Leere mit Kunst füllen

Kunst als Möglichkeit, Leerstellen in unserer Gesellschaft sichtbar zu machen. Darum geht es in Daniel Krammers neuem Kunstprojekt „No Soul“, das derzeit im Kaeshmaesh ausgestellt wird. Der gemeinnützige Verein für Kunst und Kommunikation will gesellschaftlichen Austausch im Stuwerviertel fördern und das Grätzel im 2. Wiener Gemeindebezirk mit kulturellen Veranstaltungen beleben.

„No Soul“. So lautet der Titel von Daniel Krammers aktuellem Kunstprojekt. Die dazugehörenden surrealen Werke des 29-Jährigen sind mit Tusche gemalt. „Es geht um die Sichtbarmachung von Leerstellen in der Gesellschaft. Darum, mikrosoziale Normen zu überwinden“, erklärt der Künstler. Daniel Krammer hat bereits zahlreiche Kunstprojekte umgesetzt, künstlerische Ausbildung hat der Autodidakt allerdings keine. „Ich versuche aber, Kunst in alle Lebensbereiche zu integrieren“, so der 29-Jährige. Sie stelle für ihn eine Schnittstelle zwischen Öffentlichem und Privatem dar. Das versuche er auch in der aktuellen Ausstellung auszudrücken, die von 8. bis 15. November in der Ennsgasse 20 im Stuwerviertel zu sehen ist.
Im Kaeshmaesh wird jungen Künstlern die Möglichkeit geboten, ihre Werke abseits des etablierten Kunstmarktes auszustellen.

Daniel Krammer und ein Teil der aktuellen Ausstellung „No Soul“ | (c) Alexander Polt

 
Kulturelle Belebung des Stuwerviertel

Kaeshmaesh – das sind Agnes Rameder, Barbara Schneider, Benedikt Frass, Claudia Hanslmeier, Emanuel Ehgartner, Ivonne Barrera, Reinhard Larcher und Teresa Schneider. Acht junge Kuntschaffende und Kunsttheoretiker. „Wir sind in erster Linie ein gemeinnütziger Verein mit einem fixen Ort. Dort machen wir regelmäßig Kunstprojekte – von bildender bis darstellender Kunst“, erzählt Barbara Schneider. Ausstellungen, Konzerte, Filmscreenings, Lesungen und Workshops sollen dazu beitragen, das kulturelle Leben im Stuwerviertel zu bereichern. Dabei sei das Kaeshmaesh vollständig auf Spenden und Mitgliedsbeiträge angewiesen, Förderungen erhalte der Verein bislang keine. Das Kollektiv arbeite aber trotzdem daran, junge Kunstschaffende zu fördern und gleichzeitig die Vernetzung im Grätzel zu verbessern.

Auch dem derzeit ausstellenden Künstler gefällt dieser Ansatz. „Offene Räume imponieren mir. Sie stehen für soziale Gesundheit, wo private Bedürfnisse frei zum Ausdruck gebracht werden können“, ist Daniel Krammer überzeugt. Aufgewachsen in Rottenmann, studierte der Steirer zuerst Politikwissenschaft, nun Unternehmensführung in Wien. Auf das Kaeshmaesh gestoßen ist der 29-Jährige durch den befreundeten Künstler Rene Berghold, der bereits letztes Jahr eine Ausstellung im Kaeshmaesh hatte. Dort sei er mit den Vereinsmitgliedern ins Gespräch und gleich auf Ideen für ein gemeinsames Projekt gekommen. Herausgekommen ist dabei „No Soul“ – ein Mix aus Gemälden, Zeichnungen und Poesie, in dem auch Gesellschaftskritik mitschwingt.

Raum für Kunst, Raum zum Verweilen | (c) Christine Schmidl

 
Kunst und Kommunikation brauchen Raum

Zu Beginn war nur die Idee da, ein passender Raum für das Kaeshmaesh wurde schließlich in einem ehemaligen Geschäft für Bettdecken gefunden. Im April 2016 konnte nach Wochen der Renovierung eröffnet werden, die bereits vorhandenen Regale wurden zu Möbeln für den Verein verarbeitet. Die Mitglieder haben sich auf unterschiedliche Weise kennengelernt. „Ein Großteil der jetzigen Mitglieder hat damals im Kunstforum zusammengearbeitet. Zum Teil Studenten, zum Teil bereits voll im Berufsleben“, erzählt Barbara Schneider. Ob da auch eine kulturpolitische Motivation dahintersteckt? „Vielleicht in dem Sinn, dass wir quasi auch einen Raum etabliert haben, der abseits vom traditionellen Kunstmarkt existiert“, überlegt die 24-jährige Studentin. Es gehe ihnen darum, öffentliche Räume für junge Künstler abseits der herkömmlichen Galerien und den Museen zu schaffen. Damit solle auch die Sichtbarmachung von Randpositionen gefördert werden.

Es gehe aber nicht nur darum, Kunstschaffenden Raum für Vernetzung zu bieten. Ein großes Anliegen ist dem Kaeshmaesh auch der gegenseitige Austausch mit den Bewohnern des Grätzel. „Das Ziel ist, dass wir im Viertel einen Ort schaffen, wo man sich treffen kann, wo man auch diskutiert und wo die Leute einfach zusammenkommen zum Plaudern“, erklärt Barbara weiter. Auch dass Menschen, die sonst keine Museen besuchen mit Kunst in Berührung kommen, sei ihr ein Anliegen. „Das Publikum ist eigentlich auch vom Alter her ganz weit gespannt“, jeder solle sich willkommen fühlen können.

„Bobo trifft Prolo – Art Junky trifft Strizzi“. Im Kaeshmaesh ist jeder willkommen. |
(c) Christine Schmidl

 
Bei der Vernissage am 8. November trägt Daniel Krammer zusätzlich selbst geschriebene Texte vor. Auch seine Poesie handelt von Kunst und davon, dass sie Leerstellen in der Gesellschaft füllen könne. „Es geht um den ethischen Rahmen, den man über Kunst und Kultur etablieren und vertiefen kann“, so der junge Künstler. Auf der Gitarre begleitet wird seine Lyrik von Lukas Glanz, einem befreundeten Musiker aus Klagenfurt.

Geöffnet ist das Kaeshmaesh jeden Mittwoch von 19.00 bis 23.00, manchmal auch Freitag abends. Infos über die jeweiligen Ausstellungen und Veranstaltungen erfährt man entweder über den Newsletter, Social Media oder über Websites und Plattformen wie imgraetzl.at, Falter Events und esel.at. Daniel Krammers Ausstellung „No Soul“ ist jedenfalls bis 15. November im Kaeshmaesh zu sehen. Bei der Finissage findet auch eine zweisprachige Buchpräsentation und Poesielesung mit dem Titel “Dreikopfwelt/Troglavi svijet“ statt. Auch kulturelle Diversität sei dem gemeinnützigen Verein schließlich sehr wichtig.

Der Veranstaltungsplan des Kaeshmaesh für November 2017 | (c) Tumblr/Screenshot

 

Titelbild: (c) Alexander Polt

Kontakt: 
Kaeshmaesh
Ennsgasse 20
1020 Wien
kaeshmaesh@gmail.com 
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Öffnungszeiten:
Mittwoch: 19-23 Uhr 
(manchmal auch Freitag: 19-23 Uhr)

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