Hochzeit mit Wasserpistole und Konfetti

Sex, Polygamy and Rock´n´Roll: Neben „Hair“ ist „The Rocky Horror Show“ das wahrscheinlich bekannteste Musical aus der Rock-Musical Ära  der späten 60er und frühen 70er Jahre. Jetzt gastiert es im Museumsquartier.

Die Komik in Comedy-Musicals sei einer platten Rochade an den immer gleichen Gags gewichen. Das fand Richard O’Brien der mit der damalig- vorherrschenden Richtung der Comedy in Musicals nicht einverstanden war. Don´t dream it – be it, soll er sich gedacht haben, als er sein Stück schrieb, um damit die Skurrilität in das Rock-Musical zu bringen. Sein Motto wurde auch gleich zu einem der berühmtesten Zitate der Show, die seit nun schon 45 Jahren die Massen begeistert.

Die Rahmenhandlung ist genauso brillant absurd wie bekannt: Richard O’Brien schrieb eine Geschichte über die sexuelle Befreiung und die Polysexualität, verpackt in eine Parodie des klassischen Horrorfilms: In einer regnerischen Nacht kommt das Auto des frisch verliebten Paares Brad Majors und Janet Weiss zum Erliegen. Glücklicherweise befindet sich in der abgeschiedenen Gegend ein altes Herrenhaus. Das Pärchen will eigentlich nur kurz um eine Möglichkeit zum Telefonieren bitten und wird plötzlich in eine Kette reichlich unerwarteter Ereignisse gezogen. Ihr Gastgeber, der exzentrische (und vor allem außerirdische) Wissenschaftler Dr. Frank N. Furter beschließt ungefragt Brad und Janet seine neueste Schöpfung zu präsentieren: Den hochattraktive Rocky, der in erster Linie für Vergnügen, sexuelles Vergnügen um präziser zu sein, geschaffen wurde. In der restlichen Nacht wird das Paar Zeuge von Eifersucht, Dramen, dem Raub der Unschuld, jeder Menge sexueller Anspielungen und sieht sich selbst einer durchaus eigentümlichen Prüfung ihrer Liebe ausgesetzt

 Do you think I made a mistake splitting his brain between the two of them? – Frank N. Furter

@Museumsquartier Wien

Dass die Rocky Horror Show in der treuen Musical-Fangemeinde, aber auch darüber hinaus, längst Kultstatus besitzt, ist kein Geheimnis. Es ist also auch nicht überraschend, dass sich viele Zuseher bereits vor dem Besuch für die diversen Rituale rüsten. Denn das Stück ist durchaus interaktiv: So schleudert man etwa bei einer Hochzeit mit Reis um sich, wirft Konfetti en masse in die Luft, wenn Frank und Rocky ins Schlafzimmer schreiten und spritzt während Brads und Janets Flucht vor dem Sturm mit Wasserpistolen. Dadurch ist es wiederum nicht unüblich, einfach alte Zeitungen mitzubringen, um sich vor diesem Sturm zu schützen.

Und jetzt ist das Raumschiff des Dr. Frank N. Furter im Museumsquartier gelandet. Mit Sky Du Mont als Erzähler hat der britische Regisseur Sam Buntrock ein Schwergewicht der deutschsprachigen Unterhaltungsindustrie verpflichtet. Und dieser hat die nicht einfache Aufgabe, mit einem traditionell aufmüpfigen Publikum umzugehen. Auch das gehört zur Vorführung. Die mehr als vier Dekaden alte Faszination der Rocky Horror Show macht eben mehr aus als nur das Stück an sich. Das Publikum ist genauso gefordert wie die Schauspieler. Und beide Seiten sollen Spaß haben.

Boooooriiiing! – Das Publikum Richtung Erzähler