The Square – Menschlichkeit nur noch im Museum

Am 17. November läuft mit „The Square“ ein Film des schwedischen Regisseurs Ruben Östlund in den heimischen Kinos an. Der bereits mit der Goldenen Palme prämierte Streifen nimmt die Gesellschaft und den „modernen“ Menschen gekonnt auf die Hörner.

Die Idee eines Quadrats, indem Menschlichkeit Platz hat, soll von Museumskurator Christian in einem der größten Museen Stockholms präsentiert werden. Als Hauptattraktion der Ausstellung verspricht das Quadrat folgendes: „Es ist ein Zufluchtsort, an dem Vertrauen und Fürsorge herrschen. Hier haben alle die gleichen Rechte und Pflichten.“ Mit dieser Eingebung wollte die Künstlerin die MuseumsbesucherInnen und die ganze Welt von einem besseren und sorgsameren Miteinander überzeugen.

Das Quadrat, Quelle: filmladen.at
Das Quadrat, Quelle: filmladen.at

(Österreich-)Premiere

Ruben Östlunds Kinofilm feiert am 16. November im Votivkino seine Österreich-Premiere. Das internationale Filmdebüt fand bereits Anfang September in Russland statt.  Bei „The Square“ handelt es sich um eine Kunstsatire, die kaum eine brisante Frage zum Zustand der heutigen Gesellschaft unberührt lässt. Im Vordergrund stehen die zentralen Fragen des Vertrauens, der Menschlichkeit und des Miteinanders. Zerrüttete Familienverhältnisse sowie das ungleiche Verhältnis von Mann und Frau werden ebenso thematisiert.

Entwicklung in die falsche Richtung

Hauptdarsteller Christian, dargestellt von Schauspieler Claes Bang, spielt einen intelligenten Mann, der glaubt, mit seiner Ausstellung die Welt verändern zu können. Eine Veränderung, wenn auch nicht wie gewünscht, ist anhand seiner Rolle zu erkennen. Zu Beginn des Films wirkt Christian gefestigt und zeigt sich als starke Persönlichkeit. Am Ende der Geschichte sind seine Zweifel groß und er hadert sowohl mit sich selbst als auch der Inszenierung seiner Ausstellung. Eine während der Pressevorführung anwesende junge Zuseherin im Kinosaal sah ihn in einer Rolle „in der er sich seiner Position und Macht jederzeit bewusst war“.  Trotzdem traf er „unreflektierte und voreilige Entscheidungen“ die ihm zum Verhängnis wurden. Sein Abgang als Museumskurator wird durch eine unmenschliche und völlig deplatzierte Marketingstrategie zur Bekanntmachung der Ausstellung ausgelöst. In einer absurden Pressekonferenz endet sein Engagement letztendlich.

Christian und Michael hecken ihren Plan aus, Quelle: filmladen.at

Tesla der Gerechtigkeit

Eine Szene, die den Film sehr treffend beschreibt, ist die, als Christian mit seinem engsten Mitarbeiter Michael im selbsternannten „Tesla der Gerechtigkeit“ unterwegs ist. Nachdem der Kurator zu Beginn der Handlung beklaut wird, orten die beiden sein Handy und machen sich mit einer Handvoll Drohbriefe auf den Weg zu einem Wohnhaus. In diesem vermuten sie den Dieb. Dort wirft Christian, getrieben von „Gerechtigkeit“ sowie Angst bei seiner unüberlegten Aktion erwischt zu werden, in jeden Postkasten einen seiner Briefe.

Als ihm tags darauf seine Wertsachen rückerstattet werden, ist er überrascht. Doch entstehen dadurch neue Wirren. Er, das eigentliche Opfer, wird zum Täter, indem einer seiner Drohbriefe ein Kind erreicht. Durch seine rücksichtslose Tat wird der Junge zu Unrecht von seinen Eltern des Diebstahls beschuldigt. Die Menschheit scheint getrieben von Misstrauen, selbst Christian findet außerhalb der Ausstellung keinen Platz für die Werte des Quadrats. Als der Junge bei dem Museumskurator zuhause auftaucht und sich nicht abwimmeln lässt, rastet Christian aus. Er will nichts mehr von ihm hören und stößt ihn so stark, dass dieser kopfüber die Stiegen hinunterstürzt. Die von Christian in seiner Ausstellung geforderte Menschlichkeit hat offensichtlich wirklich nur dort Platz.

Treffsicheres Zusammenspiel von Saal und Film

Die Atmosphäre im Kinosaal während der Pressevorführung passte gut zum Film selbst. Sowohl im Saal als auch auf der Leinwand waren Licht und Helligkeit Mangelware. In einem Kinosaal wird für gewöhnlich Dunkelheit erwartet, doch in diesem Fall war es mit Ausnahme der Leinwand total dunkel. So dunkel, dass selbst das eigene Getränk für die anwesenden JournalistInnen nur schwer zu ertasten war. Die wiederkehrende Musik in Form des von Bobby McFerrin interpretierten Ave Maria fügte sich gut ins Gesamtbild ein.

(Kleine) Momente der Veränderung

Es bleibt zu hoffen, dass nicht nur die arbeitenden JournalistInnen, sondern auch die zukünftigen KinobesucherInnen die Diskussion nach dem Film suchen werden. Denn bereits mit „Play – nur ein Spiel?“ und „Höhere Gewalt“ hat er kontroverse Debatten entfacht und dutzende internationale Film- und Festivalpreisen gewonnen.

Weniger die Preise, als vielmehr die Diskussionen rund um seine Filme treiben den 43-jährigen Regisseur und Erfolgsmann an. Diesbezüglich hat er einen großen Wunsch. „Wenn mir jemand berichtet, dass er mit seinen Freunden die ganze Nacht über meinen Film diskutiert hat, freue ich mich immer enorm. Denn dann ist es meinem Film gelungen, auch außerhalb des Kinosaals zumindest einen kleinen Moment der Veränderung auf den Weg zu bringen.“