Interaktiv improvisiert: Theatersport zum Mitlachen

Acht Teams kämpften Ende November in den Finalrunden der 18. Österreichischen Theatersport-Meisterschaften im Linzer Posthof um die Gunst des Publikums. Nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den beiden Wiener Theater-Ensembles „English Lovers“ und „Quintessenz“ entschied sich das finale Duell durch eine Käsereibe.

Flyer der 18. Österreichischen Theatersport-Meisterschaften © Posthof Linz

Nach zehn Runden herrscht im Finale Punktegleichstand. Es kommt zum Stechen. Jede Gruppe hat eine Minute Zeit das Publikum mit einem improvisierten Stück zum Thema Tod von sich zu überzeugen. Als Mordwaffe bestimmen die Zuseher für Quintessenz eine Küchengabel.  Die English Lovers müssen mit einer Käsereibe vorliebnehmen. Trotzdem ernten sie für ihre Improvisationskünste neben Jubel, Beifall und Gelächter ihren achten Meistertitel.

Liebesgeschichten, Leichen, Lachanfälle

Obwohl den Schauspielern neben ihren Körpern und ihrer Kleidung nur ein paar Sessel zur Verfügung stehen, verzaubern sie die Bühne innerhalb von Sekunden in greifbare Schauplätze.  Dieselbe Kulisse dient im Laufe des Abends auf Wunsch des Publikums als Weltall, Museum, Tankstelle, Lebkuchenhaus und kasachisches Schloss. Je nach Runde dürfen die Zuseher auch über Genre, verwendete Gegenstände, Figuren und Gefühlssituation entscheiden. Auf eine Liebesgeschichte folgt somit ein Thriller – auf eine Leiche ein Lachanfall seitens des Publikums.

Von Quasimodo bis „ShakesBier“

Pianist David Wagner umrahmt die Darbietungen mit Klaviermusik. Er findet stets die passenden Harmonien zum improvisierten Gesangsduett im gemischten Doppel, gibt den Rhythmus der Tanzshow „Quasimodo“ vor und begleitet Gerit Scholz, die einzige Frau auf der Bühne, durch eine kasachische Oper.

Gemischtes Doppel: Ein Gesangsduett von Gerit Scholz & Jacob Banigan © Claudia Diwold

Zur Koordination der Zurufe des Publikums steht Moderator Jörg Schur, selbst erfahrener Improvisator, mit auf der Bühne. Abwechselnd mit den Schauspielern nimmt er die Anregungen der Zuseher entgegen. Man merkt sofort, wer nicht zum ersten Mal im Improtheater sitzt. „Comedy!“ „Drama!“ „Terrasse!“ „Dolch!“ „Totenschädel“, tönt es aus dem Publikum, als Quintessenz von den English Lovers ein Shakespeare-Stück fordert. Schließlich kombinieren die drei Native-Speaker alle Inputs zu einem Stück und machen aus Shakespeare „ShakesBier“, inklusive Liebesdrama, Dosenbier, Mord und Totenschädel. Die Menge tobt.

Das Publikum entscheidet: Rot für Quintessenz oder Grün für English Lovers © Claudia Diwold
Fünf, vier, drei, zwei, eins – los!

Nach jeder Runde stimmt das Publikum ab. Zur Bewertung der Teams liegen pro Sitzplatz zwei Kärtchen bereit – Rot für Quintessenz und Grün für English Lovers. Wer in welcher Runde die Punkte erhält, wird demokratisch per Handzeichen entschieden. Es ist nicht immer ganz eindeutig welche Farbe dominiert, dennoch muss Moderator Schur eine Entscheidung treffen. Dann wird die nächste Aufgabe erklärt und das Publikum zählt ein: „Fünf, vier, drei, zwei, eins – los!“ Das Licht geht aus und den Teams bleiben fünf Sekunden zur Vorbereitung. Um in dieser kurzen Zeit eine unterhaltsame Darbietung aus dem Boden zu stampfen, trainieren die Schauspieler vor der Meisterschaft mindestens einmal pro Woche.

Wenn English Lovers „vor die Tür kacken“

Runde Nummer fünf müssen die Schauspieler ohne Worte meistern. Dazu fragt Moderator Schur das Publikum nach einer non-verbalen Beleidigung. „Vor die Tür kacken“, ruft jemand von der Tribüne, denn beim Improtheater ist alles erlaubt. Trotzdem einigt man sich auf eine Ohrfeige. Doch dabei bleibt es nicht. Mindestens zehn davon verteilt Jim Libby, gebürtiger Amerikaner und Gründungsmitglied der English Lovers, an seine Kollegen Jacob Banigan und Michael Smulik. Gemeinsam mit sechs weiteren Englisch-Liebhabern ist die Gruppe komplett. Ihre aktuelle Christmas Show ist noch bis 22. Dezember im Theater Drachengasse zu sehen. Fünf Teammitglieder stellen sich außerdem regelmäßig bei der Veranstaltungsreihe Sport vor Ort im Theater an der Gumpendorfer Straße dem Publikum.

7. Österr. Theatersport-Meisterschaften: Finalrunde; English Lovers (links) : Die Art!schoken (rechts) © grox: Guenther Groeger, Kultur-/Pressefotograf
Improtheater – geteilte Leidenschaft

In der Schlange an der Garderobe resümiert ein Zuseher den Abend als „ordentliches Bauchmuskeltraining“ und bedankt sich bei seiner Begleitung ihn mitgeschleppt zu haben. Es nennt sich zwar Meisterschaft, jedoch steckt kein Konkurrenzkampf dahinter, sondern geteilte Leidenschaft. Während eine Gruppe spielt, verfolgt die zweite gespannt die Entwicklungen, jederzeit bereit als Statisten einzuspringen oder auszuhelfen. Im Vordergrund stehen Spaß und Vergnügen – eine Dynamik, die in Sekundenschnelle auf das Publikum überschwappt. In zwei Jahren wird die 19. Meisterschaft über die Bühne gehen. Auch dann wird es wieder heißen: Fünf, vier, drei, zwei, eins – loslachen!

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