Schrifsteller Robert Menasse auf der Messe BUCH WIEN.

„Die gesamte EU hat weniger Beamte als Wien“

Der österreichische  Schriftsteller Robert Menasse räumte auf der Messe BUCH WIEN mit einigen EU-Vorteilen aus. Eine Podiumsdiskussion über sein Buch „Die Hauptstadt“ geriet dort zu einer glühenden Verteidigung der der EU-Kommission. Dabei kamen auch seine Aversionen gegenüber dem Rat der Europäischen Union zum Ausdruck. 

Es hätte eine Podiumsdiskussion über Robert Menasses Buch „Die Hauptstadt“ (Suhrkamp Verlag), mit dem er den Deutschen Buchpreis gewann, werden sollen.  Das Gespräch am 9. November mit dem Journalisten Michael Freund im Litarturcafé wurde aber vielmehr ein EU – Vortrag. In diesem berichtete Menasse von seinen Erfahrungen während seiner Recherchen in Brüssel und teilte seine Gedanken zur EU mit: „In keiner Stadt der Welt werden die Rahmenbedingungen für den gesamten Kontinent festgelegt, außer in Brüssel. Dort wird in kleinen Schritten die Nation überwunden, was eigentlich eine Revolution. ist Dass Europa ein Friedensprojekt ist, ist nur die halbe Wahrheit. Die Wahrheit heißt Friede durch die Überwindung des Nationalismus“, sagte Menasse.

Der Roman "Die Hauptstadt" von Robert Menasse liegt in mehrfacher Ausführung in Regalen vom Verlag Suhrkamp auf der BUCH WIEN.
Mit dem Roman „Die Hauptstadt“ hat Robert Menasse den Deutschen Buchpreis gewonnen. (c) Magdalena Pichler

Eine schlanke Verwaltung

Weiters räumte er mit dem Mythos von der EU als verschlossene, überdimensionale Bürokratie auf.  „Ich war überrascht von der Offenheit und Transparenz“, sagte Menasse. Und von wegen aufgeblasener EU-Bürokratie: „Die gesamte EU hat weniger Beamte als Wien. Außerdem ist die Bürokratie eine Errungenschaft der Zivilisation“,  sagte Menasse. Die EU habe weiters eine schlanke und straffe Verwaltung, so Menasse. Bezüglich der Institutionen brach er eine Lanze für die Kommission:  „Diese verteidigt den Gleichheitsgrundsatz. Im Rat wird genau das verhindert. Meine Sympathien liegen bei der Kommission, der Rat ist zu bekämpfen“, sagte Menasse. Dann erzählte er: „Ich werde nie das Gesicht eines Beamten vergessen, nachdem der Rat in einer Stunde eine Richtlinie, die die Kommission ein Jahr lang ausgearbeitet hat, zerschmettert hat.“  Was ihm besonders wichtig ist: alle EU Kritiker sollen nie wieder sagen „die EU“, sondern die spezifische Institution kritisieren.

Die BUCH WIEN mit einem Zuschauerrekord                                                                                                                                                          Auch wenn es insgesamt mehr ein Vortrag über die EU war,  sprach Menasse auch noch darüber, dass er beim Schreiben schnell in eine Essaystruktur hineingekommen sei. Schließlich sei das Buch aber doch ein Roman geworden. Nach der Diskussion signierte Menasse „Die Hauptstadt“ und ließ sich fotografieren. Anschließend verteilten sich die Zuhörer wieder auf die BUCH Wien.  Diese feierte heuer ihren runden Geburtstag mit einem Zuschauerrekord (48 500 Besucher)  und fand von 8. bis 12. November bereits zum 10. Mal statt. Es gab 450 Events, 33 Locations und 22 Nationen auf der Messe. Auch andere Größen der österreichischen Literatur wie Eva Menasse, die heuer den Österreichischen Buchpreis für „Tiere für Fortgeschrittene“ erhielt,  oder Thomas Sautner, Paul Hochgatterer oder Doron Rabinovici da. Michael Niavaranis Buch „Ein Trottel kommt selten allein“ verkaufte sich bereits über 50.000 Mal. Dafür erhielt er das Platinbuch.

Menschen am Eingang zur Messe BUCH WIEN.
Die Buch Wien konnte sich heuer über einen Zuschauerrekord freuen. (c) Magdalena Pichler
Robert Menasse, geboren 1954 in Wien, ist ein österreichischer Schrifsteller. Neben zahlreichen Romanen, veröffentlicht er auch kulturkritische Essays. 
Der Roman "Die Hauptstadt" (2017) mit dem er den Deutschen Buchpreis gewonnen hat, spielt in Brüssel. Fenia Xenopoulou, Beamtin der Kommission will das Image der Institution aufpolieren. Mit dem "Big Jubilee Projekt" plant man den 50. Geburtstag der Kommission feiern. Zu diesem Anlass möchte man die letzten Überlebenden der Vernichtungslager zusammenholen. Diese sollen eine der Grundideen der EU, nämlich, dass so etwas wie der Nationalsozialismus und der Holocaust nie wieder passieren dürfen, bezeugen.

Mehr dazu:

BUCH WIEN

„Die Hauptstadt“ bei Suhrkamp

Die Presse Artikel: Auschwitz, Brüssel und mittendrin ein Schwein

Suhrkamp/Insel

Robert Menasse auf Facebook

Robert Menasse bei Suhrkamp

 

Beitragsbild: Robert Menasse auf der Buch Wien (c) Magdalena Pichler

 

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