Voulez-Vous Vulva

Das weibliche Geschlechtsorgan ist in der Gesellschaft unsichtbar. Gloria Dimmel will das ändern. Mit ihrer Kunst zeigt sie, was Frauen zwischen den Beinen haben.

Gloria Dimmel studiert eigentlich skandinavische Sprachen in Wien. Ihre Leidenschaft hat die 24-Jährige aber in der Kunst gefunden. Vor einem Monat startete sie „Voulez-Vous Vulva“ – ein Projekt, das anfangs viel Selbstüberwindung kostete. Den ersten Abdruck formte sie von ihrer eigenen Vulva. Später veröffentlichte sie das Experiment auf ihrem Instagram-Profil. Das Foto trägt den Titel: „Und wie sieht deine aus?“ Antworten kamen viele und sie hören bis heute nicht auf. Junge Frauen treffen sich nun regelmäßig in Glorias Wohnung, um ihren intimsten Bereich in Gips zu tauchen – und über „das da unten“ zu sprechen. „Sie ist weder zartrosa noch symmetrisch. Sie ist nicht immer glatt rasiert, ganz oft ist sie voller Haare. Jede sieht anders aus – alle sind wunderschön“, sagt die Künstlerin. Für Jänner ist eine Ausstellung der Exponate geplant.

Gipsabdruck einer Vulva. Sie besteht aus dem Venushügel, den Schamlippen und der Klitoris. Die Vagina hingegen ist der innenliegende Schlauch, der den Scheidenvorhof mit dem äußeren Muttermund verbindet. © Gloria Dimmel

Keine falsche Scham

Ein Gipsabdruck dauert nicht lange. Die Frauen sitzen auf einem Sessel, spreizen die Beine und Gloria verteilt das Material. Es ist ein pflanzliches Material, das auch Ärzte bei der Anfertigung von Zahnspangen verwenden. Nach wenigen Minuten wird es fest, dann ist der Negativabdruck fertig. Die Aktion läuft immer ähnlich ab: Freundinnen, die sich schon ewig kennen und Frauen, die sich noch nie gesehen haben, kommen für die gemeinsame Sache zusammen. Sie sind neugierig, was passiert und stellen meistens dieselben Fragen: Was ist eigentlich der Unterschied zwischen einer Vulva und einer Vagina? Wird man auch die Schamlippen sehen? Ist das Material kalt? Was, wenn Flüssigkeit austritt?

Die Frauen warten entspannt auf ihren Abdruck. Die Atmosphäre ist locker. Gloria ist stolz, dass sie mit ihrer Kunst einen Dialog geschaffen hat. „Hier geht es ja um viel mehr als den Gipsabdruck. Es geht darum, ein Tabu zu brechen. Frauen sollen endlich aufhören, sich für ihr Geschlecht zu schämen.“

Künstlerin Gloria Dimmel. © Gloria Dimmel

Katharina ist eine Freundin von Gloria und arbeitet als Grafikdesignerin. Sie findet das Projekt wichtig – das war aber nicht immer so. „Ich wollte nicht, dass ein Fremder meinen Intimbereich sieht. Dann kamen die Vorwürfe gegen Weinstein, Spacey und Pilz auf und ich wusste, das alles hängt irgendwie zusammen“, erklärt sie. Katharina ist nicht die einzige, die die Gipsform als politisches Statement sieht. Viele von Glorias Modellen sagen, dass sie als Frau gehört werden wollen. Der Abdruck hilft ihnen dabei.

Katharina will als Frau gehört werden. © Gloria Dimmel

Es tut sich etwas

Die Idee zu ihrem Experiment hatte Gloria in London, als sie in einer Galerie das Kunstwerk „The Great Wall of Vaginas“ sah – eine Wand, die aus 400 Gipsabdrücken weiblicher Genitalien besteht. Der britische Künstler Jamie McCartney schuf das Werk nach eigenen Aussagen als Gegengewicht zum Trend der geklonten „Designermöse“. Seine Installation soll Frauen die Möglichkeit geben, andere nackte Frauen zu betrachten und die Scheu vor ihrer Einzigartigkeit zu verlieren.

Gloria ist optimistisch. „Ich bin nur eine von vielen. Und wir fangen erst an. Gerade jetzt sieht man: Wir werden stärker, lauter. Ich bin mir sicher: Die Zukunft gehört uns!“ Mittlerweile hat Gloria bereits über 50 Abdrücke gesammelt. Auch das Frauen*referat der ÖH ist auf das Projekt aufmerksam geworden. Die Exponate sollen 2018 an der Uni Wien ausgestellt werden.

Kontakt:

Gloria Dimmel auf Instagram und Facebook

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