegen. Richtig ab ging es aber erst bei dem Auftritt des rumänischen Trios Moonlight Breakfast. Die Indie-Pop-Songs der Bukarester waren von Beginn an sehr rhythmisch und tanzbar, worauf sich das Publikum mit guter Stimmung einließ. Die meisten Konzertgäste ließen sich von einer gewissen Redundanz im Songaufbau nicht stören und hüpften bei jedem Song durch den fast vollen Saal. Auf klassischen Indie-Pop folgten Diskoklänge und Reggae-Elemente. Der spontane Ausflug des Schlagzeugers ins Beatboxing sorgte für einen lustigen Abwechslungsmoment.

Moonlight Breakfast begeisterten das Publikum – sogar mit Megaphon (Quelle: Susanne Einzenberger/WUK)

Ogris Debris, starkes Heimspiel

Nach den ersten zwei Acts war das Publikum genug aufgewärmt für den letzten Auftritt, den des Wiener Kultduos Ogris Debris. Wer die beiden Herren nicht kennt, soll sich eine fette Rave-Party der frühen 90er vorstellen, als Bands wie The Prodigy und die Chemical Brothers die Elektroszene dominierten: so hat sich das Konzert von Ogris Debris angefühlt. Die eindringlichen Beats vermischten sich mit den gesprochenen Lines von Gregor Ladenhauf. Die BesucherInnen nahmen es dankbar an und machten bei jeder Aufforderung des Sängers mit, sei es mitsingen oder mitklatschen. Bei einem Song wurde eine derartige Empathie zwischen Künstlern und Publikum erreicht, dass der Synthesizer kurz stillgelegt werden konnte. Weil das Überthema des Abends die Zelebration der europäischen Vielfalt war, fand Ladenhauf einige Worte für eine subtile Kritik in Richtung Politik:

„Vergesst nicht, dass ihr frei seid. Manche, die im Parlament sitzen, haben ein seltsames Verständnis dieses Wortes. Aber eure Freiheit kann euch nicht weggenommen werden“.

Ogris Debris: 90er Rave-Party (Quelle: Susanne Einzenberger/WUK)

Der letzte Track hieß „See The World“. Einen passenderen Abschluss für diese Ausgabe des Europavox-Festivals hätten sich Ogris Debris nicht aussuchen können. Die Gäste zeigten sich insgesamt sehr zufrieden mit den Auftritten. Bei dem Eintrittspreis von 18 Euro waren die Erwartungen entsprechend hoch, sie wurden aber erfüllt, gab eine Europavox-Besucherin am Rande der Veranstaltung an. Auch das WUK erklärte sich „glücklich“ über die Auftritte und über die Besucherzahl. Das Festival, welches jährlich von der Europäischen Union und vom Bundeskanzleramt gefördert wird, soll auch 2018 im WUK stattfinden.

Schreibe einen Kommentar