Polaroid: Alles im weißen Rahmen

Das WestLicht holt ‚The Polaroid Project‘ erstmals nach Europa: Eine Sammlung von Kunst und Technologie in der  Sofortbildfotografie. Für die Wiener Fotogalerie könnte es die letzte Ausstellung sein.

Bis 25. Februar 2018 widmet sich die Fotogalerie WestLicht der Sofortbildfotografie. Unter dem Titel ‚The Polaroid Project‘ ist die internationale Polaroid-Sammlung zum ersten Mal in Europa zu sehen. WestLicht-Leiter Peter Coeln will mit der vorerst letzten geplanten Ausstellung die Schnittstelle zwischen Kunst und Technologie visualisieren.

Der Pop-Art-Künstler Andy Warhol dokumentierte sein Privatleben mit der Polaroid-Kamera [Andy Warhol: ‚ANDY ABOUT TO SNEEZE‘ und ‚ANDY SNEEZING‘ (1978)] © Hannah Weger
Kunst trifft Polaroid

Seit 70 Jahren gibt es die Sofortbilder mit dem weißen Rahmen. Dahinter steht eine große Marke: Polaroid. ‚The Polaroid Project‘ zeigt insgesamt rund 200 Werke von fast 100 Fotografen und Künstlern. Darunter bekannte Namen wie Andy Warhol, der sich niesend im Selbstporträt mit einer Polaroid ablichtet. Oder der Österreicher Gottfried Helnwein, der mit für ihn typischen hyperrealistischen Fotografien in der Schau vertreten ist. Highlight der Ausstellung sind diverse 50×60-cm-Großformate: Eines davon ist das Hillary Clinton-Porträt von Chuck Closes, aufgenommen mit einer Polaroid-Riesenkamera.

Der künstlerischen Kreativität sind bei der Sofortbildfotografie kaum Grenzen gesetzt. „Das Medium birgt ein gewaltiges Potenzial und hat vor allem seit den 1970er-Jahren spannende Experimente ausgelöst“, sagt Coeln. Die Künstler montieren und experimentieren, aus vielen einzelnen Polaroid-Fotos ergeben sich völlig neue Bilder. Es entstehen Farbspiele, Collagen und Installationen.

Aus einzelnen Polaroid-Fotos entsteht ein neues Bild. [Joyce Neimanas: ‚Polaroid Collage‘ (1981)] © Hannah Weger
Die Magie des Moments

Polaroid heißt: abdrücken, wedeln, kurz warten. Und schon ist das Bild da – jedes einzelne ein Unikat. Dass ein Foto vor den eigenen Augen entsteht, Momente greifbar werden, das macht die Faszination Polaroid aus: Seit den ersten Instant-Fotos 1947 bis heute. Mittlerweile erlebt die Sofortbild-Fotografie wieder einen Aufschwung. „Polaroid zieht ein sehr junges Publikum an“, sagt Coeln. Dies sei eine Gegenbewegung zur Masse an digitalen Bildern in der heutigen Zeit.

Wie früher um Polaroid-Kameras geworben wurde, zeigen an die Wand projizierte Werbespots. Neben den künstlerischen Werken greift die Ausstellung  auch die Entstehungsgeschichte und Technologie der Polaroid-Fotografie auf. Ausgestellt sind  ausgewählte Materialien, Entwürfen, Prototypen aus Karton und originale Kameras.

Prototypen aus Karton und erste Polaroid-Kameras. © Hannah Weger

#SaveWestLicht –Petition zum Erhalt der Fotogalerie

Das WestLicht zählt mit jährlich rund 80.000 Besuchern zu einem Fixpunkt der Wiener Kulturszene. Wie im September bekannt gegeben droht der Fotogalerie nach Ablauf der aktuellen Polaroid-Ausstellung Ende Februar 2018 dennoch die Schließung. Hauptsponsor Leica wird die Förderung von 400.000 Euro für das kommende Jahr nicht weiterführen. Von Seite des Bundes und der Stadt Wien gibt es bisweilen keine finanzielle Zusicherung.

Um den Erhalt der Galerie weiterhin zu sichern, startete Coelns die Online-Petition #SaveWestLicht – Rettet das Fotomuseum. „Ich hoffe, dass es zu einem guten Ende kommen wird“, sagt der WestLicht-Leiter. Bisher haben über 15.000 Personen die Petition unterschrieben.

WestLicht - Schauplatz für Fotografie
Westbahnstraße 40, 1070 Wien
+43 1 522 66 36 60
vermittlung@westlicht.com

Öffnungszeiten:
Di, Mi, Fr: 14 - 19 Uhr
Do: 14 - 21 Uhr
Sa, So, Feiertag: 11 - 19 Uhr

Ausstellung 'THE POLAROID PROJECT'
18. November 2017 - 25. Februar 2018
Eintrittspreise:
     Regulär: 8 Euro
     Ermäßigt (Studenten): 5 Euro

Online-Petition:
#SaveWestLicht - Rettet das Fotomuseum

Titelbild © Hannah Weger

Fiktives Veröffentlichungsdatum: 20. November 2017

 

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