The Polaroid Project: der Kult um das Unikat

Letzte Woche öffnete das Fotomuseum Westlicht seine Tore für eine neue Ausstellung. The Polaroid Project widmet sich dem Mythos Polaroid und der variantenreichen Welt der Sofortbildtechnologie. Abseits der neuen Ausstellung kämpft das Westlicht ums  Überleben.

The Polaroid Project stellt den Fokus auf die Schnittstelle zwischen Kunst und Kultur und zeigt das Phänomen Polaroid in seiner ganzen Breite. „Polaroid hat die Ästhetik einer Ära geprägt“, betonte Rebekka Reuter Chefkuratorin des Westlichts anlässlich der Ausstellungseröffnung. Die Schau zeigt üppige Inszenierungen, Konzeptkunst, Collagen und puristische Aufnahmen, die mit einem herkömmlichen Schnappschuss recht wenig gemeinsam haben.

Das Westlicht widmet sich bis 25. Februar dem Kult um das Polaroid. © Caroline Lessky

Die Polaroid Collection als einzigartige Kooperation

Vor über 70 Jahren startete Edwin Lang mit Polaroid den Siegeszug der revolutionären Sofortbildtechnologie. Die Fototechnik stieß in der Künstlerszene auf große Resonanz, sodass Polaroid eng mit renommierten Künstlern zusammenarbeitete. Polaroid stellte Filmmaterial und Kameras zur Verfügung und erhielt im Gegenzug Feedback und ausgewählte Werke für eine eigene Sammlung – die Polaroid Collection. Durch diese einzigartige Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Technologie und Kunst prägte Polaroid die Fotokunst im 20. Jahrhundert ein Stück weit mit.

Fotocollage aus vielen Schnappschüssen (Joyce Neimanas, 1981, Polaroid SX-70, Collage) © Caroline Lessky

Ursprünglich bestand die Polaroid Collection aus zwei Teilen. Der amerikanische Teil der Sammlung enthielt Werke aus Amerika, europäische Werke wurden am Firmensitz in den Niederlanden gesammelt. Nach dem Konkurs standen die Sammlungen zum Verkauf. Die amerikanischen Highlights kamen zum Ausverkauf bei Sotheby’s. Die europäische Sammlung wurde durch Peter Coeln ersteigert und ist seither in Wien beheimatet.

The Polaroid Project ist die dritte Ausstellung im Westlicht die Werke der europäischen Sammlung zeigt. Erstmalig sind jedoch beide Teile der Polaroid Collection wieder vereint. Die Wanderausstellung ist eine Co-Produktion zwischen Westlicht, MIT Museum, Cambridge/MA und der FEP Foundation mit Leihgaben aus Privatbesitz.

Andy Warhol – Andy Sneezing, 1978
Polaroid SX-70
© The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts Inc. / VBK Wien 2017, Courtesy Fotosammlung OstLicht

 

Momente als abstrakte Arbeiten

Die Ausstellung zeigt das Endprodukt Polaroid und stellt diesem Kameras, Prototypen und Entwürfe gegenüber. 200 Unikate von mehr als 100 Fotografen zeigen den variantenreichen Einsatz der Technologie. Dabei sind Übermalung, Collage und Manipulation der Emulsion nur Beispiele wie unterschiedlich mit Material und Technik experimentiert wurde.

Neben dem bekannten Format der SX-70 Kamera mit dem charakteristisch weißen Rahmen, konnten die Künstler auch mit größeren Kameras arbeiten, die eigens für sie zur Verfügung standen. Unikate von Andy Warhol und Ansel Adams zeigen wie Polaroid als künstlerische Ausdrucksform eingesetzt wurde.

James Nitsch – Razor Blade, 1976
Polaroid SX-70 Montage mit Rasierklinge
© James Nitsch, Courtesy Fotosammlung OstLicht

 

Antithese einer digitalen Welt

Die Renaissance des Instantbilds ist nicht nur an Instagram und der Popularität von Sofortbildkameras zu sehen. Peter Coeln, Leiter des Westlichts betont anlässlich der Ausstellungseröffnung: „Die Käufer von Polaroid-Kameras sind extrem jung. Das haptische Sofortbild zieht.“  Für Rebeka Reuter sind Polaroidunikate ein einzigartiger analoger Gegenentwurf zur Masse der digitalen Bilder.

Gegenüber Ö1 spricht sie über die Gemeinsamkeiten von Instagram und Polaroid: „Die damalige Polaroid Nutzung kann als als visuelle Notiz, als visuelles Tagebuch gesehen werden, die im Grunde eine Bildkultur des digitalen Zeitalters vorwegnimmt“.

Letzte Ausstellung im Westlicht?

Die Ausstellung ist bis 25. Februar im Westlicht zu sehen, dann stehen die nächsten Stationen mit Hamburg, Berlin und Singapur an. Wie es indes mit dem Westlicht weitergeht ist unklar. Mangels Zusage des bisherigen Hauptsponsors Leica, fehlen dem Fotomuseum € 400.000,- im Budget. Ohne neuen Sponsor oder Untersützung durch öffentliche Hand, muss das Westlicht Ende März 2018 schließen.

Als einziges Fotomuseum Wiens und spannender Schauplatz für Kunst und Kultur wäre die Schließung ein großer Verlust. Westlicht, das bisher ohne öffentliche Subventionen geführt wird, ist nicht nur jährlicher Ausstellungsort der World Press Photo, sondern bringt seit jeher ein besonders junges Publikum mit Kunst und Kultur zusammen.

Die von Westlicht ins Leben gerufene Petition #SaveWestLicht hat binnen weniger Wochen über 15.000 Unterstützern gefunden. Peter Coeln gibt sich im Ö1 Interview hoffnungsvoll: „Ich hoffe, dass es zu einem guten Ende kommen wird. Es gibt ein gewisses Commitment, dass sich der Bund beteiligen wird.“

 

Westlicht: Schauplatz für Kunst und Kultur
The Polaroid Project: 18.11.17-25.02.18
Eintrittspreise: Erwachsene € 8,-  Studierende € 5,-
Öffnungszeiten: 
Di, Mi & Fr 14 - 19 h 
Do 14 - 21 h 
Sa, So 11 - 19 h
Westbahnstraße 40, 1070 Wien
https://www.westlicht.com
Petition: #SaveWestLicht

 

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