Klara (Linda Konrad ) und Amelia (Freskida Goni)

Zwischentöne – Aufbrechen einer Schwarz-Weissen Vergangenheit

„Zwischentöne“ ist das erste Filmprojekt der Jungregisseurinnen Theresa Stingeder und Teresa Guggenberger. Der Kurzfilm dreht sich rund um das Schubladendenken und die Beziehung zwischen Enkeltochter und Großvater. Der Film feiert am 21. November am ÖH UniKino Festival an der Universität Graz Premiere.

Amelia hat ihre letzte Prüfung geschrieben und ein schöner Sommer mit ihren beiden besten Freunden Clemens und Eva steht bevor. Als sie das bildhübsche Mädchen Klara kennenlernt und die beiden sich verlieben, scheinen die Ferien perfekt zu werden. Bei Aufräumarbeiten im Haus ihres verstorbenen Großvaters, das bald darauf verkauft werden soll, stößt Amelie auf das alte Tagebuch ihres Opas. Darin entdeckt sie homophobe Äußerungen  und das  Bild ihres perfekten Großvaters beginnt zu bröckeln. Immer wieder kommen in ihr Erinnerungen von der schönen Zeit, die sie mit ihm in der Natur verbracht hat, auf. Entsetzt über den Fund beginnt Amelia  sich genauer mit seinem Leben auseinanderzusetzen.

„Du musst wissen, mein Opa und ich waren früher
unzertrennlich. Selbst als wir noch in Albanien gelebt
haben, war ich im Urlaub ständig bei ihm. Wir haben uns
einfach verstanden, obwohl wir nicht die gleiche Sprache
gesprochen haben.“ (Amelia)

Amelia als Kind (Ella Autengruber) und ihr Großvater (Gerhard Brunhofer)
Kindheitserinnerungen von Amelia (Ella Autengruber)  an  ihren Opa  (Gerhard Brunhofer)

Nuancen zwischen Schwarz und Weiß

„Zwischentöne“ ist ein Mix aus fiktiver Geschichte und Erinnerungen an die eigenen Großväter der beiden Filmemacherinnen.

„Ich habe mich damit beschäftigt, dass ich ihn nur als Kind kennengelernt habe und ihn nicht als erwachsenen Menschen mit all seinen Facetten gekannt habe, sondern nur die Seite als Großvater“,

so Theresa Stingender. Auch wenn die Thematik der Homosexualität in dem Film „Zwischentöne“ vorhanden ist, ist es nicht das dominierende Thema, wie etwa in dem französischem Film „Blau ist eine warme Farbe“ (2013), der als Schwerpunktthema das „Coming-Out“ der weiblichen Protagonistin  behandelt. Im Zentrum von „Zwischentöne“ steht die Aufarbeitung der Vergangenheit des Großvaters. Das Schwarz-Weiß-Denken soll mit der Enkeltochter-Großvater-Thematik verbunden werden. Die Protagonistin denkt, dass ihr Opa sie vielleicht nicht so akzeptiert hätte wie sie ist, da er nicht differenziert denken konnte, erklärt Stingeder. Der Film  sei ein Plädoyer gegen Schubladendenken, wie die Jungregisseurin betont:

„Worauf der Film abzielt, ist nicht die Akzeptanz der eigenen Sexualität sondern die Akzeptanz, dass ein Mensch sowohl gute als auch schlechte Seiten hat – dass ein Mensch nicht nur Schwarz-Weiß ist, sondern aus lauter Zwischentönen besteht.“

Hinter den Kulissen

„Zwischentöne“ ist für Theresa Stingeder und Teresa Guggenberger das  erste große Filmprojekt. An dem 35-minütigen Kurzfilm arbeiteten die Grazer Studentinnen rund neun Monate.  Drehbuch und Schnitt meisterten die Oberösterreicherin und die Steirerin gemeinsam. Die Kameraführung und alle grafischen Arbeiten übernahm  Theresa Stingeder.

Die Szenen des Films spielen sich vor allem in Graz ab, aber auch die beiden Heimatorte der Regisseurinnen, Judenburg in der Steiermark und Tragwein in Oberösterreich, gehörten zu den Drehorten. Den Soundtrack zum Film lieferte die steirische Band „Snap DazeD“, die ihre Musik als einen Mix aus akustischem Folk und Rock kombiniert mit mehrstimmigen Gesang beschreibt.

Bei dem Film handelt es sich um eine „No-Budget-Produktion“, das heißt es wurde ohne Sponsoren- und Fördergelder gearbeitet und auch auf den guten Willen der Schauspieler und Helfer gesetzt. Nicht nur das wenige Geld, sondern auch Unvorhersehbares wie Wetter oder  Technik stellten laut den Jungregisseurinnen eine große Herausforderung dar.

Die Filmemacherinnen werden ihren Film „Zwischentöne“ unter anderem bei dem österreichischen Filmfestival Diagonale und bei einem Kurzfilmfestival in Liechtenstein einreichen.

Termine „Zwischentöne“

21. November 2017, 19.00 Uhr – Graz, Karl-Franzens-Universität (Premiere)
24.November 2017, 19.30 Uhr – Oberösterreich, Kulturtreff Bad Tragwein
01. Dezember 2017, 19.30 Uhr – Judenburg, „Mamas Lounge“

Aktuelle Infos und künftige (Wien) Termine gibt es auf der Facebook-Seite von „Zwischentöne“

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