Die Band Sondaschule

„Für immer nie nüchtern“

Die deutsche Punk- und Ska-Band Sondaschule feierte am 4. November im Flex Café in Wien den Abschluss ihrer „Schere, Stein, Papier“ Tour. Beim Konzert präsentierten sie ihr im Juli, zum 15. Bandjubiläum erschienenes Album ebenso wie alte Hits. Mit von der Partie war als Vorband Pott Riddim.

„Ja das Leben fällt uns schwer, wir haben keine Freunde mehr – seit wir bei der Sondaschule sind.“ Wie jedes Konzert begann die Band rundum Costa Cannabis (alias Tim Kleinrensing) auch die Show im Wiener Flex Cafe mit der Band-Hymne. Die Bühne wurde in Kunstnebel gehüllt und eine Klaviermelodie begleitete die unverkennbare, tiefe Stimme des Sängers. Der Raum vor der Bühne füllte sich schnell, die Fans grölten die Zeilen mit.

Als sich der Nebel lüftete und die Band im Scheinwerferlicht zu sehen war, wurden sofort schnellere und härtere Gitarrenriffs angestimmt. Direkt vor der Bühne öffnete sich ein Kreis im Publikum und der für Punkrock-Konzerte übliche Pogo (ein Tanzstil, der auf kurzen und heftigen Körperkontakt zu anderen Tänzern abzielt) wurde getanzt. Die ersten Nummern des Konzerts bestanden aus älteren Gassenhauern wie „Neue Welt“ und „Durch deine Augen“. Auch die Songs des neuen Albums „Schere, Stein, Papier“ kamen beim Publikum gut an. Darunter auch tanzbare Hits wie die Kiffer-Hymne „Amsterdam“. Das Stroboskop durchzog das Flex Café mit neongrünen „Laserstrahlen“ und versetzte die Fans in die richtige Stimmung. Es breitete sich ein süßlicher Duft in der Halle aus.

„Für immer nie nüchtern“
Im mittleren Teil des Konzertes zeigte Chris Altmann an der Posaune, dass er auch alleine – bei früheren Touren hatte die Sondaschule meist zwei Bläser im Gepäck – für die typischen Ska- und Reggaetöne zwischen all dem Punk sorgen kann. Gemeinsam mit der markanten Stimme von Costa und dem wummernden Bass von Böhle 77 brachten sie das Publikum zum Durchtanzen. Die Sound-Qualität war für Punkrock-Verhältnisse einwandfrei. Einzelne versuchten sich sogar im Stage-Diven.

Der für die Band untypisch politische Song „Ostberlin“, der die deutsche Flüchtlingspolitik und die AfD kritisiert, wurde typisch ironisch angekündigt: „Der nächste Song behandelt ein Problem, das ihr in Österreich nicht kennt…NICHT“. Nach gut eineinhalb Stunden sparten die Westdeutschen nicht bei den Zugaben. Dabei wurde zu melancholischen Songs wie „Für immer nie nüchtern“ und „Bist du glücklich“ gegriffen. Der Band scheint es in Wien Spaß gemacht zu haben, denn plötzlich war alles „urschön“ und „leiwand“.

Schwechater aus der Dose
Weniger bekannt  war die Vorband Pott Riddim, welche die Show  im noch leeren Saal eröffnete. Noch befand sich das Publikum an der Bar, wo an diesem Tag wegen defekter Schankanlage nur Schwechater aus der Dose ausgeschenkt wurde. Sänger Makko Lino versprühte dennoch gute Laune und schaffte es nach mehrmaligem Auffordern zumindest für den Song „Nie mehr arbeiten gehen“, doch eine kleine Gruppe vor der Bühne zu versammeln. Der westdeutsche Humor kam gut an und bei dem Song „Kniet nieder ihr Bauern – der Ruhrpott ist da“, packten einzelne Besucher sogar ihre Ruhrgebiet-Fahnen aus. Makko Lino resümiert nach dem kleinsten Gig der Tour zufrieden:

„So ein kleines Konzert ist der perfekte Tour-Abschluss, das ist so schön intim. Obwohl es hat auch was, wenn Köln oder Leipzig vor der Bühne steht und mitsingt.“

Der Sänger erzählt, dass sie in Deutschland immer vor 1000 bis 1300 Zusehern gespielt hätten, in Wien waren es etwa 300. Pott Riddim begleitete die ganze Tour der Sondaschule: „Die Busfahrten sind schon wie eine Klassenfahrt“, schwärmt er, der sich nach der langen Tour schon auf die Heimfahrt freut.

„Waffenschein bei Aldi“
Vor zwei Jahren sind Sondaschule mit „Schön kaputt“ das erste Mal in die Top-Ten Album-Charts eingestiegen. Das neue Album „Schere, Stein, Papier“  ist mehr reggae- als skalastig und politischer als die Vorgängeralben. Der Sound kann als eine Mischung aus Ärzten, Seeed, Feine Sahne Fischfilet und den Broilers beschrieben werden. Farin Urlaubs Stimme hat man zumindest beim Song „Waffenschein bei Aldi“ im Kopf.

Das Album "Schere, Stein , Papier"
Das Album „Schere, Stein, Papier“ Foto: Konstantin Auer

Der Mix aus Spaß und Gesellschaftskritik trifft aber nicht zufällig auf den Diskonter, so stammt zumindest ein Teil der Band aus Mülheim an der Ruhr, wo auch die Gebrüder Aldi ihre Wurzeln haben. Der Name der Band entsprang der Debatte, ob denn Musikgruppen jetzt New- oder Oldschool seien, in welcher sich die Sondaschule wohl nicht eindeutig einordnen wollte.

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