Wenn im Keller Kunst entsteht

Frei von Wertung und Selektion, offen für Entfaltung und Entwicklung: Open Stage im Felsenkeller. Seit 15 Jahren bietet das Café Concerto Musikern regelmäßig die Möglichkeit, ihr Können vor Publikum unter Beweis zu stellen. Einmal aufgetreten, findet man sich schnell in einem Netzwerk aus internationalen Singer-Songwritern wieder.

Patricia setzt sich ans Klavier und richtet das Mikrophon ein. Sie streicht ihre langen dunklen Haare hinters Ohr und blickt hinüber zum Schlagzeug. Dort hat Paul bereits Platz genommen und greift leicht angespannt nach den Sticks. Es ist Mittwochabend, zirka 22 Uhr. Das Duo Atzur steht heute Abend das erste Mal auf der kleinen Bühne zwischen den rustikalen Gewölbemauern im Felsenkeller des Café Concerto. Vor ungefähr 20 Zuhörern, die meisten davon selbst Musiker, werden die beiden gleich ein Stück ihrer Geschichte, ihrer Musik, ihrer Persönlichkeit preisgeben.

Der Eingang zum Felsenkeller des Café Concerto am Lerchenfelder Gürtel © Margit Körbel

Eine Idee schlägt Wellen

Begonnen hat alles im März 2002. Zwei Jahre nach Eröffnung des Café Concerto im 16. Wiener Gemeindebezirk hat der Musiker Stephan „Stoney“ Steiner die Idee, eine Open Stage zu veranstalten, bei der Künstler aller Art die Chance erhalten, vor Publikum aufzutreten. Das Konzept war ihm von Festivals in England und Frankreich bekannt, ein Pendant in Wien fehlte noch.

„Ich dachte mir, es wäre schön so etwas in Wien zu haben. Es gab hier nicht viele Erfahrungswerte und dann hat es aber relativ schnell eine Eigendynamik bekommen.“ (Stefan Steiner)

Zusammen mit Concerto-Eigentümer Heinz Seidl setzte er die Idee in die Tat um. Seither findet die Open Stage einmal im Monat statt. Während es zu Beginn unter anderem auch Kabarett-Einlagen gab, liegt der Fokus mittlerweile vor allem auf Folk, World Music oder reiner Instrumentalmusik. Ein paar Jahre nach Einführung der Open Stage, ergänzt Seidl das Programm um die monatliche Songwriters Night. Hier präsentieren die Musiker Eigenkompositionen, die stilistisch breiter gefächert sind.

Die Funkpop-Gruppe wALTEREGOn ist regelmäßig bei Songwriter Nights im Concerto zu hören.    © Margit Körbel

Wichtig für die Veranstalter ist, beide Events leicht zugänglich und offen zu halten und auf die Musiker zu vertrauen. Sie sollen die Möglichkeit haben, ihre Geschichten und Botschaften aufbauen zu können und sich selbst auszuprobieren.

Von Do-It-Yourself zu Professionalität

Steiner bezeichnet das Concerto als Treffpunkt der Wiener Songwriter Szene der ersten Stunde.  Künstler wie Katrin NavessiBoxer John oder Laura Rafetseder, die auch heute noch ab und zu im Concerto zu hören ist, fanden im Felsenkeller zusammen.

„Wenn man sich die Liste der Leute anschauen würde, die hier gespielt haben, könnte man die Entwicklung der Wiener Do-it-yourself-Kultur nachvollziehen.“ (Stefan Steiner)

Eine Entwicklung der Musiker in den letzten Jahren sieht Steiner vor allem in deren Professionalität. Sowohl von der musikalischen Technik her, als auch der Präsentation auf der Bühne sei das Niveau momentan sehr hoch. Die Orientierung an zeitgenössischen amerikanischen und englischen Singer-Songwritern spiele eine wichtige Rolle, so Steiner.

Ein Netz aus verbundenen Individualisten

Englisch genießt im Concerto hohen Stellenwert. Der Anteil an deutschsprachigen Musikern beschränkt sich auf zirka ein Fünftel, ansonsten findet man hier vorrangig internationale Künstler. Oft locken soziale Netzwerke Musiker auf der Durchreise für einen Zwischenstopp in den Felsenkeller. Der Austausch von Erfahrungen und das Knüpfen von Kontakten nehmen neben dem Sammeln von Bühnenerfahrung eine wichtige Rolle ein.

„Viele machen es, weil sie ihre Songs einfach mal auf der Bühne ausprobieren wollen. Aber die meisten sehen es aus einem gewissen gesunden Eigennutz heraus sinnvoll, sich zu vernetzten.“ (Stefan Steiner)

Als Sprungbrett für die großen Bühnen kann man das Cafe Concerto zwar nicht sehen, aber es gibt doch einige, die zumindest innerhalb der Szene einen guten Namen haben. Ab und an mischen sich außerdem Talentsucher unter die Zuhörer, die Künstler für kleine Events engagieren.

Ein Auftritt mit Folgen

„We sing heavy songs, but we are happy people“ erklären Atzur mit einem Schmunzeln und starten mit der Eigenkomposition „The Death of the Sun“. Die Performance überzeugt, sodass Seidl dem Duo anbietet, gemeinsam mit ein oder zwei weiteren Songwritern demnächst abendfüllend im Concerto zu spielen.

Momente wie dieser Mittwoch sie bietet, sind für Seidl das Schöne an der Songwriters Night. Von Anfang bis Ende herrscht hohe Qualität und gute Stimmung. „Es erfüllt einen mit Stolz, wenn man Leuten ein Podium bietet, die dann vielleicht weitere Schritte gehen“, stimmt Steiner zu.

Mittwoch 10.1.2018 | 21:00 - Felsenkeller
Open Stage: Singer/Songwriter, Folk, World & Roots Music

Mittwoch 24.1.2018 | 21:00 - Felsenkeller
Songwriters Night

Mittwoch 28.2.2018 | 21:00 - Felsenkeller
Songwriters Night

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