Ein Vogel als Vorbild für die Inklusion

Die Nachtigall singt nur, wenn sie sich wohlfühlt. Die Pädagogische Hochschule Wien und die Wiener Kinderfreunde beherzigen das. Sie wollen SchülerInnen mit Behinderung zum „Singen“ verhelfen. Jetzt haben sie einen Preis für ihr Projekt gewonnen.

Die Lebenshilfe Österreich hat am 16. November zum zweiten Mal den Inklusionspreis verliehen. Prämiert werden Projekte, die Menschen mit Behinderung ein chancengleiches Leben ermöglichen. Der Inklusionspreis soll Menschen mit Engagement auszeichnen und anderen eine Anregung sein. Im „Studio 44“ in Wien wurde pro Bundesland ein Siegerprojekt gekürt.

Einer der Gewinner ist die „Band All Stars inclusive“. In der Band spielen Menschen mit und ohne Behinderung zusammen. Bei der Preisverleihung gaben sie ein Konzert zum Besten. Sie haben den Inklusionspreis im Bundesland Wien gewonnen. Da es in Wien eine Vielzahl an eingereichten Projekten gab, wurden 2017 in der Bundeshauptstadt zwei Projekte prämiert. Auch das Mentoringprogramm „Nightingale inklusiv“ gewann einen der begehrten Inklusions-Awards. (Nightingale ist Englisch und bedeutet übersetzt Nachtigall.)

Bei „Nightingale inklusiv“ übernehmen StudentInnen der Pädagogischen Hochschule (PH) Wien eine Mentorenrolle und die Freizeitgestaltung für SchülerInnen mit Behinderung. Die Mentoren treffen sich einmal pro Woche mit den SchülerInnen und verbringen Zeit miteinander. Ziel von „Nightingale inklusiv“ ist es, Inklusion vorzuleben und gegenseitiges Verständnis zwischen den StudentInnen und ihren Schützlingen zu schaffen.

Wiener Kinderfreunde

Entstanden ist „Nightingale inklusiv“ durch die Zusammenarbeit der PH Wien mit den Wiener Kinderfreunden. Die Kinderfreunde sind ein gemeinnütziger Verein, der eine Anlaufstelle für Eltern und Kinder ist. Sie bieten Leistungen wie Kinderbetreuungen und Kinderschutzzentren an.

Für das „Nightingale inklusiv“ Projektteam ist der Gewinn des Inklusionspreises eine Bestärkung das Programm fortzuführen, wie Projektkoordinatorin Veera Lindholm erklärt: „Das ‚Nightingale inklusiv‘ Projekt ist in seiner Form einzigartig in Österreich. Durch den Inklusionspreis wird hoffentlich der Bekanntheitsgrad des Projektes gesteigert und vielleicht auch an anderen Einrichtungen angeboten.“

StudentInnen und SchülerInnen profitieren

Projektteilnehmer Christopher Buchta betreut im Rahmen von „Nightingale inklusiv“ seit einem Semester den zwölfjährigen Schüler Adrito, der eine Entwicklungsverzögerung hat. Das bedeutet, dass Adritos Aussehen und seine kognitiven Fähigkeiten nicht seinem Alter entsprechen. Die beiden haben schon viel zusammen erlebt: Im Advent haben sie Kekse gebacken und den Christkindlmarkt besucht. Sie profitieren dabei gegenseitig voneinander: „Für Kinder ist es oft schwer, in der sozialen Umwelt zu interagieren. Selbstständigkeit ist dabei ein großes Thema, gerade das versuche ich mit Adrito zu trainieren.“ Christopher hingegen nimmt für den Beruf als Lehrer wichtige Erfahrungen mit: „Ich finde es ist sehr hilfreich, gerade wenn es um die Geduld geht, besonders für den Schulalltag. Du wirst toleranter und kannst abschätzen, wo du Grenzen setzen musst und solltest.“

Christopher (l.) und Adrito (r.), (Bild: Christopher Buchta)

Herausforderungen des Projekts

Das Verhältnis zwischen Christopher und Adrito zeigt, wie „Nightingale inklusiv“ für beide Seiten bereichernd sein kann. Doch ganz ohne Schwierigkeiten läuft das Projekt nicht ab, sagt Lindholm: „Oft sind es die Studierenden ohne Erfahrung mit Behinderten, die Berührungsängste zu Beginn des Projekts haben“. Zudem ist die Teilnahme sehr zeitintensiv, weshalb Christopher es auch nicht allen seiner StudienkollegInnen weiterempfehlen würde. Er betont, dass eine intensive Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Schützling notwendig sei, damit das Mentoringprogramm auch Sinn mache.

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Titelbild: Ritchy Pobaschnig

Fiktives Veröffentlichungsdatum: 02.12.2017